RE: Officium des Hausherren
Der Wachposten verstand meinen Scherz ein bisschen falsch. Ich hatte eigentlich nicht wirklich vor, irgendwas zu singen, sondern wollte eben nur im Stall das Gewitter aussitzen. Aber ich war mir nicht ganz sicher, wie sehr ich ihn korrigieren sollte, denn er ließ mich jetzt richtig rein. Aber lügen wollte ich auch nicht, also sagte ich: “es gibt keine Filid südlich des Avon“, was ja auch stimmte. Und man musste auch ein ganzes Stück nördlich des Avon reisen, um welche zu treffen, da die Römer schon sehr weit nördlich gedrungen waren. Und außerdem sah das Haus hier auch doch so römisch aus, dass ich mir auch nicht sicher war, ob ein Filid wirklich so willkommen gewesen wäre, wie der Wachmann den Eindruck erweckte.
Auf jeden Fall konnte ich kaum so schnell schauen, wie ich plötzlich – nass und tropfend, wie ich war – ins Haus gescheucht und zu einem Raum geführt wurde, wo ein etwas unwirscher Kerl in irgendwelchen Papieren wühlte. Ich fühlte mich absolut fehl am Platz, noch schlimmer als bei Flavianus Pü im Haus.
“Einfach nur Louarn“, meinte ich trotzdem freundlich und hob leicht beschwichtigend die Hände, als mir nochmal ausführlich die jüngere Familiengeschichte erklärt wurde. Wagenlenker von König Catti, Fürst der Dobunni. Das erklärte schonmal die römische Aufmachung. Als die Römer damals zum zweiten Mal über das Meer kamen, konnten die Dobunni sich ihnen gar nicht schnell genug ergeben. Nicht eine einzige Schlacht sollen sie gegen sie ausgefochten haben, sondern sich von vornherein kampflos ergeben. Die wurden darin eigentlich nur von den Atrebates übertroffen, die die Römer in ihrem eigenen streben nach Macht dazu eingeladen hatten, überhaupt zu kommen. Jetzt lag der atrebatische König Togidubnus im Sterben , und sein Land würde sie das jeden anderen Königs an Rom fallen, damit zu tun, was auch immer es beliebte.
Aber ich war nass und tropfte und draußen holte der Sturm jetzt richtig aus, daher war jetzt ganz sicher nicht die Zeit für Politik. “Und wie ich bereits deinem Diener zu sagen versuchte, ich suche nur Schutz vor dem Sturm und erbitte während dessen Dauer die Gastfreundschaft deines Stalles für mich und meine Pferde. Sobald der Sturm vorübergezogen ist, werde ich dich mit meinem besten Dank auch wieder verlassen.“ Er sollte nicht denken, dass ich ein Landstreicher war, der eine billige Bleibe suchte. Naja, auch wenn das eigentlich nicht falsch war. Ich war so lange weg aus Iscalis, dass ich keine Ahnung hatte, ob Alan mich wieder in seinem Stall wohnen lassen würde, oder Flavianus Pü noch einen Türsteher brauchte.
Falke
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