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Unter dem Albenstern
09-23-2026, 11:33 AM,
Beitrag #3
RE: Unter dem Albenstern
Herbst 831 A.U.C

Wie auch zuvor war jeder Abschied von Rhian schmerzlich, aber wir alle hatten unsere Aufgaben im Leben und mussten diese erfüllen, auch wenn es nicht immer leicht war. Das war nicht mein erster Aufbruch aus Isurium und wenn die Götter mich mit einem langen Leben belohnten, dann war es auch bestimmt nicht der letzte Ausflug dieser Art. Ich musste nur die Augen schließen und sofort sah ich Rhians Gesicht vor meinem inneren Auge, hörte ihre liebevollen Worte, spürte ihre Küsse auf meinen Lippen, bis mich wieder das Geschwätz meiner Gefährten oder das Schnauben eines Pferdes aus meinen Gedanken riss. 

Zwei Monaten waren wir bereits unterwegs und zogen von Dorf zu Dorf, von Gehöft zu Gehöft immer weiter nach Norden und wegen des sehr schlechten Wetters kamen wir wesentlich langsamer als erhofft voran. Wir hätten bereits längst in Alba sein sollen und doch mussten wir ständig wieder Pausen einlegen, weil es so stark regnete, dass die Pferde im vollgesaugten torfigen Boden einfach einsanken und nicht weiterkamen. Zum Umdrehen war es allerdings auch schon zu spät und wir mussten weiter nordwärts ziehen, auch wenn der Winter bereits nahte. Wir würden wohl bei Alpias Sippe überwintern müssen, wenn wir weiterhin nur so schleppend vorankamen und darauf hatte ich eigentlich wenig Lust.

Der einzige Lichtblick auf dieser Reise bisher war Alpia. Sie war zwar recht schweigsam die meiste Zeit, aber ab und an sang sie uns Lieder aus ihrer Heimat vor (die wir nicht verstanden) oder erzählte ein wenig von ihrer Sippe. Auch bemühte sie sich sehr, dass sie meine Reisegefährten mochten und sie kochte gut am Lagerfeuer und verhandelte gut, wenn wir neue Vorräte kauften. Auch legte sie sich jede Nacht in mein Bett ohne zu klagen um es mir zu wärmen, auch wenn ich es vorzog beim Akt an Rhian zu denken. Es gab nun einmal einen großen Unterschied zwischen Pflicht und Liebe und mit Rhian machte die ganze Angelegenheit doch wesentlich mehr Spaß. 

Ich hoffte, dass es den Kindern gut ging - allen voran den Zwillingen, auf deren Schultern die Zukunft Isuriums lag und hoffte, dass Cormac gehorsam war und sich um Rhian, die Mädchen und Alpin kümmern würde wie ein verantwortungsvoller großer Bruder. Ich strich über das waidfarbene Tuch, dass ich mir um mein Handgelenk gebunden hatte und dachte an Rhian. Ob sie von mir träumte, so wie ich auch oft von ihr träumte? Gerade in den Stunden vor Tagesanbruch lag ich oft schon wach, während noch alle schliefen, und dachte an meine Königin. Sie war stark und würde sich um unser Volk und Land kümmern, denn daran glaubte ich fest.

Als endlich der nächste Tag anbrach, begrüßte uns allerdings ein ungebetener Gast - der Nebel. War hatten die Grenze zu Alba endlich erreicht kurz vor Einbruch des Winters, doch von hier an wurde der Weg immer unersichtlicher. Alpia führte uns geschickt durch den Nebel, der ihr wenig auszumachen schien, aber für mich sah hier alles gleich aus. Der Nebel war so dick, dass man kaum zwei Pferdelängen in die Ferne sehen konnte und selbst Gespräche und Rufe sehr gedämpft wurden und wie in weiter Ferne klangen. Es war einfach zun Mäuse melken und obwohl Alpia zuversichtlich war, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, fühlte es sich für mich eher wie stundenlanges im Kreis laufen an...
[Bild: 3_15_08_22_9_38_19.png]
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Unter dem Albenstern - von Cahir - 09-19-2026, 12:34 PM
RE: Unter dem Albenstern - von Rhian - 09-20-2026, 04:48 PM
RE: Unter dem Albenstern - von Cahir - 09-23-2026, 11:33 AM

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