*Aura Herbarum* | Parfümstand auf dem Forum
Wie an jedem Tag war Damaris bereits vor dem Morgengrauen auf den Beinen und bereitete in der Küche alles für das morgendliche Frühstück zu. Ein Frühstück das jeden Morgen gleich aussah. Es gab Getreidebrei mit einigen Kräutern oder Früchten, wenn man denn welche erstand. Damaris war keine besonders herausragende Köchin, aber ihr Vater hatte sich noch nie über ihre Kochkünste beschwert. Und Damaris war sehr froh darüber. Sie bewohnte mit ihrem Vater eine der Insuale und teilte sich mit ihm dort einen großzügig geschnittenen Raum. Jener Raum war abgetrennt durch einen Vorhang, in dem sich ihre beiden Schlafmatten befanden. So hatte zumindest ein jeder von ihnen etwas Privatsphäre. Ebenso gab es einen hölzernen Tisch, mit zwei wackeligen Stühlen und einer äußerst kleinen Kochnische. Ein nur notdürftig an der Wand befestigtes Regal befand sich über der Kochnische. Für ihren Vater war dies ausreichend, während sich Damaris nach ihrer griechischen Heimat sehnte. Eine Heimat die sie wohl niemals wieder sehen würde. Denn sie wusste auch, dass ihr Vater in Londinium eindeutig das bessere Geschäft machte.
Sanft das Lächeln, als sie spürte wie ihr Vater durch ihre Strähnen strich und sie direkt zu ihm blickte. “Heute wird ein guter Tag, das spüre ich.“ Flüsterte Damaris, gab ihrem Vater einen Kuss auf die Wange und nahm ihre Schüssel an sich, welche sie säuberte. Um diese anschließend in das Regal zu stellen. Ebenso verfuhr sie mit der Schüssel ihres Vaters, der seinen Getreidebrei bereits gelöffelt hatte. “Hast du von der Hinrichtung gehört?“ Wollte ihr Vater wissen und Damaris nickte. Ihr Vater hatte ihr verboten bei diesem Spektakel anwesend zu sein, er selbst hielt sich von solcherlei Dingen ebenso fern. “Ein schrecklicher Tod.“ Sprach Damaris mit leiser Stimme und ihr Vater nickte daraufhin. Im nächsten Moment zog Damaris die Türe ins Schloss, hielt sich an ihrem Gehstock fest und presste ihre Lippen fest aufeinander. “Heute ist es wieder besonders schlimm.“ Sprach sie auf den fragenden Blick ihres Vaters. Es gab gute und weniger gute Tage und heute war einer dieser weniger guten Tag. Denn bis dato hatte sie kein Heilkraut. Kein Wässerchen gefunden, welches die Schmerzen in ihrem verkürzten, verkrüppelten linken Bein lindern konnte.
Am Forum angekommen herrschte dort bereits reger Betrieb und Damaris musste aufpassen, dass sie nicht aus Versehen von einem Pferdefuhrwerk über den Haufen gefahren wurde. Denn so geschwind wie ein Mensch ohne Behinderung war sie nun einmal nicht. Schon bereiteten sich Vater und Tochter auf einen neuen lukrativen Tag vor und eröffneten ihr Ladengeschäft, dass den klangvollen Namen ‚Aura Herbarum‘ trug. Und während sich ihr Vater in den hinteren Teil zurück zog und sich dort einer neuesten Kreation widmete, war Damaris sozusagen das Aushängeschild des Geschäftes.
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