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Das schwere, hölzerne Hoftor stand weit offen, als wir nach unserer neuntägigen Reise endlich den Comuxhof erreichten.
Durs fluchte leise hinter mir, während er den erschöpften Sarolf am Zügel führte. Ich war auf Bernjan geritten. Neun Tage lang waren wir, die Knochen kalt und die Mäntel schwer vom Regen,unterwegs gewesen. Doch heute schien die Sonne, als sei sie nie fort gewesen. Nun traten wir direkt durch das geöffnete Tor auf das Gelände des keltischen Anwesens, das meiner Schwester Clara und ihrem Mann gehörte.
Der stolze Comuxhof lag eingebettet in die sanften Hügel des Dobunnilandes. Es war ein weitläufiger, von einer Palisade geschütztes Gebiet, dessen Mitte von einem mächtigen Haupthaus im römischen Stil, und mehreren Gebäuden mit tief heruntergezogenen Reetdächern dominiert wurde. Der vertraute Geruch von feuchtem Lehm, Torfrauch und frisch gebackenem Fladenbrot lag in der feuchten Luft. Doch anstatt ländlicher Ruhe schlug mir beim Eintreffen ein dumpfes, vielstimmiges Stimmengewirr entgegen.Schon auf dem Hof wimmelte es von roten Tuniken und dem matten Glanz eiserner Kettenhemden von Legionären.
Mein Herz setzte für einen Schlag aus. Ein eiskalter Schauder jagte mir über den Rücken, und meine Hand zuckte reflexartig zu meiner Frame. Neben mir spürte ich, wie auch Durs unruhig wurde. In meinem Kopf schrien die alten Geschichten auf, die ich selbst nicht miterlebt hatte, aber es war mir, als sei ich dabei gewesen , so oft hatte ich sie gehört. Ich sah die brennenden Wälder unserer Heimat vor mir und hörte das verbisse Keuchen der Chattenkrieger, die nach ihrem verlorenen Aufstand von den römischen Adlern gejagt wurden wie die Wölfe im Winter.
In der Wildnis war meine Mutter Gerlinda niedergekommen und mein Vater Sonnmar hatte mir eigenhändig auf die Welt geholfen. ....
Schweiß trat mir auf die Stirn. Wiederholten sich die alten Geschichten denn noch einmal? Hatte dieser Prinz Inam den Aufstand gewagt und Roms Bestrafung traf nun die Familie meiner geliebten Schwester? Kam ich zu spät?
Doch als ich den Blick schärfte, legte sich das Hämmern in meiner Brust. Das hier war kein Massaker. Es war ein Markt.
Die Dobunni hatten entlang der Rückseite der hölzernen Wirtschaftsgebäude auf der Wiese provisorische Stände errichtet, und das Bild, das sich mir bot, war von Friedlichkeit geprägt.
Römische Soldaten und keltische Comuxleute standen Schulter an Schulter, feilschten, lachten und gestikulierten wild mit Händen und Füßen. Die Legionäre, sichtlich müde vom harten Dienst im nasskalten Norden, kauften alles auf, was die karge Militärration aufbesserte.
Große Laibe von schwerem Gerstenbrot, Körbe voller knackiger Äpfel und Säcke mit dicken Bohnen wechselten gegen klimpernde Kupfermünzen den Besitzer.
An einem Stand hingen Hälften von Landschweinen, und ein Trupp Soldaten stritt lautstark um den Preis für ein paar fette Gänse.
Besonders begehrt bei den frierenden Römern waren jedoch die dicken, bunt karierten Kapuzenmäntel der Dobunni, die weitaus besser gegen den britannischen Dauerregen schützten als das römische Militärtuch. Eine junge, freundlich lächelnde Frau mit langen roten Locken zeigte stolz ihre Waren.
Ich versuchte jedoch, meine Schwester und ihren Mann Eisu in dem Getümmel zu finden.