|
Die Rückkehr des Schmieds
Acht Jahre waren vergangen, seit Deirdre und ich unser gemeinsames Leben begonnen hatten. Wenn ich daran zurückdenke, erscheint es mir manchmal wie das Werk fremder Götter, dass mir nach all dem Leid noch einmal ein solches Glück vergönnt wurde.
Deirdre hatte mir drei Kinder geschenkt. Drei. V
Zwei Jungen und ein Mädchen. Noch immer erfüllte mich Staunen, wenn ich daran dachte. Oft stand ich am Abend vor unserem Haus und lauschte ihrem Lachen. Dann fragte ich mich, womit ich dieses Leben verdient hatte.
Genau deshalb war mir der Aufbruch so schwer gefallen – vor zwei Jahren. Zwei Jahre! Dabei hatte ich Deirdre versprochen, es würde nur ein Jahr werden. Ich glaubte fest daran. Doch Rom hatte mich in seinen Bann gezogen. Die großen Werkstätten Roms hatten mich schon lange beschäftigt. Immer wieder hatte ich von neuen Techniken, besseren Legierungen und Fertigkeiten, die in Britannien kaum bekannt waren, gehört. Deshalb hatte ich meinen Entschluss gefasst.
Mein ältester Sohn war inzwischen sicher kein Kind mehr. Als ich aufbrach, konnte er den Hammer bereits sicher in der Hand halten. Schon damals hatte er jede meiner Bewegungen am Amboss mit derselben Neugier beobachtet, die auch mich einst erfüllt hatte, als ich meinem Vater über die Schulter blickte.
In Italia lernte ich Meister kennen, deren Können alles übertraf, was ich bislang gesehen hatte. Ich arbeitete in Werkstätten, die größer waren als ganze Straßenzüge meines Heimatdorfes einst gewesen waren. Ich war umher gereist, hatte viel gesehen und viel gelernt. Und so wurde aus einem Jahr ein zweites.
Kein Tag verging, an dem ich meine Familie nicht vermisste. Jede Nacht, die ohne meine geliebte Frau verging, erschien mir länger als die vorherige, erfüllt von Sehnsucht und stiller Sorge um die Daheimgebliebenen.
Als der Herbst des zweiten Jahres nahte, wusste ich schließlich, dass ich lange genug fort gewesen war.
Ich verabschiedete mich von meinen Gastgebern, verstaute Werkzeuge, Zeichnungen, meine Habseligkeiten und Geschenke für Deirdre und die Kinder in mehreren Truhen und machte mich auf den Weg nach Gesoriacum. Dort lagen die letzten Schiffe vor Anker, die vor der Winterpause noch nach Britannien übersetzen sollten.
Die Überfahrt erwies sich als deutlich unangenehmer, als ich gehofft hatte. Schon kurz nach dem Auslaufen gerieten wir in raues Wetter. Hohe Wellen warfen das Schiff von einer Seite zur anderen, kalter Regen peitschte über das Deck, und der Himmel blieb tagelang von dunklen Wolken verhangen. Obwohl ich vieles gewohnt war, erwies ich mich als denkbar schlechter Seemann. Die meiste Zeit kämpfte ich gegen die Seekrankheit und verbrachte mehr Stunden über der Reling, als mir lieb war.
So elend die Reise auch war, mein Ziel verlor ich nie aus den Augen. Je näher wir Britannien kamen, desto größer wurde meine Sehnsucht. Die Gedanken an Deirdre und die Kinder halfen mir durch die stürmischen Tage. Als schließlich die vertraute Küste Britannias am Horizont auftauchte, waren Wind und Wellen vergessen. Nach zwei langen Jahren stand ich endlich wieder auf heimischen Boden.
Doch damit war die Reise noch längst nicht beendet. Zunächst musste ich Ausschau nach einem Fuhrwerk halten, das mich und mein ganzes Gepäck nach Iscalis und nach Cheddar bringen konnte. Der Weg dorthin zog sich länger hin, als mir lieb war. Mit jedem Tag wuchs meine Ungeduld. Immer häufiger stellte ich mir vor, wie Deirdre auf mich reagieren würde. Ob die Kinder mich sofort erkennen würden oder mich zunächst wie einen Fremden betrachten würden. Äußerlich hatte ich mich ein wenig verändert. Das lange Haar hatte ich mir bereits auf dem Weg nach Rom abschneiden lassen und die ersten weißen Haare machten sich an den Schläfen bemerkbar. Meine Kleidung hatte sich verändert. Sie war ... römischer. Gewiss hatten sich die Jüngsten hatten in den zwei Jahren meiner Abwesenheit stark verändert.
Als ich schließlich die vertrauten Hügel und Wege rund um Iscalis und Cheddar wiedersah, schlug mein Herz schneller. Die Strapazen der langen Reise, die stürmische Überfahrt waren vergessen.
Nach mehr als zwei Jahren war ich endlich dort, wo ich hingehörte: Zu Hause.
|