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Auf der Wiese ...
10-18-2026, 05:38 PM,
Beitrag #4
RE: Auf der Wiese ...
Mitten in diesem bunten, lärmenden Treiben entdeckte ich schließlich Clara.
Sie stand erhobenen Hauptes neben den großen Kornspeichern und wirkte zwischen den rauen Männern erstaunlich selbstbewusst und durch ihre fortgeschrittene Schwangerschaft wie die Korngöttin selbst. Sie sprach fließend und ohne Scheu mit einem Mann, dessen schmaler purpurner Saum an der Tunika und die verzierte Rüstung ihn sofort als ritterlichen Militärtribunen auswiesen – zweifellos einer der Offiziere, der für die Proviantierung der nahegelegenen Castra  zuständig war. Sie verhandelte anscheinend hart, deutete auf die vollen Getreidesäcke und lachte einmal herzlich über ein Wort des Tribunus Angusticlavius.

Ich atmete tief aus, und winkte Durs zu, mir zu folgen. Durs zögerte.
" Was fürchtest du dich, alter Freund? Ich bin schließlich Gabinius Secundus, Honoratior der Stadt Iscalis und verheiratet mit einer römischen Patrizierin. Wir brauchen uns nicht zu verstecken"
" Du siehst aber nicht aus wie ein Gabinius Secundus, Herr", bemerkte Durs brummelig.
Ich musste leise lachen. Er hatte ja recht. Nach neun Tagen im britannischen Regen klebte mir das lange, klatschnasse Haar wild im Gesicht. Mein schwerer Reisemantel war verkrustet vor Schlamm, und in der Rechten hielt ich meine Frame – jenen leichten, scharf geschmiedeten germanischen Jagdspieß, den ich auf Reisen weit mehr schätzte als ein Prunkschwert. Mein Gesicht war zwar glatt rasiert, doch in dieser Aufmachung wirkte ich auf den ersten Blick zweifellos wie der Inbegriff eines Barbaren.
Als ich mich den beiden bis auf wenige Schritte näherte, spürte ich sofort, wie die Leibwache des Tribunen die Hand an die Griffe ihrer Schwerter legte. 
Doch da hatte mich meine Gerwina schon gesehen. Sie lief auf mich zu, fiel mir trotz meiner abenteuerlichen Aufmachung in die Arme - und brach in Tränen aus 
Ich wiegte sie hin- und her wie ein Kind und auch mir kamen die Tränen: " Ist es die Freude, mich zu sehen oder hast du dir wehgetan?", fragte ich sie leise auf Chattisch: "Und wo steckt dein Eisu? Sollte er nicht hier bei dir sein?"

Nun verengten sich die Augen des Offiziers ebenfalls, als er den Germanen fixierte, der da so furchtlos mit einer Frame in der Hand die Hausherrin umarmte: 
" Nach deinem Brief gab es für mich kein Halten mehr, Gerwina. Durs und ich haben uns sofort auf den Weg zu dir gemacht", flüsterte ich ihr zu:

"Aber ich denke, es ist besser, dass du mich bei dem Herren Tribunen vorstellst.  Er schaut drein, als wolle ich dich am helllichten Tag entführen"
[Bild: 3_15_08_22_9_36_30.png]
Honoratior der Stadt Iscalis
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Auf der Wiese ... - von Gabinia Clara - 10-15-2026, 03:57 PM
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