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RE: Cena mit Tib. Furius Saturninus
Furius Saturninus trat mit dem ausladenden Schritt eines Mannes ein, der wusste, dass sein unerwartetes Auftauchen sowie Neugierde als auch Furcht erwecken könnte
Er legte jetzt seine schwere, wettergegerbte Paenula ab, den Reisemantel, den er gegen den allgegenwärtigen britischen Nieselregen getragen hatte, und reichte sie mit einer knappen Geste einem bereitstehenden Sklaven. Darunter kam eine feine Tunika mit Purpurstreifen zum Vorschein, die im Gegensatz zu Montanus, der à la grecque gekleidet war, seinen Stand unterstrich.
Ein weiterer Sklave eilte herbei, um ihm in raschen, geübten Griffen die schmutzigen Stiefel auszuziehen und seine Füße mit duftendem Wasser zu waschen, bevor man ihm leichte Haussandalen reichte.
Saturninus steuerte direkt auf den Ehrenplatz auf der mittleren Kline, der ihm als Patrizier gebührte, zu . Er ließ sich elegant auf den weichen Kissen nieder, stützte den linken Ellbogen auf und blickte sich im Raum um:
Ich danke dir für die so spontane Gastfreundschaft, werter Montanus. Möge Vesta dein Haus segnen“, begann er pflichtbewusst und verlor keine Zeit, sich nach der Familie zu erkundigen:
"Sage mir, wie ergeht es deiner verehrten Mutter Livia Diademata? Ich hoffe doch inständig, das raue, unbarmherzige Klima dieser Insel setzt ihrer Gesundheit nicht allzu sehr zu"
Das hörte sich nach zarter Dame an, aber in Saturninus Augen war die Plautiusmutter alles andere als zerbrechlich:
"Meine ebenso beste wie würdigste Serena hat das Klima leider nicht mehr vertragen. Sie weilte lange zur Erholung in unserem geliebten Italia, ist jedoch nun auf dem Rückweg. Ich bin sehr froh darüber. Eine gute Ehefrau und ein Herdfeuer verwandeln ein Haus doch erst ein echtes römisches Heim, da stimmst du mir gewiss zu, werter Montanus?"
Saturninus machte eine kleine Pause. Wenn es irgendwo eine Frau im Leben des dicken Ritters gab, dann war jetzt der schickliche Moment, sie zu erwähnen. Und dann konnte Saturninus die Cena genießen, denn die nächste Rennsportsaison wäre gerettet.
Noch bevor eine Antwort erfolgen konnte, schwirrten die Sklaven wie ein eingespielter Schwarm um sie herum. Sie servierten die Gustatio, den ersten Gang des Abends: In Garum eingelegte Oliven, hartgekochte Eier mit einer würzigen Pinienkernsauce und frisch gefangene, in Honig gewendete Siebenschläfer, die auf silbernen Platten dufteten. Ein Diener reichte Saturninus einen Becher mit süßem Mulsum während ein anderer ihm ein feines Leinentuch anbot, um die Finger zu reinigen.
Saturninus nahm einen tiefen Schluck, blickte Montanus über den Rand des silbernen Bechers hinweg an. Immer noch nicht kam er auf den Zweck seines Besuches zu sprechen, sondern übte sich in gepflegter Konversation:
"Reden wir von erfreulicheren Dingen als dem britannischen Mistwetter. Dein Tisch, der Wein und der Service deiner Sklaven sind wirklich vorzüglich, ich muss dreierlei loben“, fuhr er fort und ließ dann eine kleine Stichelei gegen den gegnerischen Wagenrennverein folgen:
"Doch wie läuft es eigentlich bei deinen Weißen, Dominus Factionis? Ich habe die Berichte aus Rom erhalten. Deine Gespanne haben im Circus Maximus zuletzt ja ordentlich Staub geschluckt. Du solltest vielleicht überlegen, deine Zucht komplett umzustellen, wenn du den Anschluss nicht verlieren willst.“
Voller Stolz legte er nach: "Ich habe mir erst kürzlich über den Händler Taurus im Osten vier der berühmten Himmelsdrachen gesichert. Goldfarbene Hengste, direkt aus Parthien! Sie haben mich ein halbes Vermögen gekostet, das gebe ich offen zu – und der Transport hierher nach Iscalis war ein Albtraum. Aber wenn du diese goldenen Geschöpfe unter Frowins Hand laufen siehst,… sie fliegen förmlich über den Sand. Die Blauen werden in dieser Saison absolut unschlagbar sein. Deine Wagenlenker werden von hinten wohl oder übel nur ihre Hufeisen zu Gesicht bekommen“, und weil er großzügig erscheinen wollte:
" Ich leihe dir aber eines meiner Goldstücke gerne aus, eine deiner Stuten zu decken. Das tue ich gerne, danke mir nicht"
Er lehnte sich tiefer in die Kissen und griff nach einem der in Honig gewendeten Siebenschläfer, während er die Reaktion seines Rivalen - Gastfreundes abwartete. Noch genoss er das Geplänkel – und noch ahnte Montanus ja nicht, welches kaiserliche Dekret Saturninus in seiner Tasche trug.
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