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[Biclinium] Der Patrizier und der Medicus
05-12-2026, 07:42 PM,
Beitrag #7
RE: [Biclinium] Der Patrizier und der Medicus
Saturninus hörte einmal mehr nur das, was er hören wollte: Es gäbe Hoffnung. Bei den Göttern, die Tatsache, dass der Junge bei  seinem Halbbruder Victor Fortschritte machte, war ein Beweis dafür, dass er zwar langsam, aber kein völliger Idiot war. Das wäre auch eine Schande gewesen, bei solch einem Vater - ihm - und solch einer Mutter - Furia Serena. Ein Stein fiel Saturninus vom Herzen. Er schaute Meister Primus geradezu liebevoll an. Der junge Mann verband die Autorität eines Medicus mit einem gewissen wilden, barbarischen Charme und gleichzeitig einer seelischen Feinheit, die der Furius ihm nicht zugetraut hätte. Mit einem gewissen Überschwang stellte Saturninus seinen Becher ab, erhob sich halb von seiner Kline, beugte sich zu Primus hin, umarmte ihn kurz - nicht unschicklich - und gab ihm einen Kuss auf die Wange, als seien sie Verwandte oder beste Freunde. 
"Mein lieber Freund", sprach er gerührt. Der leichte Geruch des jungen Mannes stieg ihm in die Nase. Es war ein sauberer, etwas medizinischer, männlicher Duft, und Saturninus Nasenflügel blähten sich leicht. Gegen den Reiz des Jungen war er durchaus nicht unempfindlich:
"Wenn ich mir einen Gelehrten suchen soll, der sich ausschließlich mit Carus beschäftigt, der geduldig ist und nicht gleich beleidigt, wenn man seine Lehren nicht aufsaugt wie ein Schwamm, dann wärst du selbst meine erste Wahl! Trotz deiner Jugend bist du weise. Du gibst mir die Hoffnung zurück, dass mein Junge zu etwas taugen möge. Würdest du mir die Ehre erweisen, Meister Primus, und der Erzieher des edlen Aulus Furius Carus werden?"
Es war eine Ehre, zum Erzieher eines hochstehenden Jungen gebeten zu werden. Selbst der reiche Philosoph Seneca hatte das Amt angenommen, der Erzieher des Prinzen Nero zu sein. Dennoch nahm der Patrizier an, dass der junge Medicus jetzt zögern würde. Er hatte Verpflichtungen, und er war vermutlich auch seinem Lehrer Pytheas verpflichtet:

"Ich will dich nicht von deiner zweifellos wichtigen Heilkunst abhalten. Du kannst deine Zeit einteilen, wie du es möchtest. Ich überlasse dir zwei meiner Sklaven, die dir zur Hand gehen und dir Arbeit abnehmen  werden. Oder ich kaufe dir jemanden auf dem Markt, wenn es dir lieber ist.
Ich werde auch deiner Praxis eine großmütige Spende zukommen lassen, und ... ich werde mich dafür verwenden, dass dein Lehrer Honoratior von Iscalis werden kann. Als Freigelassener ist ihm dieser Weg per Gesetz verschlossen"

Saturninus zögerte. Er war nicht gewöhnt, zu bitten und zu betteln, aber mindestens zwei Lockmittel, seinen Willen bei Primus durchzusetzen, hatte er noch auf Lager, bevor der junge Medicus, der doch nur ein Plebejer war, anfangen würde, ihn zu beleidigen.
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Honoratior von Iscalis
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RE: [Biclinium] Der Patrizier und der Medicus - von Tiberius Furius Saturninus - 05-12-2026, 07:42 PM

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