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RE: Die Sonderlieferung
Die Stille, die sich nach beinahe jedem Satz zwischen ihnen ausbreitete, war schwer zu ertragen. Der junge Rekrut, der sich nichts mehr wünschte als Antworten, vielleicht wohlwollende Worte, wurde jedes Mal gespannt, wenn sich der Optio Zeit nahm, um nachzudenken. Er fand sich nach den Worten seines Vorgesetzten lechzend, doch blieb er letztlich ohne Antworten zurück. Es war frustrierend, doch so war es wohl. Es war nicht sein Platz, die Methoden seines Ausbilders in Frage zu stellen. Und ein Teil von ihm fragte sich zudem, ob Aurelius Bellator damit eine Absicht verfolgte. Einen Zweck. Womöglich hoffte er es auch bloß. Die Hoffnung eines Jungen, der seinen Platz nicht kannte und sich Bedeutung ersehnte in einer Welt, die sich fröhlich ohne ihn weiterdrehte. Er wusste, dass er etwas konnte. Zu etwas gut war. Er war klüger als sein großer Bruder. Doch nicht der Erstgeborene. Nun war er hier. Es gab keine Abkürzungen und doch… und doch…
Für Marcus bot sich viel Zeit zum Nachdenken. Der Weg schien nach Iscalis zu führen. Er hatte ihn häufiger zurückgelegt. Er hatte noch nicht viel Freigang gehabt, doch er hatte ihn stets in der Stadt verbracht. Sich mit ein paar Händlern am Ort bekannt gemacht. Die anderen hatten meist örtliche leichte Mädchen aufgesucht oder vergeblich irgendwelche Keltinnen umworben, die sich von römischen Rekruten kaum beeindrucken ließen. Und auch wenn Marcus‘ Eier genauso blau waren wie die von jedem Mann in der Castra, hatte er stets bloß gearbeitet.
Natürlich fand er es aufregend, die Stadt aufzusuchen. Die Castra war in der Pampa, man sah selten jemand Neues und hier in Iscalis pulsierte das Leben – soweit es eben so weit draußen möglich war. Der Handel blühte, die Menschen waren freundlich, statt misstrauisch zu sein. So ein ganz anderes Bild als größere Städte. Auch wenn ihm diese irgendwie doch lieber waren. Doch Legionäre lebten eben kein Luxusleben…
Ein scheeler Seitenblick hinüber zu seinem Vorgesetzten. Ob der hier auch ein Mädchen hatte? Er konnte es sich beim Aurelier nicht vorstellen. Der Mann funktionierte wie ein geschmiedeter Soldat, als sei er nur zu diesem Zweck gemacht worden. Wollte er selbst so sein? Sicher, er wollte für Rom leben. Doch ausschließlich für Rom…?
„Kommst du oft hierher?“, fragte Marcus, in dem Bemühen, eine Art Gespräch anzukurbeln. Sorge, sich zu übernehmen, hatte er nicht. Sie waren bloß zu zweit und jeder andere hätte sicherlich auch eine Unterhaltung geführt. Normalerweise wartete man, bis der Vorgesetzte etwas sagte. Doch die Stille war nur mehr schwer mitzumachen. „Ich bin gern hier, wenn es geht. Diese Stadt hat fast alles. Das will man überhaupt nicht erwarten, so weit draußen. Ob es so auch in Rom aussieht?“
Er selbst hatte die Hauptstadt noch nie besucht, kam er doch von Britannien. Dem zivilisierten Teil zwar, doch eben nicht vom Festland.
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