Rango wurde erwachsen. Anfangs hatte er mit den anderen Bediensteten darum wettgeeifert, die scheue Niko zum Lächeln zu bringen, aber jetzt stand dieser schlaksige, blonde Junge, oder vielmehr: junger Mann vor mir und beichtete mir, dass er sich in Niko verliebt hatte. Rango war so gut und arglos. Und jung genug, keinerlei Schwierigkeiten zu sehen. Ich wusste aber,
dass Niko und ihr Töchterchen Nana Sklavinnen von Claudia Sabina waren. Sie konnte sie jederzeit abholen lassen.
"Erwidert die junge Frau denn deine Gefühle auch?", fragte ich vorsichtig.
"Das weiß ich noch nicht", erwiderte Rango und kickte einen Kieselstein fort. Wir waren ein bisschen in den Garten gegangen, weil der Junge mich unter vier Augen sprechen wollte. Ich atmete insgeheim auf. Noch war zwischen den beiden jungen Leuten nichts geschehen, was sie in Schwierigkeiten bringen konnte.
"Ich denke darüber nach", versprach ich Rango, der jetzt ebenfalls aufatmete. Ich würde mit Stella später darüber sprechen. Vielleicht konnte man Niko und Kind der Claudia abkaufen. Der kleine Iulius Cato brauchte allmählich keine Amme mehr. Auf seinen kleinen dicken Beinchen wackelte er mit Vorliebe Stellula hinterher, und er aß was die Ältere auch aß.
Rango verabschiedete sich und ging wieder an die Arbeit, als ich plötzlich einen Ruf hörte. Er klang seltsam; weit fort und doch wie dicht an meinem Ohr. Ich hätte schwören können, dass es Quiwons Stimme war, der mich rief. Sofort trabte ich in die Richtung, aus der ich meinte, seine Stimme vernommen zu haben. Es dauerte nur eine kleine Weile, und ich lief Fenia in die Arme, die mir zurief:
"Herr Gabinius, es ist soweit!"
Wo ist Quiwon, dachte ich verblüfft.
" Hier bin ich, Vater!" Quiwon lief Fenia vorneweg. Fenia schaute mich an: "Dein drittes Kind will zur Welt kommen"
"Mein Bruder", verbesserte Quiwon. Jetzt erst begriff ich, was beide sagten, und vor Aufregung lief ich schneller als beide in die Richtung, die mein Sohn mir wies.
Da kam uns Gerfridu aber auch schon entgegen, und er trug eine halbohnmächtige Stella auf den Armen.
"Fridila!", rief ich und nahm sie meinem Onkel aus den Armen:
"Fridila, meine geliebte Fridila!" Ihr Gesicht war bleich wie Marmor, und mir blieb das Herz stehen vor Schreck.
Fenia erkannte mit einem Blick den Ernst der Lage: "Bis zum Haus schaffen wir es nicht mehr", stellte sie fest: "Tragen wir sie ins Balneum, wenn du nicht willst, Herr Gabinius, dass dein Kind im Wald auf die Welt kommt"
Gerfridu nahm die Kinder: "Kommt, hier können wir nicht helfen!", sagte er betont fröhlich, um die weinende Stella zu beruhigen und setzte meine Tochter auf seine Schultern:
"Euer Vater ruft euch, wenn es soweit ist! Ich schicke euch besser Sylvana und Riona", wandte er sich an mich und Fenia und nahm die Kinder mit sich. Sylvana war Stellas Cubicularia und Riona selbst eine erfahrene Mutter und Kinderfrau, beide Frauen waren bei dieser Angelegenheit von größerem Nutzen, als es ein Krieger sein konnte.
Fenia und ich aber - ich mit meiner süßen Last - hasteten dem Balneum zu
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