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RE: Vater-Sohn Bonding-Experience
Saturninus atmete den vertrauten Duft dieses Landes ein – eine Mischung aus reichem, feuchtem Gras, herbstlicher Erde und den süßen, überreifen Äpfeln der weitläufigen Obstbäume, die die Allee zum Gutshof säumten.
" Höre auf deine Mutter, sie ist eine gescheite Frau", sagte er und wollte anfügen, dass Deirdre, obwohl sie nichts von römischer Bildung verstand, mit einem Wort Victor mehr zum Studium geführt hatte als seine eigene Strenge, da kam Frowin ihnen auch schon entgegen.
Der Blick des Furius glitt über den ehemaligen Sklaven, und ein anerkennendes, fast warmes Lächeln stahl sich auf seine Lippen. Frowin hatte sich wahrlich gemacht. Die Jahre im Rennsport und das harte Training hatten den einstigen Jungen in das perfekte Bild eines Mannes verwandelt – groß, breit an den Schultern und von einer unverkennbaren, rauen Attraktivität gezeichnet. Er war ein überaus erfreulicher Anblick, und Saturninus fragte sich einen Moment lang, wie es nun mit ihm auf der Kline wäre, da sie beide älter waren...
"Frowin! Bei der göttlichen Victoria, die dir so viele Siege geschenkt hat, die Freude ist ganz auf meiner Seite", rief Saturninus mit fester, klangvoller Stimme und saß geschmeidig ab. Er reichte dem Wagenlenker die Hand. Auf dem Rennplatz hatte Saturninus nie den Patrizier raushängen lassen.
Dann wies er auf seinen Sohn, der ebenfalls abgestiegen war:
"Erinnerst du dich eigentlich noch an Victor, Frowin? Es ist eine Ewigkeit her, seit ihr euch das letzte Mal gesehen habt. Damals war er noch ein kleiner Kelte und trug Hosen"
Er musterte seinen Sohn mit einem Anflug von Stolz:
"Victor hat übrigens auch ein verdammt gutes Händchen für die Pferde entwickelt. Wenn der Grieche dort drüben also nichts taugt, Frowin, dann musst du eben meinen Ältesten für die Arena trainieren!"
Es war ein Scherz, und Saturninus lachte gut gelaunt auf. Natürlich war es reine Fiktion. Für Victors Zukunft hatte er längst ganz andere, handfeste Pläne geschmiedet: Der Junge sollte am liebsten zur Armee und als Centurio Karriere machen. Auf dem sandigen Boden des Circus hatte ein Furier, und sei es einer von ungleicher Geburt, nichts zu suchen.
Saturninus Blick fiel sogleich auf den kleinen Wirbelwind, den Frowin von den Schultern hob. Dass der Junge so gar keine Scheu vor dem mächtigen Dominus zeigte, sondern ihn stattdessen breit anlächelte, amüsierte Saturninus ungemein. Er hatte schon immer eine Schwäche für mutige, aufgeweckte Kinder gehabt. Er musterte erst Conor, dann den griechischen Jungen, Perikles, der sich im Hintergrund bei den Pferden nützlich machte.
"Du verlierst wahrlich keine Zeit, Frowin", sagte Saturninus und ein Funkeln trat in seine Augen:
"Kaum schaut man einmal nicht hin, hast du schon zwei Jungs im Schlepptau. Ein Auge für Talente hattest du ja schon immer. Der Grieche dort drüben sieht vielversprechend aus. Erzähl mir von ihm – taugen die neuen Burschen etwas für den Rennstall der Blauen?"
Er trat einen Schritt näher an Conor heran, ging leicht in die Hocke . Ein kleiner Wildfang, der reiten konnte, bevor er lief? Das Blut eines Wagenlenkers floss unverkennbar in seinen Adern. Hier wuchs zweifellos die nächste Generation für die Rennen heran:
" Salve Conor. Ich bin mir sicher, dass Senia Apfelkuchen gebacken hat und dass auf dich ein großes Stück wartet, junger Mann", sagte er freundlich und so langsam, dass das Kind ihn verstand.
Saturninus richtete sich wieder auf, legte die Hände auf den Gürtel und blickte Frowin mit scheinbar beiläufigem Interesse an. Doch hinter seinen dunklen Augen arbeitete der scharfe Verstand eines römischen Geschäftsmannes:
"Ein prächtiger Kerl, der kleine Conor. Ganz der Vater", begann er im Plauderton:
"Sag einmal, wer ist denn eigentlich die Mutter des Kleinen? Arbeitet sie hier auf dem Gut?"
Der Gedanke war so pragmatisch wie verlockend: Sollte die Mutter eine Sklavin dieses Landgutes sein, so galt im römischen Recht unumstößlich das ius sequitur ventrem – die Kinder folgten der rechtlichen Stellung der Mutter. Und das bedeutete, dass dieser vielversprechende, furchtlose kleine Nachwuchslenker rechtmäßig Saturninus' Eigentum wäre. Ein überaus glücklicher Umstand für die Zukunft der Blauen.
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