Aufbruch gen Norden - Eine Braut macht sich auf den Weg
Drei Tage nachdem Cathbad die Falken zusammen gerufen hatte, um sie über seinen Plan zu informieren, waren wir aufbruchbereit. Alun und ich hatten die umliegenden Dörfer nach Pferden und Proviant abgeklappert und schließlich genug für den ersten Abschnitt der Reise zusammen. Wir hatten nun alles in allem 9 Pferde und etwa 25 Stein an Getreide, was hieß, dass wir unterwegs noch einmal dieselbe Menge auftreiben würden müssen. Aber so konnten die drei Packpferde es wenigstens alles tragen, zusammen mit einer kleinen Handmühle und zwei Zelten. Die decken, Waffen und was jeder sonst noch meinte, mitnehmen zu müssen, würde jeder selber auf seinem Pferd transportieren müssen. Ich hoffte nur, die Frauen kamen nicht auf die Idee, irgendwelche Kleiderkisten mitnehmen zu wollen, denn dafür hatten wir keinen Platz.
Ja, FrauEN, denn Anwen hatte sich in den Kopf gesetzt, unbedingt mitkommen zu wollen. Ich war mir noch nicht sicher, was ich davon halten sollte und ob sie mit mir flirtete oder einfach nur sehr seltsam war. Aber hey, sie war Priesterin, die waren alle ein wenig seltsam.
Die Sonne war gerade mal über den Horizont gekrochen und noch nicht einmal richtig aufgegangen, als ich die Pferde schon fertig machte. Ich prüfte alle Riemen und Gurte, ob das Gepäck gut verteilt war, ob alle Hufe in Ordnung waren und alle Tiere gesund. Ausfälle konnten wir uns nicht leisten.
Derweil ging ich im Kopf unsere Route durch. Von hier aus mussten wir erst einmal nach Norden, bis wir auf den Avon trafen. An einer günstigen stelle mussten wir den Fluss überqueren, was die erste von vielen Prüfungen sein würde, denn wir sollten die Brücken, die von den Römern kontrolliert wurden, nach Möglichkeit meiden, oder wenn, immer in kleineren Grüppchen passieren. Ich hatte schon beschlossen, dass Rhian die ganze Reise über an meiner Seite bleiben würde, vornehmlich, weil ich Fintan nicht vertraute. Allerdings würde ich ihr das noch sagen müssen. Ich hoffte, das Mädchen war vernünftig und zickte nicht herum – oder schlimmer noch, verliebte sich am Ende in mich.
Nun gut, nach dem Avon ging es weiter nach Nordosten, bis wir auf den Fluss Hafren treffen würden, der das Gebiet der Silurer von dem der Dobunni trennte und den die Römer Sabrina nannten. Diesem mussten wir so lange folgen, bis er sich teilte, und dann mussten wir dem östlichen Arm folgen – der auch Avon hieß, was ein wenig verwirrend sein konnte. Allerdings hieß Avon in unserer Sprache einfach nur Fluss, genauso wie der Hafren einfach nur Grenze bedeutete. Die Kelten waren nicht besonders einfallsreich bei der Vergabe von Namen an Flüsse.
Nach ein paar Tagen sollten wir auch an eine römische Brücke kommen, die wir dann wohl würden nehmen müssen. Zumindest kannte ich keine andere Stelle, über diesen wirklich breiten Fluss hinüber zu kommen, und für Schwimmen war das Wetter etwas kalt.
Danach kamen erst einmal eine sanfte Ebene, auf der wir gut vorankommen sollten, bis wieder der nächste Fluss – Trent – kommen würde und wieder eine Überquerung. Weiter nach Norden wäre es dann noch schlimmer, denn entweder reisten wir bis zur Küste und setzten einmal über die Aire über, oder wir schlugen uns weiter westlich durch, mussten dann aber auch noch den Wharfe und den Ure überqueren. Ich war mir da noch nicht sicher, was besser sein würde. Es kam ein bisschen darauf an, wie die Frauen sich schlagen würden.
Danach allerdings waren es nur noch ein paar Tage, am römischen Fort Eburacum vorbei und etwas nördlich, und wir wären im Land der Briganten. Alleine hätte ich die Reise in zwei Wochen bewältigt. So rechnete ich mit mindestens dreien, eher vier.
Wenn die anderen jetzt auch gleich kommen würden und nicht noch weitere Überraschungen alles verkomplizieren würden.
Falke
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