RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Mein Hals fühlte sich plötzlich trocken an, als ich diesen Namen hörte. Tegwen - Bryns kleine Schwester. In mir kamen Erinnerung hoch, an eine lang vergangene Zeit, die unwiederbringlich verloren war.
Götter, sie war noch ein Mädchen - damals. Und jetzt stand sie hier vor mir, lebendig, voller Wut und voller Bitterkeit. Doch hinter all dem sah ich noch etwas von dem Mädchen, das ich kannte.
Unzählige Fragen brannten mir auf der Zunge. Was war mit ihr und Bryn geschehen? Ich wusste nur, dass sie damals verschleppt worden waren. Ich wollte es wissen – nein, ich musste es wissen. Doch nicht hier. Nicht jetzt.
Ich löste meinen Blick von Tegwen und schaute auf die Menschenmenge um uns, auf den Furius und auf seinen Sklaven, der sie noch immer festhielt. Das war der denkbar schlechteste Zeitpunkt für ein Gespräch über die Vergangenheit.
"Tegwen, bitte. du musst mir alles erzählen. Aber nicht jetzt. Ich will dir helfen, so gut ich kann. Triff mich später." Noch immer sprach ich in unserer Muttersprache mit ihr. Meine Worte waren eindringlich und ich hoffte, sie würde sich darauf einlassen.
Ich sah ihr in die Augen, versuchte ihr zu zeigen, dass ich es ernst meinte. "Heute Abend nach Sonnenuntergang. Sag mir, wo ich dich finde."
Doch bevor sie antworten konnte, mischte sich der Furier ein.
Ich riss den Blick von ihr los und drehte mich langsam zu ihm um. Noch immer war ich wie betäubt von der Begegnung, doch ich musste mich zusammenreißen. Ich zwang mich, mir nichts anmerken zu lassen.
"Nein, ich bin nicht hier, um dem Statthalter meine Arbeiten zu zeigen." Ich zögerte kurz. "Ich bin hier, um Aglaia zu sehen. Ich wollte ihr sagen, dass ich wieder verheiratet bin. Und…" Ich holte tief Luft. "Ich wollte meine Tochter sehen," fügte ich schließlich noch hinzu.
Für einen Moment schien mich Furius Saturninus mustern zu wollen, doch dann fiel sein Blick auf die Beutel in der Hand seines Sklaven und er fragte mich, ob der andere Geldbeutel mir gehöre.
"Nein", sagte ich schließlich und schüttelte den Kopf. "Das ist nicht meiner." Ich warf einen Blick auf den Beutel. "Ich muss wohl meinen verloren haben, als ich kopflos durch die Stadt irrte. Der hier gehört dann wohl dieser Frau."
Meine Stimme war ruhig, aber mein Kopf arbeitete fieberhaft. Ich wusste nicht, in was genau Tegwen hier verwickelt war, aber ich wusste, dass sie in Schwierigkeiten steckte. Und wenn ich sie jetzt einfach ihrem Schicksal überließ, würde ich mir das nie verzeihen.
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