... Es war ein Monat vergangen, seit unser Sohn Publius Gabinius Pulcher, den wir Iliborn nennen, geboren wurde. Die milde Morgensonne fiel durch die hohen Fenster des Officiums und erleuchtete den Raum sanft. Ich saß an meinem Schreibtisch und las die Briefe, die sich während meiner Abwesenheit angesammelt hatten. Iliborn lag in einem großen Wäschekorb neben mir und gluckste zufrieden, während Kira, die ich als stellvertretendes Kindermädchen engagiert hatte, mit ihrer Handarbeit beschäftigt war. Spiros, unser Hofjunge, war auch hier und half mir, die Briefe zu sortieren.
Dabei war auch ein netter
Brief von meiner Nichte Furia Saturnina, die uns besuchen wollte. Ich schrieb gleich eine Antwort und bat Spiros, die Tafel so bald wie möglich an die Saturnina zu überbringen.
Ad Furia Saturnina
Villa Furia
Iscalis
Liebe Saturnina,
Deine freundlichen Zeilen haben mir große Freude bereitet. Es liegt bereits einige Zeit zurück, dass du uns mit deiner Familie besucht hast.
Es wäre wundervoll, wenn du bald zu uns kommen könntest. Mein Gemahl und ich, sowie die Kinder freuen uns schon jetzt auf dich.
Du bist bei uns herzlich willkommen, und unsere Tür steht dir jederzeit offen.
In großer Vorfreude und Liebe,
deine Tante Stella
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Ich gab die Tabula Spiros und er lief gleich los. Er wird heute noch nach Iscalis reiten und den Brief abgeben.
Dann betrachtete ich die Capsa aus Rom und öffnete sie mit Vorsicht. In dem Behälter waren zwei Briefe von Viola: einer für mich und einer für Onkel Gerfridu. Ich bat Kira, nach dem Onkel zu suchen und ihn zu bitten, so schnell wie möglich ins Officium zu kommen, da er schon seit geraumer Zeit auf diesen Brief wartete. In der Zwischenzeit las ich den Brief von Viola:
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Liebe Stella,
Ich hoffe, dieser Brief erreicht Dich und
die Deinen wohlbehalten und in guter Stimmung.
Seit meiner Rückkehr aus Britannien
bin ich oft in Gedanken bei den unvergesslichen
Tagen auf eurem Gutshof.
Die Schönheit der Landschaft und
die herzliche Gastfreundschaft Deiner Familie
haben sich tief in mein Herz eingeprägt.
Besonders ein Erlebnis hat sich tief in mein Herz
gegraben: meine Begegnung mit Gerfridu.
Neulich habe ich einen Brief von ihm bekommen,
der mich sehr beeindruckt hat.
In dem Schriftrollenbehälter findest Du
meine Antwort auf sein so romantisches
Schreiben und ich bitte Dich,
sie Gerfridu zu überreichen.
Ich danke Dir im Voraus für Deine Hilfe,
meine liebe Freundin.
Ich umarme Dich und die Kinder und grüße
herzlich Deinen Gemahl Publius Secundus.
Alles Liebe
Viola
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Gerfridu kam etwas später herbeigeeilt, begrüßte mich und wollte den Brief haben. Er erhielt ihn ebenfalls und las ihn mit einem verklärten Gesichtsausdruck:
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Liebster Gerfridu,
Mit zitternder Hand und klopfendem Herzen
setze ich mich nieder, um Dir zu schreiben,
meinem liebenswerten Germanen,
dessen Worte mich so tief berührt haben wie
der sanfte Frühlingswind die Blätter
der Zypressen hier in Rom.
Seit ich den Gabinien-Hof verlassen habe,
trägt mein Herz eine stille Sehnsucht nach dir.
Dein so gefühlvoller Brief hat meine Seele
erreicht und gibt mir Kraft und Mut,
die Grenzen meiner Pflicht und meines Standes
zu überschreiten, um Dir nahe zu sein,
sei es im Traum oder in der Wirklichkeit.
Bis dahin bewahre ich Deinen Brief wie einen Schatz
in meinem Herzen und sende Dir all meine Liebe...
Ewig Dein
Viola
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Anschließend nickte der Onkel dankend und verabschiedete sich mit den Worten, die Kinder warteten auf ihn, und wünschte uns noch einen schönen Tag, bevor er sich auf den Weg machte.
Ich hoffte, der glückliche Germane würde uns später erzählen, was meine Freundin ihm so alles offenbarte und lächelte in mich hinein. Dann bat ich Kira, ihrem Onkel Sionn mitzuteilen, dass ich ihn später im Garten sprechen möchte. Ich hatte etwas Großes vor!
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