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Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
03-20-2025, 12:12 AM,
Beitrag #15
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Ihre Worte trafen mich mit einer Härte, die mir den Atem raubte. Sie brannten sich in mich ein, wie eine Klinge, die langsam ins Fleisch getrieben wurde. Doch ich wusste nicht, was mehr schmerzte – ihre Worte selbst oder die Kälte, mit der sie sie aussprach. Jeder einzelne Satz war wie ein Dolchstoß, präzise gesetzt, direkt dorthin, wo es am meisten wehtat.

Du bist nicht ihr Vater.

Meine Kiefer spannten sich an, während mein Atem schwerer wurde. Sie hatte mich aus ihrem Leben verbannt, aus dem Leben unseres Kindes. Und nun wollte sie mir auch noch das Recht nehmen, mich Vater zu nennen. Ich hätte darauf vorbereitet sein müssen. Wahrscheinlich hatte ich es sogar befürchtet. Doch es aus ihrem Mund zu hören, mit dieser eisigen Härte, mit dieser endgültigen Gewissheit … Es fühlte sich an, als würde sie mir das letzte Stück entreißen, das von dem Leben übrig geblieben war, das wir einst gemeinsam hatten.
Dabei war sie es gewesen, die mir zu verstehen gegeben hatte, dass ich nie genug für sie und unsere Tochter sein könnte.
Vielleicht hatte sie recht. Vielleicht hatte ich versagt. Vielleicht war ich nicht genug.
Aber verdammt noch mal – sie tat ja gerade so, als hätte ich mich bewusst dafür entschieden, nicht da zu sein. Als wäre ich einfach gegangen, hätte mich gegen sie, gegen unser Kind, gegen alles, was wir hatten, entschieden.
"Denkst du, ich wollte das so?" Meine Stimme war rau, angespannt, bebend vor unterdrückten Gefühlen. "Glaubst du wirklich, ich hätte mich einfach umgedreht und wäre gegangen, weil ihr mir nichts bedeutet habt?"
Langsam machte ich einen Schritt auf sie zu, vorsichtig, als könnte jede falsche Bewegung sie noch weiter von mir forttreiben.
"Wir wollten doch einmal dasselbe, Aglaia. Erinnerst du dich überhaupt noch daran?" Meine Stimme wurde leiser, eindringlicher. "Wir wollten ein neues Leben beginnen. Hier in Londinium. Ein Haus und eine Schmiede. Eine Familie sein. Mehr wollte ich nie."
Meine Kehle fühlte sich plötzlich trocken an. All die Monate hatte ich diese Gedanken tief in mir vergraben, hatte versucht, nicht zurückzublicken, nicht darüber nachzudenken, was hätte sein können. Doch jetzt, da sie vor mir stand, war es unmöglich, all das weiter zu verdrängen.

"Ich weiß, dass ich Fehler gemacht habe. Ich weiß, dass ich nicht perfekt war. Aber glaub nicht eine Sekunde lang, dass mir das hier egal war. Dass ihr mir egal wart." Ich lachte bitter auf, fuhr mir mit einer Hand durchs Haar, als könnte ich die aufgestauten Emotionen damit fortwischen. "Verdammt, Aglaia! Ich liebe dich noch immer. Ich habe nie aufgehört, dich zu lieben." Die Worte waren draußen, bevor ich sie aufhalten konnte. Doch es war die Wahrheit. Wie hätte ich aufhören können? Sie war in jeder Faser meines Seins.

Ich atmete tief durch, zwang mich zur Ruhe, zwang mich, nicht laut zu werden.
"Ich bin nicht hier, um dir irgendetwas wegzunehmen. Ich verlange nicht, dass du mich in euer Leben zurücklässt." Ich hielt ihrem Blick stand, auch wenn es schmerzte. "Aber du kannst mir nicht absprechen, was ich bin." Ein leises Zittern lag in meiner Stimme, kaum merklich, aber es war da. "Ich bin ihr Vater. Und das werde ich auch immer sein – ob du es mir erlaubst oder nicht."
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RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise - von Licinianus Owain - 03-20-2025, 12:12 AM

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