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RE: Die Tür zur Wohnung - die schöne Nivis
Das schwere Holz der Tür gab unter seinen Knöcheln kaum nach, doch das dumpfe Geräusch reichte aus, um die Vorfreude in seiner Brust zu wecken.
Tiberius Furius Saturninus trat einen Schritt zurück und zog den dunklen, schlichten Wollmantel enger um die Schultern. Keine Toga wies heute auf seinen patrizischen Stand hin; für diesen fast heimlichen Privatbesuch hatte er die Tracht eines einfachen Bürgers gewählt, um in den Gassen von Iscalis nicht aufzufallen.
Er warf einen kurzen Blick über die Schulter auf seinen Sklaven Leon, seinen einzigen Begleiter. Der spartiatische Leibwächter bezog mit verschränkten Armen Position im Flur. Er wusste von den vorherigen Besuchen genau, was er zu tun hatte. Dennoch raunte der Furius ihm ein kurzes, befehlendes "Wachsam bleiben“ zu, mehr aus Gewohnheit denn aus echter Notwendigkeit.
Leon würde hier im kühlen Treppenhaus des Thorianum I Wache halten und dafür sorgen, dass die Privatsphäre seines Herrn unangetastet blieb. Das Gebäude war keineswegs eine der baufälligen, rauchigen Mietskasernen wie sie in Rom in der Subura gebaut wurden; im ersten Stock gab es sogar den Luxus von fließendem Wasser, dessen stetiges Plätschern beruhigend aus dem Innenhof heraufklang, und hier lag auch Nivis gutgehende Weberei.
Saturninus verlagerte das Gewicht des schweren Lederbeutels in seiner linken Hand. Die Geschenke im Inneren klapperten leise gegeneinander: Eine kunstvoll geschnitzte Holzpuppe für Furiana Saturnilla, eine farbige Tonrassel für Furina Tiberiella und ein kleiner, hölzerner Spielzeugrennwagen für den Sohn Furianus Saturninus. Er und die keltische Liberta hatten in all den Jahren, die Saturninus als grüner Witwer verbracht hatte, drei niedliche Kinder miteinander bekommen. Im Gegensatz zu Victor hatte der Furius ihnen aber weder das Bürgerrecht noch eine offizielle Anerkennung verschafft. Die drei Kinder verblieben im Stand ihrer Mutter.
Während Saturninus auf das Öffnen der Tür wartete, dachte er mit einer gewissen Zärtlichkeit erst an seine Gemahlin Furia Serena und dann an Furiana Nivis. Ohne seine Frau war Saturninus einsam gewesen. Trotz seiner vielen flüchtigen Liebschaften liebte er seine Ehefrau von ganzem Herzen, und ihr gesundheitlich erzwungenes Exil hatte eine schmerzhafte Lücke in seinem Leben hinterlassen. In dieser dunklen Zeit war es Furiana Nivis gewesen, die ihm Liebe gespendet hatte. Bei ihr fand er eine reine, unverfälschte Freude über seine bloße Existenz – eine Freude an ihm als Mann. Saturninus wiederum hatte sie aufrichtig gern und erfreute sich an ihrer Schönheit, wie man sich an einem treuen, liebgewonnenen Geschöpf erfreute, das Schutz brauchte. Für ihn schwang darin keinerlei Herablassung mit; im Gegenteil, diese Familie im Schatten gut zu versorgen, verstand er als festen Teil seiner Pflichten als römischer Patron und Patrizier.
Er fixierte den Türspalt, lauschte auf die Kinderstimmen im Inneren und spürte das vertraute Herzklopfen. Nivis war seine Freude. Seine Hand verharrte in der Luft, bereit, einzutreten, sobald der Riegel von innen zurückgezogen wurde.
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