RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Ich brauchte einen Moment, um zu begreifen, was der Junge von mir wollte. Seine Worte klangen gedämpft in meinen Ohren, als kämen sie von weit her.
"Hä... ? Was... ? Bestohlen?", wiederholte ich langsam und schüttelte den Kopf. "Ich… ich weiß nicht."
Meine Hand wanderte wie von selbst zu meinem Gürtel. Dort, wo mein Geldbeutel sein sollte. Doch da war nichts mehr. Nur noch Leere. Ein Fluch kam über meine Lippen. Natürlich. Warum auch nicht? Als ob dieser verfluchte Tag nicht schon schlimm genug gewesen wäre.
Ich seufzte und fuhr mir mit den Fingern durchs Gesicht und folgte dem Jungen schließlich schweren Schrittes. Ich hatte keine Lust mehr auf Ärger. Nicht nach meiner Begegnung mit Aglaia. Ebenso wenig war ich auf Gespräche erpicht. Und erst recht hatte ich kein Verlangen danach, Furius Saturninus zu begegnen. Doch genau der stand plötzlich vor mir, wenn auch ziemlich ramponiert.
"Salve, Furius Saturninus," sagte ich schließlich, meine Stimme klang rauer, als sonst. "Was für eine Überraschung." Eine Überraschung, auf die ich an diesem Tag gut und gerne hätte verzichten können. Ich war müde und fühlte mich verloren. Mein Kopf war noch immer ein einziges Chaos aus Wut und Schmerz. Und nun stand ich hier, bestohlen, verwirrt – und musste mich ausgerechnet mit ihm auseinandersetzen.
Und dann sah ich sie - eingehüllt in Lumpen. Um sie herum eine wütende Menge. Die Luft wich aus meiner Brust. Mein Herz stolperte.
"Bryn?" Der Name verließ meine Lippen, bevor ich ihn zurückhalten konnte. Aber das konnte doch nicht sein. Das war unmöglich. Und doch…
Die junge Frau vor mir sah ihr so ähnlich, dass mir fast schwindelig wurde. Der gleiche rötliche Schimmer im Haar, der gleiche herausfordernde Blick, dieselben kantigen, feinen Züge. Aber da war etwas… anders. Sie war jünger. Jünger, als Bryn es jetzt wäre. Sie musste in dem Alter sein, als ich sie zur Frau genommen hatte. Ein kalter Schauer lief mir über den Rücken. Was für ein grausames Spiel trieb das Schicksal nun mit mir?
"Du bist nicht Bryn! Das kann nicht sein. Du kannst nicht Bryn sein! Aber wer bist du dann?" fragte ich sie und war dabei in meine Muttersprache abgedriftet.
Ich schluckte hart und zwang mich, den Blick von der Diebin – von ihr – loszureißen. Stattdessen richtete ich meine Aufmerksamkeit wieder auf den Furius.
"Nun? Was gedenkst du mit ihr zu tun?"
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