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RE: Private Räume des Marcus Salvius Falco
Falco hob den Blick und sah seinen Majordomus lange an, bevor er sich wieder seinem Tablett zuwandte. Er nahm ein Stück Käse und drehte es zwischen den Fingern, als wollte er sich vergewissern, dass sich weder Schimmel noch sonstiger Unrat daran befand. Schließlich hatte er Besseres zu tun, als sich mit verdorbenen Lebensmitteln herumzuärgern.
„Decken? Du meinst also, Decken würden mich vor dem Tod retten?“, fragte er mit bemerkenswerter Ruhe und steckte sich den Käse in den Mund.
Er kaute langsam. Er erwartete keine Antwort, Erklärungen und Ausflüchte, er erwartete Ergebnisse.
Erst nachdem er den Käse hinuntergeschluckt hatte, hob er wieder den Kopf und sah seinen Majordomus an.
Kurz vor seiner Abreise nach Gallien hatte er Hasani die Stellung eines Majordomus anvertraut. Damals hatte ihm die Entscheidung richtig erschienen. Der junge Sklave war aufmerksam gewesen, wusste sich zu benehmen und besaß eine angenehme Erscheinung. Nun musste Falco sich nach seiner Rückkehr ausgerechnet mit einem kalten Boden beschäftigen. Eine Kleinigkeit, gewiss, aber eine, um die er sich eigentlich nicht selbst kümmern sollte.
Vielleicht war es ein Fehler gewesen, Hasani diese Stellung zu geben.
Als Falco ihn erworben hatte, war er noch ein Lustsklave gewesen. Möglicherweise lagen seine Fähigkeiten eher dort. Ein Majordomus musste mitdenken, Probleme lösen und dafür sorgen, dass sein Herr sich nicht mit jeder Kleinigkeit befassen musste.
Er hatte Hasani schließlich nicht ohne Grund ausgewählt. Falco verstand es, Schönheit und edle Anlagen zu erkennen – bei Menschen ebenso wie bei Pferden. Seine Tiere waren der beste Beweis dafür. Sie waren kräftig, gut gezüchtet und zuverlässig. Bei Menschen war es mitunter schwieriger, ihre Vorzüge zur Geltung zu bringen, doch mit der richtigen Führung ließ sich vieles erreichen.
Falco betrachtete Hasani einen Augenblick länger, als nötig gewesen wäre. Dann wandte er sich ab. Es würde sich zeigen, ob seine Einschätzung richtig gewesen war.
„Sorg dafür, dass der Boden warm wird. Und zwar dalli, dalli! Sonst bist du nichts weiter als ein Zuchtochse. Ich züchte Pferde von edler Rasse, keine Ochsen wie dich“, raunzte er ihn an und widmete sich wieder seinem Frühstück.
Damit hatte er vorerst genug Zeit an seinen Majordomus verschwendet.
Er hatte gut geschlafen, und sein Appetit war ebenfalls zurückgekehrt. Es wurde Zeit, dass er wieder seinen gewohnten Beschäftigungen nachging. Ein Spaziergang über das Forum wäre ein guter Anfang. Vielleicht besuchte er Saturnius oder ging in die Thermen.
Die Thermen waren eine ausgezeichnete Idee. Dort würde ihm ordentlich warm werden, und eine Runde im Gymnasium konnte nach der langen Krankheit ebenfalls nicht schaden.
Die Zeit in Gallien und Hispania hatte gereicht. Capito minor hatte alles im Griff gehabt, und Bambi war ihm zur Seite gestanden. Falco hatte sich deshalb um wenig kümmern müssen.
Er strich eine Brotkrume vom Tablett. Trotzdem würde er froh sein, wieder selbst nach dem Rechten sehen zu können.
Vielleicht sollte er auch den Heiler zu sich bestellen. Bei Gelegenheit. Es gab keinen Grund, deswegen gleich Umstände zu machen, zumal er sich bereits deutlich besser fühlte. Nur die Albträume störten noch gelegentlich seinen Schlaf. Manchmal erwachte er schwer atmend und brauchte einen Moment, bis das Zimmer wieder vertraute Konturen annahm. Das würde sich vermutlich von selbst geben.
Er hatte jedenfalls nicht vor, sich deswegen den Tag verderben zu lassen.
Ein Besuch im Tempel wäre vielleicht dennoch angebracht.
Welchen Göttern musste er gleich noch einmal ein Opfer bringen, damit sie ihm diese Harpyien vom Hals hielten?
Falco konnte sich nicht erinnern, wann er zuletzt ernsthaft um göttlichen Beistand gebeten hatte. Gewöhnlich verließ er sich lieber auf seine eigenen Fähigkeiten. Doch es wäre unklug, die Götter nach einer glücklichen Heimkehr völlig zu übergehen.
Auch am Hausaltar sollte er eine Opfergabe darbringen. Für seine Rückkehr und dafür, dass er wieder in seinem eigenen Haus war. Ein wenig Dankbarkeit konnte nicht schaden.
„Lass Opfergaben vorbereiten. Ich will den Göttern für meine glückliche Rückkehr und den warmen Boden danken.“
Er sagte es, als wäre die Sache damit erledigt, und erhob sich von der Kline. Seine Füße fühlten sich auf dem Boden noch immer nicht warm genug an. Er streckte sie aus, damit ihm jemand die Pantoffeln anzog, und wartete, bis sich ein Sklave seiner annahm.
„Janus! Komm her und bring warmes Wasser. Ich brauche eine Rasur!“, rief er und schlurfte zurück in sein Zimmer.
Später würde er in die Stadt gehen. Er hatte Geschäfte zu erledigen und Freunde zu besuchen. Bis dahin blieb genügend Zeit, sich fertig zu machen. Es gab keinen Grund zur Eile.
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