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[Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
02-25-2025, 05:41 PM,
Beitrag #2
RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung
Saturninus ging, zwei Sklaven machten ihm den Weg frei, zwei liefen hinter ihm, den Weg mit. Valentinus war zurückgeblieben, er ertrug Corvus Hinrichtung nicht ( wie seltsam, dass Saturninus ihn auch in Gedanken immer noch so und nicht Alun nannte)
Die Londinier benahmen sich, wie sich Leute bei solchen Gelegenheiten benahhmen. Es herrschte Volksfeststimmung....

Mein Name ist Alun. Ich bin der Sohn einer jungfräulichen Priesterin von Mona und eines römischen Vergewaltigers."

Vergewaltiger, dachte Saturninus, etwas war mit diesem Wort und mit Corvus., etwas, das sich nun mit Macht versuchte, in sein Bewusstsein zu drängen. Vergewaltiger -  STUPRATOR. Tarutius Corvus. Nacht. Kiki mit ihm unterwegs; seine schöne Nubierin, Lachen und Scherzen, das tote Fischgesicht eines aufgeschlitzten Centurios. Das Schankmädchen, wie hieß es noch? Etwas mit D am Anfang. Ein Zeuge aus der Zivilverwaltung, der den Centurio als Letzter lebend gesprochen hatte.
Centurio:  Accius Florus von der II Augusta. Schwager von Sabinius Merula. Der Bruder von der Giraffe Accia Prisca......
Keiner damals hatte Corvus ernsthaft in Verdacht. Der Junge sah auch aus, als könne man ihn mit einem nassen Handtuch erschlagen und Florus war ein durchtrainierter Berufssoldat gewesen. Doch nun war es so, dass Corvus ein völlig Unbekannter war, ein Druidenspion. Wer wusste schon, zu was er fähig war? Seine Ausbildung war mindestens genauso sorgfältig gewesen wie die eines Legionärs. 

"Ich habe mir einen Namen genommen, der mir nicht gehört, um meine Mutter zu rächen. Ich bin kein Bürger Roms."

Hatte Corvus seine Mutter rächen wollen? Oder hatte er es bereits vollbracht? WAr das der eigentliche Grund, warum er jetzt so bereitwillig das Todesurteil angenommen hatte? War sein Werk vollendet?

Saturninus blieb einen Moment stehen, da aber auch Corvus zum wiederholten Male hingestürzt war, verlor er ihn nicht aus den Augen. Nur seine eigenen Sklaven wären dem Furius beinahe in die Hacken getreten.

Saturninus versuchte, an Corvus Seite zu kommen. Da tauchte vor ihm ein wie wild lachender Mann mit schwarzen Bartstoppeln am Kinn auf, der ihn anrempelte, aber so betrunken war, dass er es kaum bemerkte. In Ermangelung von faulem Obst und Gemüse hatte er einen recht großen Stein aufgeklaubt, den wollte er nach dem Gefangenen werfen.

Der Furius  griff ohne zu zögern nach dem Handgelenk des Betrunkenen.
"Lass das sein!", sagte er missbilligend und schüttelte den Kopf, und der Angreifer lallte etwas Beleidigendes, ließ aber den Stein fallen, als Saturninus ihm seine Fingernägel ins Fleisch krallte und ihn heftig in die Menge zurück stieß.

Einer der Soldaten hatte Alun wieder grob auf die Füße gezogen. Der Körper des jungen Mannes stand vor Dreck und Unrat, er blutete aus zahlreichen Wunden. Dennoch bewies er Haltung, wirkte viel mehr wie ein gefangener Römer in Feindeshand als wie ein verbrecherischer Kelte. 

Saturninus erhaschte seinen Blick. Es war wie der Blick in einen Abgrund, und ihm schwindelte es. Doch er musste Gewissheit haben. Auch wenn es niemanden etwas nützte, wenn Corvus bereits totes Fleisch war;  er brauchte die Gewissheit, dass damals etwas fürchterlich schief gegangen war und dass ihn sein eigenes Bauchgefühl niemals getrogen hatte.

 Saturninus hob die Hand und einen Moment lang geriet die Prozession ins Stocken.

"He, weiter, der Henker hat nicht den ganzen Tag Zeit!"

Es war wie gesagt spät, schon fast zu spät, doch der Patrizier drückte einem der Legionäre sein ganzes restliches Geldsäckchen in die Hand:

"Nur eine Frage", sprach er -  "Der hat sich ausgefragt"  , Saturninus fühlte sich, als drücke ihm jemand den Kopf unter Wasser. Er schüttelte das Gefühl  gleich wieder ab, er hatte den Legionären genug Geld in die gierigen Rachen geworfen. Seine Sklaven sprangen ihm bei und gaben ihre restlichen Asse her.

Saturninus stand nun vor Alun. Er, in seine Toga gekleidet, mit den Insignien seines Standes vor dem nackten Mann, der an eine Furca gefesselt war. Größer hätte der Kontrast nicht sein können:  

"Accius Florus?", fragte Saturninus nur.
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Honoratior von Iscalis
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RE: [Londinium] Eine öffentliche Hinrichtung - von Tiberius Furius Saturninus - 02-25-2025, 05:41 PM

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