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RE: Officium von Gabinius Secundus & Furia Stella
Während Gerfridu den Brief vorlas, wurde es still im Raum. Die Wahl der Worte und die bildhafte Sprache zeugen von einer aufrichtigen und sinnlichen Liebe, die er für Sergia Viola empfand. Zuvor bat er mich, die Fehler zu korrigieren, falls welche vorhanden waren. Beim Hören habe ich einige stilistische Unregelmäßigkeiten in seinem Brief bemerkt, würde aber nichts am Schreiben ändern, um die Authentizität des Liebesbriefes nicht zu gefährden. Die blumige Sprache, die Gerfridu gewählt hat, war ein Ausdruck seiner inneren Welt und seiner Sehnsüchte. Ich war sehr beeindruckt von der liebevollen, poetischen Art, in der er seine Gedanken und Gefühle beschrieben hatte und sah ihn an:"Dein Brief ist wunderschön, lieber Gerfridu und es gibt nichts zu korrigieren. Wenn wir etwas ändern würden, würde der Charme und die Echtheit deiner Worte verloren gehen." Ich nickte und sagte mit einem warmen Lächeln, "Du kannst den Brief abschicken, Viola wird sich sehr freuen".
Währenddessen führten mein Gemahl und mein Sohn ein leises Gespräch, das mir entging, weil ich dem Onkel konzentriert lauschte. Dann verließ der glückliche Germane das Officium und Quiwon lief hinter ihm her! Als die beiden "Krieger" weg waren, sagte Sonnwin, dass Quiwon wusste, dass wir in diesem Jahr nicht in die Sabrinamarschen reisen können. Ob er traurig darüber war, wusste sein Vater nun nicht, weil das Kind schon weg war ... "Ich bin aber traurig, hoffe nur, dass wir im nächsten Sommer unsere Reise nachholen können!"
Dann umarmte mich mein Friudel und küsste mich zärtlich. Ich legte meinen Kopf an seine Schulter und seufzte leicht. "Mir geht es gut, mein Herz. Ja, wir können gleich gehen, ich bin heute mit meinen Aufgaben fertig." Als Sonnwin mich dann fragte, ob Gerfridu wegen Viola sehr leide, antwortete ich: "Ich denke schon, aber, ich glaube, er hofft auch, dass sie wiederkommt!"
Dabei dachte ich kurz nach: "Sergia Viola ist eine Patrizierin, gebunden an die Traditionen und Erwartungen ihrer Familie und weiß, dass eine Verbindung zu einem Germanen in ihrer Gesellschaft als Skandal angesehen werden würde. Ich weiß aber, dass sie Gerfridu liebt und muss nur eine Entscheidung treffen". Ich machte eine Pause und fügte hinzu: "Wenn sie in diesem Sommer wieder kommt, dann hat sie ihre Entscheidung getroffen".
Bevor wir uns auf den Weg machten, fiel mir noch etwas ein: "Mein liebster Friudel, ich würde gern wissen, worüber ihr euch, Vater und Sohn, unterhalten habt, während dein Onkel seinen Brief vorlas? Das würde mich sehr interessieren!"
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