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RE: Gemach Tiberius Furius Victor Aidanus
Während sein Vater sprach, hatte Aidan begonnen, die Spielzeugwaffen zu verstauen. Er war außergewöhnlich ordentlich, machte so gut wie nie Unordnung. Es war ein Kontrast zu seiner bisweilen rauflustigen Natur. Doch ja, Ordnung hielt der Knabe, das hatte ihn schon die Mama gelehrt. Bei mehreren Buben in der Hütte hatte man ja etwas das Chaos ordnen müssen. Es diente jedoch auch als Methode, seinem Vater nicht in die Augen zu sehen. Seit alles anders war, sah er nicht mehr gern in Vaters Gesicht, das oft so wütend oder enttäuscht aussah. Jedenfalls fühlte es sich für ihn so an. Aus Aidans Sicht hatte sein Vater irgendwann aufgehört, ihn gern zu haben. Jetzt ging es nur noch darum, was er konnte. Es war... nicht sehr schön. Als Saturninus andeutete, dass sein Sohn bereits zu alt zum Schwertspielen war, zuckte dieser mit den Schultern, ohne ihn anzusehen.
"Aber Carus spielt das gern", lautete die Antwort schlicht. Die Verbesserung seiner Worte ignorierte der Knabe, bemerkte sie aber durchaus - ebenso wie den kleinen Seitenhieb gegen seinen Bruder.
So fürsorglich war er nicht immer gewesen. Als er gemerkt hatte, dass er nicht mehr nach Hause durfte, hatte er Carus genauso doof gefunden wie alles hier. Aber das hatte sich in dem Moment geändert, als er gemerkt hatte, dass etwas an ihm anders war. Er hatte bereits geahnt, dass er es schwer haben würde. Seitdem kümmerte er sich hingebungsvoll um den einfältigen kleinen Bruder.
"Sonst spielt ja niemand mit ihm." Es war sehr einfach, den Satz als etwas völlig Harmloses abzutun, doch wer wusste, wie klug der Dreizehnjährige war, der hätte womöglich einen Angriff auf seinen Vater dahinter erahnen können. Der Vater, der hin und wieder mit den Sklavenkindern im Atrium spielte, aber nicht mit seinem Sohn. Seinen Söhnen. "Er hat heute mit mir Lesen geübt. Er hat den ganzen Absatz geschafft!" Vielleicht entlockte dies ihrem Vater ja mal ein Lob. "Er denkt, wenn er es schafft, den Text fehlerfrei vorzulesen, freust du dich für ihn." 'Dann spielt Papa bestimmt auch mit!', hatte er sich gefreut. Aidan wusste, dass es nicht reichen würde...
Der junge Furius Victor sah nicht gerne, wie sein kleiner Bruder immer wieder enttäuscht wurde und es doch mit Fassung trug. Weinen tat Carus beinahe nur, wenn sie allein waren. Und Victor? Der weinte nur noch, wenn er wirklich ganz für sich allein war.
"Wenn du Phaedra verkaufst, wird Carus nie mehr froh. Lass sie ihm doch wenigstens. Sie ist so lieb und er braucht sie", bat er leise, denn die Amme kümmerte sich verdammt nochmal viel mehr um seinen Bruder als seine eigene Mutter. Furia Serena war wirklich eine Furie, dachte Aidan erbittert. Sie mochte ihn nicht, weil er eine andere Mutter hatte, obwohl die zuerst dagewesen war! Und Carus mochte sie sicher auch nicht.
Aidan verbitterte langsam, den Blick jetzt auf den Boden vor Saturninus gerichtet. Sein nach vorn gerecktes Kinn zeugte von seinem Unwillen, doch verlieh es ihm auch jene würdevolle Ausstrahlung eines echten Furiers.
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