Die Herrin liebte alles, was grün war oder was blühte, und die Erde gab ihr diese Liebe zurück.
Meonre beobachtete, wie Lady Gerwina Erde in ihre Hand nahm , kurz daran roch und lächelte.
Meonre beobachtete viel. Sie war nicht sehr hübsch, nicht groß, sondern von gelblicher Gesichtsfarbe und eher mager. Doch sie konnte einen Zauber weben, der Männer verrückt nach ihr machte. Sie war aus dem Alten Volk, von den Formori, und man hiel tihresgleichen für Hexen. Sie war jedoch auch eine Sklavin.
Eisu Ap Comux wollte sie fortschicken, weil er dachte, dass die neue römische Herrin keine solche Sklavin haben wollte. Dabei sah Lady Gerwina gar nicht römisch aus. Oh, sie trug wohl die feinen Gewänder, die am Mittelmeer Mode waren, aber ihre Augen waren Meeresaugen, und ihr Weizenhaar zeigten an, dass entweder sie selbst oder ihre Ahnen aus einem weit nördlicheren Land kamen.
Wenn Meonre sie ansah, dachte sie an große, ernste Wälder. Sie hatte solche Wälder noch nie gesehen. Doch sie waren da. Und nun wusste sie, dass die Herrin neues Leben in sich trug.
Es blieb einer Bademagd nicht verborgen, wenn eine Frau ihren Mondfluss nicht mehr hatte.
Lady Gerwina war fertig mit ihrer Besichtigung. Sie richtete sich auf, eine Hand in ihr Kreuz gestützt.
Nun musste sie Meonre sehen. Nun konnte die Sklavin schlecht fortlaufen.
Sie ging ihr also entgegen:
"Sei gegrüßt, Lady Gerwina", sagte sie mit einer Verbeugung: "Kann ich dir helfen? Und bitte hast du einen Moment für ein Wort?"