|
RE: Elfengarten
Eisu blickte auf ihre ineinander gelegten Hände und spürte die sanfte Wärme, die von Gerwina ausging. Er strich ihr über das Haar.
In den Rosenbüschen webten die Glühwürmchen ihre kleinen Lichter.
Leise wisperte der Fürst:
"Du hast sie bestimmt gerade eben gehört, meine Lady?“, seine Stimme verschmolz fast mit dem Rauschen des Windes:
"Das Klingen wie von winzigen Glöckchen... Das sind die Genii Cucullati, die Naturgeister meines Volkes.“
Er deutete mit dem Kinn in die dämmrige Ecke des Gartens, wo die Schatten am dichtesten waren:
"Hier bei uns, im Land der Dobunni, wandeln sie nie allein. Sie kommen zu dritt und sind in kleine graue Kapuzenmäntel gehüllt. Dein Volk am großen Rhein kennt sie wohl auch, doch dort sieht man oft nur einen einzelnen kleinen Wandersmann.
Bei uns aber halten sie sich zu dritt an den Händen, um den Kreis des Lebens zu schließen: die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft, die noch vor uns liegt.“
Er legte seine Hand ganz sacht auf ihren Bauch, dorthin, wo ihr gemeinsames Kind heranwuchs:
"Sie sind die Hüter der Erde, die Beschützer der Mütter und des ungeborenen Lebens. Dass sie ausgerechnet heute Abend in unserem Garten erwachen und dich kennen lernen wollen, ist kein Zufall, ma rhun. Es ist ihr Segen. Sie spüren, dass neues Leben auf diesem Hof Einzug hält. Sie versprechen mir, dass sie ganz gleich was geschieht, über dich und unser Kind wachen werden."
Eisu sah in Claras grünblaue Meeresaugen:
"Was es auf der Welt Neues gibt, liebste Lady? Am liebsten würde ich die Welt da draußen ganz und gar aussperren. Doch mein Schicksal verlangt, dass ich mich für eine Weile von Dir und unserem friedlichen Leben verabschiede", sprach er mit großem Ernst weiter:
" Ein Bote hat mich erreicht. Ein Brief meines Vaters Comux ruft mich fort, zu unserer alten Königsstadt Bagendon. Er wird dort sein und seine zweite Frau, Dora, auch. Andere Fürsten und Adlige der Dobunni, die Inam nicht folgen, kommen dort zusammen.
Es sind unruhige Zeiten, ma rhun, und wir müssen über die Zukunft unseres Volkes beraten. Du weißt, wie schwer es mir fällt, dich zu verlassen. Noch lieber wäre es mir, dass Du mich hoch zu Ross auf deiner Arganta begleitest. Vier Tagesreisen sind es nach Bagendon.
Aber während ich fort bin, möchte ich das Geschick des Comux-Hofes in deine Hände legen. Nur dir vertraue ich in dieser Stunde. Ich weiß, dass du ihn mit jener Klugheit und Stärke leiten wirst, die dich hat die Herzen aller hier gewinnen lassen. Du wirst nicht alleine sein; Meister Cuno, Sohn des Cunomoltos, kennt die meisten Conuxleute von Geburt an und wird dir treu zur Seite stehen, bis ich wieder zu Hause bin"
Das war viel Neues und unerwartet für seine junge Frau, Eisu wusste das. Er hob ihre Hand an seine Lippen und drückte einen sanften Kuss darauf, während der Bach im Hintergrund leise weiter sein Lied sang.
|