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RE: Vater-Sohn Bonding-Experience
Furius Saturninus spürte die Kraft des britannischen Windes, doch seine Haltung blieb aufrecht. Unter ihm schnaubte Mandan unruhig. Der mächtige Hengst, eine seltene Kreuzung aus robusten hiesigen Stuten und einem feurigen persischen Urvater, machte seinem Namen alle Ehre: Der ewig Unverträgliche. Nur Saturninus' erfahrene, feste Hand am Zügel hielt das Tier im Zaum.
Saturninus spürte, wie die vier ledernen Hörnchen seines Sattels seine Hüften und Schenkel fest umschlossen. Mit einer minimalen, harten Bewegung seiner linken Hand straffte er die Zügel. Das schwere eiserne Kandarengebiss drückte im Maul des Hengstes gegen die Laden. Mandan warf den Kopf hoch, das bronzene Geschirr an seiner Brust klimperte leise, doch der Druck des Metalls zwangen dem Unverträglichen augenblicklich den Willen seines Herren auf.
Ein paar Schritte hinter ihm ritt Victor. Saturninus wartete, bis Victor aufgeschlossen hatte. Die Pferde standen Kopf an Kopf. Während er seinen Sohn beobachtete, entgingen dem Furius die feinen Veränderungen nicht. In der Villa wirkte der Junge oft mürrisch und linkisch, wie eingezwängt in eine Welt, die nicht die seine war. Doch hier, im Sattel, war Victor sichtlich glücklich, den engen Mauern entronnen zu sein. Er schien vollkommen in seinem Element.
"Schau, gleich sind wir da!", rief er und deutete auf das Dach des Landguts, das hinter dem Hügel hervorlugte.
Beim Anblick des Jungen erwachte eine fast zärtliche Regung in Saturninus' Brust. Er freute sich insgeheim an Victors Anmut und dessen unverfälschter Begeisterung. Der Junge sah ihm bemerkenswert ähnlich – die gleichen Gesichtszüge, die gleiche Statur, die er selbst als Halbwüchsiger gehabt hatte. Nur das dunkle Haar wies einen deutlichen, roten Schimmer auf, den er von seiner Mutter geerbt hatte.
Gedanken an die gute Deirdre stiegen in Saturninus auf. Er hatte Victors Mutter immer aufrichtig gern gehabt.
Deirdre war ein wenig wie Britannia, schön, geheimnisvoll und sehr keltisch- überschwänglich, gewesen; die Erinnerung zauberte stets ein Lächeln auf Saturninus Gesicht. Nur Victor sollte nicht so sein wie Deirdre, sondern römisch.
Saturninus blickte über die grünen Hügel des furischen Landgutes, bevor er das Wort an seinen Sohn richtete. Er sprach bewusst noch nicht über Gefühle, die zwischen ihnen standen. Stattdessen kleidete er seine Zärtlichkeit in ein fast nüchternes Lob:
"Du sitzt fest im Sattel, Victor. Die Britannier haben ein Gespür für diese Tiere, und es scheint, als hättest du dieses Blut in dir. Es ist mir eine Freude, dir beim Reiten zuzusehen“
Eine feine, ihm fast selbst fremde Sentimentalität schwang in seiner Stimme mit, als er anfügte:
"Wie geht es eigentlich deiner Mutter? Und deinen jüngeren Geschwistern? Du hast sie kürzlich besucht, nicht wahr? Es müssten mittlerweile ganz schön viele Geschwister sein: Gibt es nicht ein fuchshaariges Zwillingspaar und dazu noch weitere Kinder von ihrem Mann Licinianus?“
Sich nach Deirdre zu erkundigen, war unverfängliches Gelände. Saturninus war überhaupt nicht gut mit Kindern. Seine eigenen, legitimen Kinder wurden von seiner Frau und extra dafür erworbenen Sklaven erzogen, so wie er selbst einst auch nur die Strenge griechischer Erzieher kennengelernt hatte. Er, Furius Saturninus, prüfte nur die Lernfortschritte (Carus) oder verhängte die Strafen (Saturnina). Am nachsichtigsten war er noch mit den Sklavenkindern; es war einfach, den kleinern Sklaven seines Hauses eine Freude zu machen. Aber mit Victor, da fühlte sich Saturninus oft überfragt, als verlange man immerzu etwas von ihm, von dem er keine Ahnung hatte.
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