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Dunkelheit lastet schwer auf dem Land….
Ihre beiden Töchter hatte Rhian in Gesellschaft ihrer Kinderfrauen gelassen. Während sie selbst hoch zu Ross auf ihrer silbernweißen Stute Sadhbh thronte. Ein Blick auf ihre beiden Töchter, die artig an der Seite ihrer Kinderfrauen standen, als Rhian den Hof verließ. Durch das Tor ritt und erst als sie die beiden Wachen passiert hatte, schien ein großer Teil Last von ihren Schultern zu fallen. Denn die Tatsache, dass sie alleine für das Volk der Briganten zu sorgen hatte, nach dem verschwinden ihres Gemahls drückte Rhian an manchen Tagen doch sichtlich schwer aufs Gemüt. Natürlich ließ sie sich nichts davon anmerken, schon gar nicht vor ihren beiden Töchtern und den Söhnen ihres Gemahls. Auch nicht vor ihrem Volk, denn dieses sollte in ihr die strahlende und erhabene Königin sehen, die Rhian ihnen zeigte. Niemand sollte merken, dass auch sie Angst hatte. Angst vor ihrer Zukunft. Denn selbst wenn sie die Göttin befragte, zeigte ihr diese doch lediglich einen unwirtlichen Nebel. Keine Gesichter, keine Zeichen. Oder sonstige Symbole. Um sich auch hier auf andere Gedanken zu bringen, drückte Rhian ihrer Stute die Fersen in die Flanken und trieb das treue Tier in einen schnellen Trab. Je weiter sie sich von ihrem neuen zu Hause entfernte, desto befreiter fühlte sich Rhian und ließ auch ihre beiden Wachen alsbald hinter sich. Denn mittlerweile hatte sie ihre treue Stute in einen Galopp getrieben und flog mit ihr regelrecht durch das windgepeitschte Gras, welches sich unter den donnernden Hufen ihrer Stute regelrecht verneigte. Schließlich zügelte Rhian ihre Stute, als sie in einem kleinen Wäldchen ankam. In diesem befand sich eine heilige Quelle, so viel wusste sie. Und eben jene Quelle würde sie nun aufsuchen. Vielleicht erschien ihr dort ihre Göttin. Und gab ihr ein stilles Zeichen, wie es mit ihrer Zukunft und der Zukunft ihres Volkes weiterging. Wie es um Cahir bestellt war. Sie hatte schon so lange kein Lebenszeichen von ihm erhalten, spürte aber auch dass sein Lebensfaden noch intakt war. Zwar zerfaserte dieser, aber war noch lange nicht durchschnitten. Und daran klammerte sich Rhian jeden Abend, bevor sie mit Tränen in den Augen auf ihr Felllager sank. Die Hufe ihrer Stute hinterließen kaum ein Geräusch im Gras, als sie Sadhbh in Richtung eben jener Quelle lenkte, welche sich tief verborgen inmitten der Bäume befand. Behände sprang Rhian aus dem Sattel und band Sadhbh an einen der niedrigen Sträucher an. So, dass ihre Stute an das frische Gras herankam. Ihren beiden Bewachern, welche sie mittlerweile eingeholt hatten, gab Rhian das Zeichen sich zurück zu halten, was die beiden Männer schließlich taten. Ihren Umhang zog Rhian von ihren Schultern, ebenfalls ihre Schuhe von den Füßen. Beides ließ sie bei ihrer Stute zurück, als sie sich nur noch in ihrem einfachen Kleid der Quelle näherte. Je näher Rhian kam, desto lauter, beinahe bedrohlicher sprudelte das Wasser über die Steine, eh‘ es sich in dem Becken ergoss. Ein Becken welches von ungleichmäßig geformten Steinen eingefasst war. Sanft das Lächeln auf Rhians Lippen, als sie sich auf einem der Steine niedersinken ließ und mit ihrer hohlen Hand Wasser aus der Quelle schöpfte, um sich jenes Wasser über ihre Stirn und ihre Brust träufeln zu lassen. Eine stumme Reinigung für ihre Göttin.
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