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Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
03-19-2025, 04:51 PM,
Beitrag #13
RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise
Für einen Moment ließ ich ihre Worte einfach stehen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder wütend den Kopf schütteln sollte. Eine Keltin, mit der ich öffentlich herumposierte. Als wäre das alles, was sie in mir sah. Ein Mann, der sich kopflos in das nächste Abenteuer stürzte, der sie mühelos ersetzt hatte, ohne auch nur einen Blick zurückzuwerfen.
Sie hatte keine Ahnung. Keine Ahnung, wie sehr ich gelitten hatte. Wie oft ich meinen Schmerz im Alkohol ertränkt hatte. Wie viele Nächte ich wach gelegen und mir eingeredet hatte, dass es keine Rolle mehr spielte. Und selbst wenn ich ihr jetzt davon erzählen würde – sie würde mir nicht glauben. Wahrscheinlich würde sie mich auslachen.
Ein Kloß bildete sich in meiner Kehle, als die Bitterkeit ihrer Worte in mir nachhallte. Ich hatte nie nach jemandem gesucht. Ich hätte es nicht einmal gekonnt. Nach ihr … nach dem, was zwischen uns gewesen war, hatte ich nicht geglaubt, dass ich jemals wieder jemandem so nahe sein könnte. Doch das Leben hielt sich nicht an Pläne. Es kümmerte sich nicht um die Mauern, die man um sein eigenes armes Herz errichtete. Und so hatte es mich zu Deirdre geführt, zu der Frau, die nun meine Frau war – nicht weil ich Aglaia vergessen wollte, sondern weil ich irgendwann begriffen hatte, dass ich nicht für immer in diesem Schmerz gefangen bleiben konnte.
Aber das alles würde sie nicht hören wollen. Sie würde auch das nicht glauben wollen.
Außerdem war ich nicht hier, um mich mit ihr zu streiten. Über diesen Punkt waren wir längst hinaus. Es gab nur noch eine einzige Sache, die ich von ihr wollte. Etwas, das sie mir schuldete. Und ihr Nein würde ich nicht einfach so hinnehmen.

"Ich will sie dir nicht wegnehmen, Aglaia." Meine Stimme klang wesentlich ruhiger, als ich mich fühlte. Ich wollte nicht, dass sie meine Verletztheit hörte, auch wenn sie tief in mir brannte. "Ich würde so etwas nie tun. Ich will nur sehen, was aus ihr geworden ist. Ein einziger Blick, und ich gehe. Das verspreche ich, bei allem, was mir heilig ist. Und du weißt, dass ich zu meinem Wort stehe."
Ich sah, wie ihr Atem schneller ging, wie sich ihr Kiefer spannte. Sie hielt sich zurück, das kannte ich. Aber hinter dieser kalten Maske lauerte mehr – Angst, Wut, vielleicht sogar Schmerz.
Ich atmete tief durch. "Bitte," flehte ich. Kein Befehl. Keine Forderung. Nur ein einziges Wort.
Wenn ich ihr jemals etwas bedeutet hatte, würde sie mir diesen einen Wunsch nun nicht verwehren.
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RE: Auf nach Londinium! - Narcissus und Owains Reise - von Licinianus Owain - 03-19-2025, 04:51 PM

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