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RE: Gartenpavillon
Plötzlich verstummte das fröhliche Plaudern am Hoftor. Ein Raunen ging durch die Reihen der Landarbeiter und keltischen Mägde. Die Kinder hielten mitten im Spiel inne. Selbst die erfahrensten Diener reckten neugierig die Hälse. Durch das Tor zog eine Prozession ein, die direkt aus dem Palast des Statthalters hätte stammen können. Vier baumlange Sklaven mit Knüppeln an den Gürteln marschierten im Gleichschritt. Auf ihren kräftigen Schultern trugen sie eine luxuriöse Sänfte aus dunklem, poliertem Holz, deren purpurne Seidenvorhänge sanft im Wind wehten. Jedes Detail schrie nach urbanem Luxus, der so gar nicht in das ländliche, von Britannia passen wollte.
Die Sänfte wurde mit absoluter Präzision in der Mitte des Gartens abgesetzt. Einer der Sänftenträger trat vor, verneigte sich tief und zog den Vorhang zurück.
Heraus trat Furia Saturnina.Die Zwölfjährige wirkte in diesem Moment wie eine Miniatur-Ausgabe einer senatorischen Matrona. Um ihre kleine Gestalt optisch zu strecken, trug sie eine kunstvoll drapierte Palla aus feinster, leuchtender gelber Seide, die mit Goldfäden durchwirkt war. Ihre Schuhe waren aus weichem, rot gefärbtem Leder, verziert mit kleinen Perlen. Ihr Haar war nicht etwa zu einfachen, praktischen Zöpfen geflochten, sondern thronten in einer von Nadeln gehaltenen Lockenpracht auf ihrem Kopf, die sie mindestens einen Kopf größer wirken lassen sollte. An Schmuck trug sie eine Lunula aus feinstem Gold.
Doch es war ihr Gesicht, das die Hofleute am meisten staunen ließ: Ihre Haut war mit weißem Bleipuder makellos aufgehellt, die Wangen mit rotem Ocker betont. Ihre Augenlider waren mit dunklem Antimon dramatisch umrandet. Mit unnahbarer, fast schon rührend ernster Würde blickte das junge Mädchen auf das fröhliche Treiben des Gartenfestes. Saturnina ließ sich von ihrer griechischen Kinderfrau Iolanthe ihre seidene Stola glätten, warf einen prüfenden Blick auf ihre Leibwächter und ging dann mit gemessenen Schritten auf ihre Tante und den angeheirateten Onkel zu.
Dort machte sie einen Knicks und sagte: " Salve liebe Tante Stella, salve Gabinius Secundus, ich danke euch für eure Einladung. Ist das dort drüben euer kleiner Sohn Pulcher? Darf ich ihn nachher einmal nehmen?"
Ihre Stimme war eine gewöhnliche Kinderstimme.
Sie machte eine Handbewegung und Iolanthe holte einen Korb herbei:
" Das ist eine Kleinigkeit für euch. Ich dachte, dass ich Sachen einkaufen könnte, die es hierzulande nicht gibt. Ich habe die Sklaven Garum Sociorum aus Hispania, Granatäpfel und getrocknete Feigen und Datteln besorgen lassen. Eine Amphore Falernerwein aus dem Weinkeller meines Vaters - einen schönen Gruß" Furius Saturninus war nicht zu Hause gewesen, als sich Saturnina den Wein hatte bringen lassen, aber er hatte bestimmt nichts dagegen. Schließlich war Tante Stella seine Cousine. Die Delikatessen waren aber durchaus so teuer wie der Monatslohn eines Soldaten.
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