|
RE: Vater-Sohn Bonding-Experience
Frowin freute sich aufrichtig, den Furier wiederzusehen. Es war schon eine ganze Weile her. Nicht bereits acht Jahre, doch stimmte es, dass Saturninus seinen Sohn noch nie gesehen hatte. Es war auch nie zur Sprache gekommen bei all dem Geschäftlichen. Dass er, Frowin, mal Gespräche über Gewinne und Geld mit Patriziern führen würde...
"An Victor erinnere ich mich gut. Mut und Kraft für Zehn!", lachte der Rothaarige und brachte den jungen Halbrömer damit zum Strahlen. Victor sah seinem Vater sehr ähnlich. Er war kräftig für sein Alter. Kein Sohn, für den man sich schämen musste. "Aus dir machen wir schon einen Weltklasse-Fahrer. Aber die Hosen ziehen wir erst wieder an, wenn dein Vater abgelenkt ist, einverstanden?"
Victor lachte über diesen offensichtlichen Scherz. Frowin zwinkerte ihm zu, auch wenn er es besser wusste, als hinter dem Rücken seines Gönners Unsinn mit seines Sohnes Garderobe zu treiben. Er glaubte zwar auch nicht, dass Saturninus ihn Victor ernstlich trainieren ließe, doch bei der Begeisterung des Vaters für die Wagen und die Rennen wäre es wohl ein Wunder, wenn er ihn nicht zumindest ein paar Runden drehen lassen würde.
Conor hingegen? Der würde ein Reiter wie sein Vater werden, hatte auch Frowin sich bereits überlegt. Den Jungen interessierte gar nichts anderes als Pferde. So wie es sein musste, dachte sich der Kelte zufrieden, ehe er mit einem leisen Stich anhörte, dass der Hausherr den Kleinen mit Kuchen vollstopfen wollte. Dabei hatte der listige Conor die Gastfreundschaft Senias schon sehr wohl ausgekostet und würde dies wohl auch weiterhin tun.
"Oh, Conor hier hatte schon Leckereien noch und nöcher. Wir sind bereits seit zwei Tagen hier."
"Papa hat ganz viel gearbeitet und repariert!", plauderte der Kleine kurz darauf auch schon los. "Komm, ich zeig dir den Weg! Senia kocht lecker!"
Mit diesen Worten griff der Jüngere auch schon Victors Hand und führte ihn bestimmt in Richtung des Haupthauses. Frowin lachte und zuckte mit den Schultern.
"Die beiden werden sich gut verstehen. Conor und Victor sind beides kleine Rabauken", grinste der Vater, ehe er mit einem wissenden Blick - er kannte Saturninus inzwischen - auf die Überlegungen des Furiers antwortete: "Oh, Conor hier ist ein Freier. Seine Mutter lebt zwischen hier und Londinium auf dem Landgut ihres Onkels. Ein sehr duldsamer Mann, auch wenn der mir damals auch die Ohren langgezogen hat. Er ist ein Anhänger der Blauen, doch von ihrem besten Fahrer einen Neffen zu bekommen, fand er dann doch nicht so gut. Ihre Eltern waren weniger freundlich..."
Etwas verlegen erzählte Frowin von seiner damaligen Eroberung. Doch was sollte er sagen? Er war ein erfolgreicher Rennfahrer und jung gewesen, dazu noch etwas betrunken und sie völlig hin und weg davon, dass dieser Athlet ihr schöne Augen machte. Upps.
Conor jedoch ging es gut und ihr auch, wenngleich sie einander nicht oft sahen.
Das breite und etwas dümmliche Lächeln bezeugte jedoch, dass Frowin diese Nacht nicht wirklich bereute, auch wenn es seiner damaligen Flamme einiges an Ärger gemacht hatte.
"Ich habe noch einen zweiten Sohn, Duncan. Er ist sehr wohl ein Sklave. Ich will ihn freikaufen. Ihn und nach Möglichkeit auch seine Mutter, und ihn zu mir holen. Doch der Besitzer scheint den Umstand, dass Duncans Vater ein Wagenlenker ist... prestigeträchtig zu finden. Ich hatte gehofft, dich überreden zu können, ihn des... Wohlwollens deiner Familie zu versichern, wenn er mich meinen Sohn freikaufen lässt. Ich will ihn auch nicht übervorteilen. Nur soll der Kleine nicht als Sklave aufwachsen."
Ein ungewohnt ernstes Thema gleich zum Beginn. Es hatte sich so ergeben, auch wenn Frowin eigentlich auf einen günstigeren Zeitpunkt hatte warten wollen.
"Aber das können wir auch später besprechen. Ich habe mir die Freiheit genommen, uns einen Platz am Bach unten vorzubereiten. Für wenn die Jungs schlafen..."
Sein vielsagendes Lächeln sagte alles, doch natürlich sollte der Tag heute Saturninus und seinem Sohn gelten.
Der Rothaarige nickte dem Griechenjungen zu, den er herbeiwinkte.
"Perikles hier ist mein bester Neuling! Sonst hätte ich ihn nicht hergebracht. Ich will sicher sein, dass ich nur die richtigen Jungen an deine preisgekrönten Tiere lasse."
Der Junge eilte sofort herbei und neigte bescheiden den Kopf.
"Salve, Dominus", grüßte er mit leiser und wohlklingender Stimme. "Deine Pferde und dein Haus sind wirklich erhaben. Ich bin stolz, hier sein zu dürfen!"
|