RE: Triclinium | Balventius Scapula zu Gast
Oh, Venus war eine sehr grausame Göttin! Prisca erkannte das jetzt. Dachte er, dass sie es nicht wollte? Ihr Körper schien an Stellen entflammt zu sein, von denen Prisca nicht wusste, dass sie sie hatte. Alles in ihr wollte so gerne seine Arme fühlen, seine Lippen, ihm nah sein und ihn küssen! Sie verzehrte sich geradezu danach, und ein nicht gerade kleiner Teil von ihr wünschte sich, er hätte sich über ihren Einwand einfach hinweggesetzt und sich das geholt, was er wollte. Es erobert, wie ein römischer Mann nun einmal das eroberte, was ihm zustand. Oh ja, Prisca war gerade sehr bereit dafür, erobert zu werden.
Aber der andere Teil, der noch ein wenig denken konnte, war dankbar, dass er das nicht tat, sondern ihr nein akzeptierte. Es war ohnehin schon schwer, zu widerstehen, wenn er sie so ansah. Wenn er sie in seine Arme gezogen hätte, es wäre unmöglich gewesen. Und genau deshalb verursachten seine Worte auch sowohl Erregung als auch Furcht. Oh, wie gerne Prisca mit ihm all dem hier entfliehen wollte! Einem Mann, der sie wie einen Soldaten herumbefehligte, einem Bruder, der dasselbe tat, nur schlimmer, eine Schwiegermutter, die dem eigenen Sohn die eigene Schwester ins Bett legte aus Rache an einem toten Mann… Oh, Prisca wäre zu gerne mit Balventius Scapula geflohen, wo auch immer er hinwollte. Aber sie hatte auch Angst, einen Fehler zu machen, erwischt zu werden und dann gänzlich gefallen zu sein. Eine Ehebrecherin konnte nie wieder heiraten. Welche Zukunft hatte sie dann noch?
Und so zog sich der Augenblick auch hin, während Prisca zwischen diesen zwei sehr starken Impulsen gefangen war.
“Mein Mann wird bald operiert...“ Sie konnte nicht glauben, dass sie das wirklich gesagt hatte. Aber es war ja nur ein sehen und ein Treffen, nichts anderes. Nein, Prisca würde nicht ihre Ehe brechen. Sie sah wieder zu ihm auf und so viel Hoffnung lag in ihrem Blick. Nein, Balventius Scapula war ein anständiger Mann. Er würde nichts tun, was sie gefährdete, oder ihr weh tat. Und der Akt, der zum Ehebruch dazugehörte, war Priscas geringen Erfahrungen nach recht schmerzhaft und unangenehm.
Einen winzigen Schritt kam sie wieder näher zu ihm, weil sie alles an ihm so anzog. “Nur ein Kuss, ja?“ flüsterte sie, um sich zurück zu versichern, dass seine Absichten nicht unangemessen waren. Aber auch, wenn es falsch war, sie wollte trotzdem gerne wenigstens einen Kuss.
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Vormund (Tutor): Aulus Carisius Primus (NSC)
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