RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
“Warum sagst du das?“ brachte ich nur ehrlich schockiert heraus, als er mir vorwarf, ich hätte unsere Pläne vergessen. Was bitte sollte das jetzt, hier? Was für eine Bedeutung dachte er, sollte das jetzt und hier haben? Er und ich würden niemals dieses Leben führen, was wir uns ausgemalt hatten in unserem jugendlichen Leichtsinn und der verliebten Naivität. Das war vorbei. Was nützte es, das jetzt wieder hervorzuholen?
“Alles, was ich wollte, war, dass du mir vertraust. Und das hast du nicht“, erwiderte ich verletzt und schüttelte traurig den Kopf. Ich hatte diese Streitereien mit ihm schon immer satt gehabt. Immer die Vorwürfe, immer die emotionale Erpressung, immer das Gefühl, mich schämen zu müssen für das, was ich war und worüber ich ihn nie belogen hatte. Auch wenn er sagte, dass er nur eine Familie hier mit mir in Londinium gewollt hatte, stimmte das so einfach nicht. Er wollte ein keltisches Leben und eine keltische Familie und wollte mich dahin zurechtbiegen, bis ich war, was er wollte, und nicht, was ich wollte.
Seine Liebeserklärung traf mich allerdings unvorbereitet. Ich glaube, ich zuckte sogar zusammen und sah zu meiner Tür. Ich wollte nur weglaufen, vor allen Dingen vor dem schmerzenden Gefühl tief in mir drin. Wie oft hatte ich geträumt, dass er mir sagen würde, dass er mich noch liebte? Aber ich wusste auch, dass Liebe allein eben nicht ausreichte, und das war wohl die schmerzhafteste Wahrheit, die ein Mensch begreifen konnte. Liebe allein machte noch lange nicht glücklich. In meinem Fall machte sie einen sogar verdammt unglücklich. Weil sie einem wieder und wieder das Herz zerriss.
“Und was ist mit deiner Frau?“ fragte ich mit gebrochener Stimme, noch immer nicht ihn ansehend. Ich weiß nichtmal, welche Antwort ich darauf erhoffte, da jede Antwort das hier nur schwerer machen würde. Trotzdem wollte ich es hören, aus seinem Mund, auch wenn es weh tat.
|