RE: Officium des Hausherren
Eisu Ap Comux schüttelte bedauernd den Kopf: "Ich hörte, dass die Parther im fernen Osten goldfellige Pferde züchten. Aber sie haben nie den Weg bis in unser regnerisches Britannien gefunden.
Wenn es also nicht Gold ist, verehrte Lady Gerwina, darf es dann Silber sein? Ich habe eine nahezu silberfellige Stute hier. Sie ist etwas scheu, und die Knechte meinen, sie stamme auf Grund ihrer Erscheinung von den Ceffylau dŵr ab"
Er sprach das wie "Cefeledur" aus:, erklärte jedoch seiner Besucherin nicht, was für Wesen das waren, sondern redete weiter:
" Dieses Gerücht ist jedoch Unsinn, denn Argante, so heißt die Stute, ist gutmütig und dazu schnell wie der Wind. Wagst du es, sie dir zu zähmen, Lady Gerwina? Dann überlasse ich sie dir gerne" Argante bedeutete Silber.
Eisu Ap Comux lächelte, dabei behielt er Gabinia Clara im Auge, denn er wollte nicht, dass sie allzu müde wurde. Sie hatte ja bereits einen langen Weg hinter sich.
Der Hausbarde Cuno sang nun ein Märchen. Diesmal versuchte er nicht, kunstvoll zu sein, sondern erzählte es so schlicht, wie es das Volk erzählte. Das lag ihm entschieden mehr als die alten, komplizierten Lieder. Eisu Ap Comux musste sein Britonisch übersetzen, und während er sprach, spielte Cuno eine sanfte Melodie, und wenn Eisu Ap Comux schwieg, so griff der Sohn des Cunomoltos den Faden wieder auf.
" Weit im Norden lebte ein Fischer,
der wanderte in einer Sommernacht am Strand,
da sah er wunderschöne Mädchen,
sie tanzten Reigen im Mondenlicht.
Der Fischer freute sich und kam näher,
da erschraken die Mädchen sehr,
griffen zu Fellen, die zu ihren Füßen lagen und
schnell verwandelt sprangen sie ins Wasser.
Sie waren nämlich Seehundleute
Aber ein Fell blieb zurück, eine Meeresfrau
und so sehr sie auch bat um ihr Fell,
der Fischer gab es ihr nicht wieder,
sondern nahm sie mit nach Hause und
machte sie bald zu seiner Frau.
Arme Seehundfrau, armes Meeresmädchen,
deine Sehnsucht war groß nach dem Spiel der Wellen,
doch du konntest nicht in dein Reich zurück,
denn dein Fell hielt der Fischer verborgen.
So vergingen die Jahre, und sie hatten drei Kinder,
drei Kinder wuchsen heran und spielten am Strand,
da fand eines ein Fell hinter Ginster verborgen:
"Mutter, schau, was ich Seltsames gefunden habe!"
" Ach liebstes Kind, das gehört ja mir.
Mein Herz bricht,
da ich euch verlasse.
Aber nun kann ich heimkehren
in das nasse Reich, aus dem ich kam!"
Und die Mutter weinte silberne Tränen.
Sie legte das Fell an, die Fischersfrau
und plötzlich sprang ein grauer Seehund
von den Klippen
und ward nie wieder an Land gesehen"
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