RE: Horreum vellerum | Überdachter Woll- und Stoffmarkt | Aglaia kauft ein
Es wunderte mich nicht, dass Saturninus sehen wollte, wie jemand, den er vor Gericht gebracht hatte, auf grausame Weise sein Leben verlor. Er gehörte zu diesen Männern, auch wenn er sich selbst gerne gänzlich anders sehen wollte. Er wollte groß und gönnerhaft und bewundert sein, aber eigentlich war er ziemlich klein, leicht aus der Fassung zu bringen und ängstlich. So ängstlich, dass er alles und jeden verdächtigte und zu so etwas wie Vertrauen gar nicht fähig war. Natürlich musste er da mit ansehen, wie jemand starb, um sicher zu gehen, dass derjenige sich nicht rächen konnte.
Er beleidigte mich weiterhin und ich ging davon aus, dass er gerade einfach jemanden suchte, um sich an ihm abzureagieren, und das ganze hinter dieser seltsamen Art, mich einerseits um ein Treffen zu bitten und andererseits permanent zu beleidigen, versteckte. Was ich allerdings keine Sekunde lang glaubte, war, dass er sich tatsächlich freundschaftlich mit mir hatte unterhalten wollen. Dann hätte er dieses Gespräch ganz anders geführt. Oder vielleicht auch nicht, es würde durchaus auch zu ihm passen, zu denken, jemanden zu einem Gespräch erpressen zu können oder konsequenzenlos Beleidigungen zu verteilen.
So oder so, ich ließ es über mich ergehen und hielt mich in Barnabas’ Schatten, bis er endlich einsah, dass ich nicht ein geeignetes Ziel darstellte. Seine Sticheleien beim Abschied passten zum Rest und blieben ebenfalls von mir unbeantwortet, auch wenn ich ihm wirklich gerne an den Kopf geworfen hätte, ob er eigentlich merkte, wie unmöglich er sich verhielt, und ob er wirklich dachte, dass irgendjemand sein Freund sein wollte, wenn alles, was er konnte, beleidigen, unterdrücken und bedrohen war. Und ob er tatsächlich dachte, dass ich mit ihm reden wollen würde, nachdem er mich so schlecht behandelt hatte und auch jetzt nur Beleidigungen für mich übrig hatte. Aber nein, ich sagte nichts und blieb ruhig, machte mich uninteressant für ihn, und es wirkte ja schließlich auch. Er machte den Weg frei.
“Leb wohl, Furius“, verabschiedete ich mich und schritt selbstverständlich nicht an ihm vorbei. Ich war nicht lebensmüde. Man drehte einem gefährlichen Mann nicht den Rücken zu, solange er in Griffreichweite war. Nein, stattdessen trat ich rückwärts ganz in Barnabas Schatten, schlug meine Palla noch etwas weiter nach oben und ging zwischen den Ständen durch zu der benachbarten Marktstraße, wo ich auf Barnabas wartete, der mir erst mit einigem Abstand folgte. Und ja, ich ging tatsächlich in Richtung Thermen, nur für den Fall, dass er mir doch folgen würde.
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