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RE: Mädchenzimmer (Cubiculum) Furia Saturnina
Dreierlei besänftigte Saturninus zumindest im Moment: Erstens, dass Furia Saturnina sofort kuschte. Hätte sie ihm - noch dazu vor dem ansehnlichen Blonden - Widerworte gegeben,wäre das unangenehm geworden. Zweitens: Die Erwähnung von Pytheas. Saturninus war sich über diesen Mann nie klar geworden. Er war ein Freigelassener des letzten Kaisers. Er hätte Macht und Einfluss haben können, schien sich jedoch wenig daraus zu machen. Und drittens: Primus selbst. Der Blonde hielt seinem Blick stand. Er strahlte die Ruhe eines erfahrenen Medicus aus, auch wenn er nicht so erfahren sein konnte.Aber er hatte etwas Beruhigendes wie kühles Wasser, etwas, an dem erhitzte Gemüter abprallten wie ein Geschoss an einer Mauer. Es war keine Unsicherheit in ihm. Ein junger Mann, der mitten im Leben stand, dieser Primus. Nur Primus, keine Gens, nichts.
"Meine Tochter übertreibt. Das ist eine der vielen Schwächen des weiblichen Geschlechtes", entgegnete Saturninus mit einem Achselzucken:
"Ich bedaure es, dass sie dich wegen eines kleinen Spielunfalls hat rufen lassen, aber da du schonmal hier bist..." und mir zweifellos eine Rechnung ausstellen wirst, dachte Saturninus:
"Ich hoffe doch, dass sich Carus nicht ernsthaft verletzt hat?"
Er schaute zu seinem Sohn, der so schüchtern und unbeholfen wirkte. Die dicke Phaedra hatte eine Hand auf seine Schulter gelegt.
Saturninus nickte dem Jungen zu: "Na, mein Großer, alles in Ordnung?" Carus schien die unverhoffte Aufmerksamkeit seines Vaters nicht erwartet zu haben. Er schenkte ihm sein Lächeln. Das Lächeln war rührend, aber Saturninus wollte nicht gerührt werden. Er schaut rein wie ein Schwachkopf, dachte er. Saturnina nannte ihn manchmal so, doch ihr Vater hatte es ihr verboten. Carus war der Erbsohn. Saturnina hatte ihren Bruder zu respektieren. Dennoch: Saturninus Unbehagen wuchs.
"Ich möchte dich gerne noch unter vier Augen sprechen, Meister Primus", sagte der Furius fast unvermittelt. Er würde den Medicus nach Carus Verhalten fragen, wenn er schon im Hause war. Es war ihm vorher mit Pytheas nicht eingefallen, weil er sich viel zu viele Sorgen machte, was der Flavianus später seinem Patron erzählen könnte. Aber dieser Primus würde nichts weitertratschen, und sollte er es versuchen, würde man irgendwann seinen leblosen Körper im Iscafluss wiederfinden. Das war der Lohn, wenn das Vertrauen eines Patriziers missbraucht wurde.
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