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[Tablinum] Der neue Hauslehrer
08-08-2026, 08:06 PM,
Beitrag #1
[Tablinum] Der neue Hauslehrer
[Bild: Furia-Wappen.png]
Das feuchte, kühle Licht des britannischen Morgens drang nur spärlich durch die schmalen Fensteröffnungen des Tablinums, in dem sich der schwere Duft von importiertem Weihrauch gefangen hatte. 
An der Stirnseite des Raumes zog das hölzerne Lararium die Blicke auf sich; die kleinen, bronzenen Larenfiguren glänzten im flackernden Schein der Öllampe. Direkt daneben thronten in Nischen zwei Ahnenbüsten aus Wachs, deren Züge im Halbdunkel streng wirkten. Am prominentesten platziert war die idealisierte Darstellung des Telegonus, des mythologischen Stammvaters der Furier. Seine gemeißelten Augen blickten unerbittlich auf die versammelte Hausgemeinschaft hinab, als forderte er von jedem Einzelnen die Aufrechterhaltung römischer Disziplin und römischer Haltung.
Die Hauskinder , Diener, Sklaven und Angestellten des Hauses hatten sich im weiten Halbkreis aufgestellt, und die feine, unerbittliche Hierarchie des Haushalts bildete sich in ihrer Aufstellung ab. Ganz vorne standen die Hauskinder, der halbwüchsige Tiberius Victor, die zwölfjährige Saturnina und der junge Carus mit seiner Kinderfrau Phaedra. Carus hatte den Mund halb geöffnet und seine Aufmerksamkeit galt einem Lichtfleck auf dem Boden, der von den glänzenden Laren geworfen wurde.
Der alte Hausvorsteher Apollinaris stützte sich leicht auf den Arm des jüngeren Aegypters Nefertem, der ihn seit langem schon seine Bürde abnahm.

An den Flanken der Versammlung hielten die Wächter der Villa Position.
Nahe der Tür stand Leon, der spartanische Ianitor, wie eine unbewegliche Säule aus Muskeln, die Augen unaufhörlich wachsam. Neben ihm überragte Seasnán, der gallische Leibwächter, die gesamte Menge um Haupteslänge. Trotz seiner furchterregenden Statur und der breiten Schultern lag ein sanfter, fast liebevoller Ausdruck in seinen Zügen, während er ruhig auf das Geschehen blickte.

Weiter hinten im Raum weitete Batrachis ihre großen grünen Froschaugen noch mehr, während ihr eine intensive Röte in die Wangen stieg. Sie fand Medicus Primus, den sie kurz gesehen hatte, wunderschön und fragte sich insgeheim, ob er wohl die Heckenrose hinter ihrem Ohr bemerken würde oder ob er sogar ihre Hände verbinden würde, wenn sie sich das nächste Mal an den Laugenbecken verletzte.
 Neben ihr wechselten Seang und Sabi einen schnellen, wissenden Blick. Die beiden Köchinnen unterdrückten nur mühsam ein Kichern; der Dominus hatte sich also ein neues, überaus ansehnliches Spielzeug gegönnt. Sie beschlossen sogleich, dass der junge Mann kräftiges Essen brauchen würde, um die anstrengenden Nächte des Herrn zu überstehen und gleichzeitig den langsamen Carus zu bändigen. Morgen würden sie ihm einen deftigen Puls mit feinstem Olivenöl kochen.

Am Lararium selbst stand Saturninus. Er sah überraschend frisch aus, was daran lag, dass er sich hatte von Leon tüchtig durchmassieren lassen. Er trug eine Haustoga, die nicht aus ganz so viel Stoff bestand wie seine offiziellen Gewänder.
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Honoratior von Iscalis
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Gestern, 12:26 PM,
Beitrag #2
RE: [Tablinum] Der neue Hauslehrer
Als Ronan - Primus, wie ihn hier alle kannten - das Tablinum betrat, fühlte er sich wie der Kaiser, der eine Kundgebung angekündigt hatte. Da waren ja wirklich alle versammelt.
Hinter ihm kam Scaevus hinein und nahm eilig den Platz ein, der ihm hier wohl zustand. Der junge Medicus trug einzig die saubere Kleidung. Der Umhang war zu viel gewesen und hätte das falsche Signal gesetzt. Sein Meister hatte ihn früh davor gewarnt, sich vereinnahmen zu lassen und immerhin war er kein Hausangestellter. Er war ein Medicus, der eine Auftragsarbeit angenommen hatte. Nichts anderes sollte man hier glauben.
Aber die Menge, Mensch. Die war schon gewaltig. Von ein paar Matronen, die hinter vorgehaltener Hand tuschelten bis zu ein paar jungen Mädchen, die er sicher auch mal gern kennengelernt hätte. Da waren natürlich die Kinder des Hausherrn und der Furier selbst, der dort stand als hätten sie heute Nacht nicht Dinge getan, die jedem hier peinlich sein sollten.
Und jetzt? Sollte er was sagen? Götter, wieso der Aufwand? Das war doch völlig unsinnig! Übertrieben, völlig! Doch er wusste es besser, als die hiesigen Bräuche zu verhöhnen.
"Ähm. Soll ich... etwas sagen?"
[Bild: 3_15_08_22_9_38_19.png]
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Gestern, 12:42 PM,
Beitrag #3
RE: [Tablinum] Der neue Hauslehrer
Zwischen den Haussklaven befand sich auch Cassia, die einstige Gauklerin und mittlerweile Spielgefährtin der jungen Domina Furia Saturnina. Furia Saturnina sah heute besonders hübsch aus, wie Cassia für sich im Stillen befand. Was vielleicht auch daran lag, dass sie ihr höchstpersönlich ein silbernes Band in ihre nachtschwarzen Locken geflochten hatte. Damit stach ihre junge Domina zwischen den Furierkindern hervor und ließ Cassia still vor sich hin lächeln. Ihre junge Domina hatte keinerlei Einwände gehabt, als Cassia angeboten hatte, dieses silberne Band in ihre Locken zu flechten. Und somit würde es ihr gefallen. Oder? Hoffentlich. Denn Cassia wusste wie wankelmütig ihre junge Domina sein konnte. Was auch kein Wunder war, bedachte man wie jung Furia Saturnina eigentlich noch war. Auch wenn sie dies mit Sicherheit gar nicht gerne hören mochte. Direkt neben Batrachis hatte sich Cassia positioniert und wunderte sich über deren gerötete Wangen. Froschgesicht war doch nicht etwa verliebt? Ein Knuff in Batrachis Seite, denn Cassia war die Heckenrose hinter Batrachis Ohr sehr wohl aufgefallen. Für wen sie sich wohl so hübsch gemacht hatte? Doch noch bevor sich Cassia weitere Gedanken darüber machen konnte, erkannte sie ihren Dominus der selbstverständlich am Lararium Posten bezogen hatte. Wie ein Kriegsherr schoss es Cassia bei der kurzen Betrachtung durch den Kopf. Innerlich erschauerte sie und atmete tief ein und wieder aus. Ihren Blick hielt sie wohlweislich gesenkt. Bloß keine Aufmerksamkeit erregen.
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Gestern, 03:27 PM,
Beitrag #4
RE: [Tablinum] Der neue Hauslehrer
Saturnina trug ausnahmsweise eine einfache lange weiße Tunika, mit einem Gürtel gebunden und die Haare zu einem schlichten Knoten zusammengesteckt. Den einzigen Schmuck, den sie sich erlaubte, war ein silbernes Haarband, das ihr ihre Cubicularia Cassia ins Haar geflochten hatte. Sonst war sie ungeschmückt und ungeschminkt.  Kerzengerade stand sie da. Sie schielte in Tiberius Richtung. Ob der Bruder die freche Schwester mit ihrem Schriftrollenbehälterwurf  verpetzen würde? Dann würde sie auch über seinen "Hochverrat" reden. Saturnina lächelte sanft und senkte die Augenlider, als ihr Vater einmal in ihre Richtung blickte. Sie wusste, dass ihr Vater sie so am liebsten sah. Eine wirkliche Dame wie die Mutter, Ausbund von patrizischer Tugend.
Der blonde Medicus Primus stand nun beim Vater. 
Sie runzelte die Stirn und flüsterte Cassia zu, ohne die Lippen zu bewegen:  "Warum ist der Medicus immer noch hier?"
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
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