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Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
03-28-2025, 10:46 PM,
Beitrag #4
RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium
Gwen fühlte das Gewicht des frisch erbeuteten Geldbeutels und unterdrückte ein zufriedenes Lächeln. Der Blonde hatte nichts gemerkt – nicht einmal einen misstrauischen Blick hatte er ihr geschenkt. Jetzt musste sie nur noch in eine ruhige Gasse verschwinden, und dann würde sie sich in einer Taberna ein ordentliches Essen gönnen.
Doch als sie gerade in eine andere Richtung abbiegen wollte, prallte sie plötzlich gegen eine feste Brust. Eine Hand schoss vor und packte ihr Handgelenk.
Gwens Herz setzte einen Schlag aus. Ihre Augen schnellten nach oben, trafen das Gesicht eines jungen Mannes – ein Sklave, wenn sie sich nicht irrte. Und dann, wie ein Faustschlag, die Erkenntnis. Sie kannte ihn. Irgendwo hatte sie ihn schon einmal gesehen. Hatte sie ihn bestohlen? Vermutlich. Aber das war doch schon Tage her, oder? Woher zum Henker erinnerte der sich noch an sie?
Natürlich, die Hinrichtung! Sie hatte den Kerl am Vormittag bei der Hinrichtung bestohlen! Er gehörte zu dem römischen Geldsack, der sowieso genug Geld zum fressen hatte.
Panik flammte in ihr auf. Gwen riss an ihrem Arm, doch der Kerl ließ nicht los. Schlimmer noch: er rief auch noch laut, dass sie eine Diebin war.
Schon spürte sie die ersten Blicke. Stimmen wurden lauter, Füße bewegten sich auf sie zu. Verdammt. Sie musste hier weg, und zwar schnell!
"Lass mich los!", zischte sie, doch ihr Versuch, sich loszureißen, war zwecklos. Der Sklave hielt sie mit einem eisernen Griff. Und dann fiel ihr Blick auf den Römer, dem der Sklave gehörte. Noch vor wenigen Stunden hatte sie sich über ihn köstlich amüsiert, als er in einer Taberna bemerkt hatte, dass er bestohlen worden war und er kein Geld hatte, den Wirt zu bezahlen. Die daraus entstandene Schlägerei, war wirklich sehr unterhaltsam gewesen. Jetzt aber schien er seinen Spaß mit ihr haben zu wollen.
Gwen schluckte. Um sie herum begann die Menge sich zusammenzurotten. Ein Tumult war im Entstehen. Leute liebten es, eine Diebin in die Finger zu bekommen. Sie waren begierig, zu sehen, wie sie windend um Gnade flehte und für ihr Vergehen  Schläge erhielt. Manchen bereitete es auch Freude, selbst ein paar Schläge zu verteilen, um sich den Abend zu versüßen.
Ihr Verstand raste. Vielleicht könnte sie noch lügen, sich rauswinden oder ein Drama vorspielen. Sie war eine gute Schauspielerin – wenn sie das richtig anstellte, konnte sie Mitleid erregen oder sich irgendwie aus der Sache herausreden.
"Was? Nein, bitte, ihr müsst mir glauben! Ich habe nichts gestohlen!" beteuerte sie laut rufend. "Ich schwöre es bei allen Göttern! Das ist ein Missverständnis! Ich bin nur gestolpert, ich schwöre es!"
[Bild: 3_15_08_22_9_39_13.png]
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RE: Irrungen, Wirrungen - Verloren in Londinium - von Gwen - 03-28-2025, 10:46 PM

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