>>> Wie es ihre junge Domina angewiesen hatte, begab sich Cassia auf schnellstem Wege zur Praxis des Medicus. Sie hatte das Blut im Gesicht des jungen Dominus gesehen. Auch Phaedras Tunika war mit Blutspritzern besprenkelt. Das meiste Blut hatte Cassia allerdings an dem jungen Dominus wahrgenommen. Carus jedoch hatte nicht geschrien oder geweint, was wiederum bedeutete, dass er nicht ernsthaft verletzt sein konnte. Vielleicht aber stand er auch einfach nur unter Schock und realisierte überhaupt nicht, was mit ihm geschehen war. Darüber würde sich später der Medicus Gedanken machen, geisterte es durch Cassias Lockenkopf. Die mit raschen Schritten durch die Gassen flitzte. Das Wohnviertel der Reichen und Schönen allmählich verließ. Und ihre Schritte sie in das Neubaugebiet der Stadt Iscalis führte. Denn dort, so wusste sie, hatte der Medicus seine Praxis. Hoffentlich war der Arzt auch anzutreffen und hoffentlich musste Cassia nicht warten. Für einen kurzen Augenblick zögerte sie in ihrer raschen Schrittfolge und biss sich kurz auf ihre Unterlippe. Bevor sie im nächsten Moment in die Straße einbog, in der sich die Praxis des Medicus in einem der Gebäude befand. Vor dem Gebäude befand sich schon einmal keine lange Menschenschlange, was nur bedeuten konnte, dass der Medicus keine Patienten hatte. Oder aber, was noch viel schlimmer wäre, er war gar nicht zu Hause. Das wäre wirklich sehr schlimm. Mit empor gereckten Kinn trat Cassia schließlich näher an die Türe heran, hob ihre Hand an und pochte gegen das Holz der Türe. Diese wurde im nächsten Moment sehr schwungvoll geöffnet. So dass Cassia mit großen Augen zu dem jungen Mann blickte, der ihr die Türe geöffnet hatte.
“Äh.. Ähm. Meine Domina schickt mich. Domina Furia Saturnina. Der junge Dominus ist verletzt. Wir brauchen dringend einen Arzt.“ Sprudelte es hastig über Cassias Lippen, der man bei dieser Hektik ihren Dialekt deutlich anmerkte. Dabei hatte sie sich doch angewöhnt absolut akzentfrei zu sprechen. Nur wenn sie aufgeregt oder besorgt war, dann brach der syrische Dialekt ihrer eigentlichen Heimat ab und an durch.
“Schnell!“ Betonte die furische Sklavin mit einem aufmerksamen Glanz in ihren Augen.
“Ist der Medicus überhaupt zugegen? Der junge Dominus braucht dringend Hilfe.“ Stellte Cassia noch einmal klar und trippelte nervös von einem Fuß auf den anderen. Wieso dauerte das denn so lange?