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Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
11-16-2024, 11:34 PM,
Beitrag #1
Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Narcissus räumte Platz im Arbeitszimmer frei. Als Haushaltsvorstand hatte man (leider) mehr zu tun als herumzuvögeln und zu profitieren. Eben hatte er sich von Fenya und Panthea über einen sehr unliebsamen Kunden unterrichten lassen, den nun wohl ein Hausverbot erwartete. Das konnte Ärger geben, vor allem in einer kleinen Stadt wie dieser, doch als hochklassiges Haus mussten sie klar signalisieren, was die Männer durften und was nicht.
Als er jedoch vom Besuch hörte, schob er den Gedanken beiseite. Er hatte Owain erst vor ein paar Tagen in dessen Haus aufgesucht und nun kam er schon wieder her?
Ach je, sicher würde er sich über den Lehrjungen beschweren. Er hatte doch gewusst, es war eine miese Idee gewesen, nachdem Atreus abgesprungen war. Jetzt würde ihm der Kelte in den Ohren liegen, dass er ihm nie mehr vertrauen würde, nie auf ihn hätte hören dürfen, das übliche eben. Narcissus bereute es jetzt schon. Dabei hatte er wirklich nur behilflich sein wollen, immerhin waren Owain und er sowas wie Schwager. Ex-Schwager, im doppelten Sinne. Dem einen war die Frau, dem anderen die Quasi-Schwester abgehauen.
Als er den Schmied empfing, nickte er ihm zum Gruß zu.
"Salve, Owain. Freut mich, dass du hier bist. U-Und bevor du was sagst, ich kann's erklären! Hör zu, ich weiß, was du sagen willst, aber sei mir versichert, er wirkte wirklich hochmotiviert und was immer angestellt hat, ich ... Willst du was trinken?"
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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11-19-2024, 11:38 PM,
Beitrag #2
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Das war so typisch für Egon. Als ich die Schwelle zur Casa Liciniana überschritt, hatte ich sein wissendes Grinsen bemerkt. Es war, als hätte er mich längst in die Kategorie eben jener Besucher eingeordnet, die ihre Wünsche und Sehnsüchte hinter verschlossenen Türen erfüllen wollten. Dass ich genau das Gegenteil davon war, schien ihn nicht im Geringsten zu interessieren.
Wenigstens ließ er mich ohne viele Worte durch und rief nach Narcissus. Während ich die vertrauten Korridore entlangging, spürte ich den unterschwelligen Druck dieses Hauses, die Erinnerungen, die sich wie alte Geister um mich scharten. Mein Blick streifte die Verzierungen an den Wänden, die Geräusche hinter den Türen, das dezente Lachen, das gelegentlich erklang. Nichts davon zog mich mehr an – ganz im Gegenteil. Meine Zeit hier war vorbei, und mit Aglaia war auch das letzte Band zerschnitten worden, das mich an diesen Ort gebunden hatte.
Doch Egons Reaktion ließ mich nicht ganz kalt. Ich konnte es ihm kaum verübeln. Die meisten Männer, die in dieses Haus kamen, suchten Ablenkung, oder einen Moment, um dem Leben zu entfliehen. Dass ich hier war, um mit Narcissus über einen ganz praktischen, beinahe banalen Grund zu sprechen, war wahrscheinlich die Ausnahme, die Egons Weltbild durcheinanderbrachte.

Narcissus begrüßte mich mit seiner üblichen Mischung aus Charme und vorsorglicher Verteidigung, bevor ich überhaupt den Mund aufmachen konnte. Ein Lächeln lag auf seinen Lippen, das vermutlich die halbe Stadt besänftigen konnte. Doch in seinem Blick lag eine Spur von Nervosität. Oder war es nur die Gewohnheit, sich immer für irgendetwas rechtfertigen zu müssen? Noch bevor ich etwas sagen konnte, hob er die Hände, als wollte er mich von einem möglichen Ausbruch abhalten. Sein Ton war eine seltsame Mischung aus Überzeugung und Beschwichtigung, wie jemand, der sich sicher war, dass er Mist gebaut hatte, aber auch glaubte, ihn mit Worten wieder glattbügeln zu können.
Er sprach von Fintan – natürlich tat er das. 'Vielleicht nicht die beste Wahl', gab er zu, aber er betonte, wie 'hochmotiviert' der Junge gewesen sei, als das irgendeinen Unterschied machen würde. Und dann, bevor ich auch nur Luft holen konnte, um zu antworten, kam das typische Narcissus-Angebot: 'Willst du was trinken?'

Ich hob eine Augenbraue. Natürlich ging er davon aus, dass ich mich beschweren wollte. Es lag ihm im Blut, sich schon vorab zu rechtfertigen. "Trinken? Klar, warum nicht. Aber bevor du dir weiter einen Kopf machst, kann ich dich beruhigen! Ich bin nicht hier, um dich für Fintan zur Rechenschaft zu ziehen. Noch nicht, jedenfalls." Ich ließ den letzten Satz mit einem schiefen Lächeln ausklingen.
"Der Junge gibt sich sehr viel Mühe, ja. Aber das ist nicht der Grund, warum ich hier bin." Ich hielt kurz inne und ließ meinen Blick durch den Raum schweifen. "Ich bin hier, weil ich etwas von dir brauche. Und ich hoffe, du kannst mir helfen."
Ich holte tief Luft, bevor ich weitersprach. "Es geht um Aglaia." Ihr Name verursachte mir immer noch ein grummeln im Bauch, wenn ich ihn aussprach.
"Ich habe gehört, dass sie in Londinium ist, aber ich weiß nicht, wo genau. Du hast sicher deine Kontakte, und ich muss wissen, wo ich sie dort finden kann." Ich hielt kurz inne, bevor ich erklärte: "Ich werde bald wieder heiraten. Deirdre und ich. Wir wollen ein neues Leben beginnen. Aber bevor das passiert, will ich sicherstellen, dass alles richtig gemacht wird. Aglaia ist nicht nur meine ehemalige Frau, sie hat mich freigelassen und damit meine Patronin. Ich schulde ihr die Höflichkeit, sie darüber zu informieren, obwohl sie mich verlassen hat und mir unser Kind vorenthält. Ich bin trotz allem der Meinung, das gehört sich so."
Narcissus sah mich an, und ich konnte fast hören, wie seine Gedanken ratterten. Wahrscheinlich fragte er sich, warum ich mir überhaupt die Mühe machte, oder vielleicht dachte er an die alte Geschichte, die Aglaia und ich miteinander geteilt hatten und was nie wieder sein würde.
"Also," fuhr ich fort, "kannst du mir helfen, sie zu finden?"
Während ich sprach, spürte ich, wie die Atmosphäre des Hauses wieder auf mich wirkte. Es war nicht Egon, der dachte, ich käme als Kunde, der mich störte. Es war das Haus selbst, das wie ein Echo aus meiner Vergangenheit in mir widerhallte – eine Erinnerung daran, wer ich einmal war und wer ich heute nicht mehr sein wollte.
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12-01-2024, 08:52 PM,
Beitrag #3
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
"... Oh.", machte Narcissus, als ihm Owain versicherte, dass Fintan sich noch ganz gut schlug. Dann hatte ihn Atreus wohl doch nicht auf den Arm genommen. Der Junge schien tatsächlich was zu können. Gut, immerhin rühmte sich Narcissus seiner Verbindungen und hatte ungern Unrecht. Die ganze Sache war ihm komisch vorgekommen, doch er war froh, dass alles geregelt war. Nun, jedenfalls, was das betraf. Als Owain dann jedoch auf sein wahres Anliegen zu sprechen kam, verschluckte sich Narcissus beinahe an seiner Zunge.
Um sich Zeit zu verschaffen, widmete er sich dem Wein, der für Gäste bereitstand. Nun schien Owain es nicht auf einen Krieg um das Kind abgesehen zu haben, sondern wollte ihr vielmehr eine Höflichkeit erweisen.
Er war überrascht.
"Ich hatte den Eindruck, du lehnst Roms Bräuche eher ab", sagte er ausweichend, "Dass du trotz allem Aglaia darüber informieren willst, ist... nett... schätze ich."
Oder er wollte es ihr unter die Nase reiben. Narcissus vermisste seine beste Freundin, doch musste er sich eingestehen, dass sie es wohl verdient hätte. Wie sie einfach verschwunden war, hatte auch ihn schwer getroffen. Dennoch wollte er sie nicht verraten. Nicht, dass es etwas zu verraten gäbe.
Als Narcissus seinem Gast den Wein reichte, schüttelte er den Kopf.
"Aglaia hat mir nicht verraten, wo sie hingeht, außer, dass sie in Londinium leben will. Sie... hatte wohl Sorge, dass eine Verbindung zu mir ihre Pläne behindert. Dass man ihr... unredliche Beziehungen nachsagen könnte oder sowas."
Es war unfair,d achte er. Er hatte alles von ihr gelernt und nun schämte sie sich für ihn, weil er war, wie er war.
"Ich habe ein paar Kontakte in Londinium, die ich fragen könnte, schätze ich. Aber ob das reicht..."
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12-08-2024, 10:29 PM,
Beitrag #4
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Als Narcissus mit seinem 'Oh' reagierte, hätte ich fast gelächelt. Seine Überraschung darüber, dass Fintan in meiner Schmiede nicht vollständig gescheitert war, sprach Bände. Er hatte sich wohl auf das Schlimmste vorbereitet. Typisch für ihn, immer mehr Worte als Vertrauen parat. Doch das war nicht der Grund, warum ich hier war.

Als ich Aglaia erwähnte, änderte sich seine Haltung merklich. Das gewohnt selbstsichere Grinsen wich einem Anflug von Nervosität, und er griff zum Wein, wie um sich zu sammeln. Seine ersten Worte kamen zögerlich, fast abwehrend. Ich ließ ihn reden, obwohl seine Einschätzung nicht ganz falsch war. Rom war für mich ein schwieriges Thema. Rom hatte mir mehr genommen, als es mir zu geben vermochte. Aber meine Entscheidung, Aglaia zu informieren, hatte weniger mit römischen Bräuchen zu tun, sondern war eine Frage des Anstands. Außerdem bestand eine kleine Möglichkeit, vielleicht auf diese Weise mein kleines Töchterchen wieder zu sehen.

Dann sprach Narcissus weiter, und seine Worte trafen mich härter, als ich erwartet hatte. Sie hatte ihm nicht gesagt, wohin genau sie gehen würde, erklärte er, aus Angst, dass eine Verbindung zu ihm sie kompromittieren könnte. Das klang nicht nach der Frau, die ich einst gekannt hatte, und doch... es machte Sinn. Londinium war keine einfache Stadt, und Aglaia war nie jemand gewesen, der unnötige Risiken einging. Aber er wollte mir ein wenig Hoffnung machen, als er seine Kontakte erwähnte. Doch die Enttäuschung kroch mir wie kalter Wind in die Knochen. Narcissus’ Worte klangen noch eine Weile in meinem Kopf nach. Dabei hatte ich doch gehofft … Nein, ich hatte mir eingebildet, dass dieser Besuch mehr bringen könnte.
Ich nahm den Wein, den er mir gereicht hatte und leerte ihn in einem Zug, obwohl ich das Zeug nicht besonders mochte. "Ich verstehe," sagte ich schließlich, aber meine Stimme klang rauer, als ich wollte. Ich stellte den leeren Becher ab und sah Narcissus direkt an. "Ich dachte nur … vielleicht hätte ich auch endlich meine Tochter sehen können. Wenigstens ein einziges Mal." Die Worte hingen schwer im Raum, und ich wusste, dass sie Narcissus wahrscheinlich nicht viel bedeuteten, aber für mich waren sie alles. Das kleine Mädchen, das ich nie wirklich kennenlernen durfte. Sie war ein Schatten in meinem Leben, ein unsichtbarer Teil von mir, den ich nie berühren konnte. Ich schüttelte den Kopf, mehr für mich selbst als für ihn. "Nun ja, dann ist es eben so," sagte ich leise, um meine Enttäuschung vor ihm zu verbergen. Aber letztendlich gelang mir das nicht. "Ich habe gehofft, wenigstens von dir einen Anhaltspunkt zu bekommen. Irgendetwas. Sie ist doch mein Kind, Narcissus. Ich kenne nicht mal ihren Namen!" Meine Stimme brach fast, aber ich zwang mich, die Beherrschung zu bewahren. "Vielleicht hat sie nie darüber nachgedacht, was sie mir genommen hat, als sie ging. Aber ich denke jeden Tag daran. Und selbst wenn ich sie nie zurückholen kann, will ich zumindest wissen, dass sie irgendwo sicher ist." Ich hielt inne, um mich zu sammeln.
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12-08-2024, 11:06 PM,
Beitrag #5
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Aglaias Abgang und der völlige Kontaktabbruch hatte auch Narcissus schwer getroffen. Sie war immerhin seine beste und auch einzige Freundin. Er fühlte sich trotz allem im Stich gelassen. Allein in der Fremde, die er nur für sie aufgesucht hatte. Er hatte es gut gehabt in Rom. Zahlreiche Verehrer, gutes Einkommen, die Wärme der Hauptstadt. Hier oben gab es doch für ihn nichts, wenn sie nicht auch da war. Ja, sie hatte ihm das Haus übertragen. Doch es wirkte alles leer. Trotz allem.
Bekümmert beobachtete er, wie Owain ihm von seiner Tochter erzählte. Ja, als Vater durfte er wohl so fühlen. Es war sein gutes Recht, die Kleine sehen zu wollen, die Narcissus ebenso vermisste wie ihre Mutter.
"Ich verstehe, was du meinst", sagte er leise und mühte sich, seinen eigenen Kummer nicht zu überwältigend werden zu lassen. "Nun, wenn du wünschst, schreibe ich meinen Kontakten in der Stadt und lasse sie sich umhören. Und wenn ich etwas höre, gebe ich dir sofort Bescheid. Natürlich könnte ich dich auch begleiten. Das ginge schneller, aber wenn sie nichts finden, hätten wir die ganze Reise umsonst gemacht. Sag mir, was du wünschst und ich nehme mir hier frei, sollte es erforderlich sein.
Aber ich werde sie nicht mit dir aufsuchen. Ich helfe dir, weil ich dich mag und du meine Hilfe erbittest, aber Aglaia sagte, sie will mich nicht sehen. Also... werde ich sie nicht besuchen."
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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12-14-2024, 11:27 PM,
Beitrag #6
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Ich beobachtete Narcissus, während er sprach, und zum ersten Mal schien er nicht der leichtlebige und überhebliche Mann zu sein, den er sonst so gerne darstellte. Stattdessen wirkte er verloren, fast zerbrechlich. Seine Worte trafen einen Nerv, denn ich erkannte, dass Aglaia ihm viel mehr bedeutet hatte, als ich je wirklich begriffen hatte. Auch ihn wollte die Vergangenheit nicht loslassen.
"Gut", sagte ich schließlich, verschränkte die Arme und nickte langsam. "Wenn du deine Kontakte in Londinium fragen kannst, dann tu das. Aber ich denke, du hast recht – es wäre besser, wenn du mich begleitest."
Mein Blick ruhte kurz auf Narcissus, während ich die Worte abwog. "Wenn wir zusammen reisen, geht es schneller. Und ehrlich gesagt... du kennst die Stadt bestimmt besser als ich. Das könnte hilfreich sein." Ich hielt kurz inne, unsicher, ob ich fortfahren sollte. Doch ich musste ehrlich sein. "Ich werde ihr nichts vorwerfen. Ich will nur mit ihr reden, um die Dinge zu klären. Und vor allem will ich meine Tochter sehen." Meine Stimme klang härter, als ich wollte. Also atmete ich tief durch, um mich zu beruhigen. "Ich verstehe, dass du nicht zu ihr gehen willst. Aber ich wäre dir sehr dankbar, wenn du mir hilfst, sie zu finden."

Ich reichte ihm die Hand. "Also, was sagst du? Reichen ein paar Tage, um deine Sachen hier zu regeln?" fragte ich ihn. Ich würde in der Zeit meiner Abwesenheit  meinem Gehilfen Dylan die Verantwortung über die Schmiede übertragen. Und dann war da ja auch noch Fintan, der auch von ihm noch einiges lernen konnte.
 "Und schreib deinen Kontakten, lass sie sich umhören. Wenn sie etwas herausfinden, umso besser. Falls nicht, reisen wir eben umsonst nach Londinium,"  entgegnete ich und zuckte mit den Schultern.
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01-09-2025, 12:37 AM,
Beitrag #7
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
Narcissus nickte stumm die Pläne seines Gastes ab. Hinreisen, wenn nötig umsonst. Und er sollte Owain begleiten, ihn herumführen. Das war natürlich machbar. Londinium ein paar Tage zu besuchen, würde ihn vielleicht etwas von der Landidylle ablenken, die ihn, nun wo Aglaia fort war, nicht mehr so reizte wie zuvor.
"Schön, dann begleite ich dich", sagte er und seufzte tief. Zeit, mal wieder den Hintern hochzukriegen. "Ich schreibe sofort meinen Kontakten und sage ihnen, wo sie die Informationen in Londinium hinschicken sollen, sodass wir sie dort direkt in Empfang nehmen können. Ich schätze, es ist in deinem Sinne? Natürlich wäre es sicherer, wenn wir sie hierherkommen lassen würden, doch das würde länger dauern und du willst es ja recht zügig angehen, was?"
Überlegend, wie lange er brauchen und welche Sachen er einpacken würde, machte er sich ein paar Notizen für die Reiseplanung.
"Wie wollen wir hinreisen? Wir könnten die Kutsche nehmen, dann bleiben wir trocken. Ich war noch nie so lange auf einem Pferderücken unterwegs, aber... wenn du willst, werde ich mich schon daran gewöhnen." Er hatte schon wildere Ritte gehabt. "Ich würde sagen, in drei Tagen bin ich soweit. Bis dahin dürfte alles geregelt sein. Ich, äh... werde wohl etwas mehr Gepäck mitnehmen. Während du dich mit Aglaia aufhältst, werde ich wohl ein paar Anlässe aufsuchen, Bekannte besuchen und so... Man muss Kontakte pflegen. Aber natürlich werde ich dich nicht allein lassen, wenn wir da sind."
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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01-16-2025, 10:23 PM,
Beitrag #8
RE: Der Ex-Schwager, der kein Schwager sein wollte - und kein Ex
"Danke, dass du mir helfen willst," entgegnete ich Narcissus, als er mir versicherte, mich begleiten zu wollen und seine Kontakte in Londinium spielen zu lassen . Ohne ihn wäre ich dort wahrscheinlich vollkommen verloren.

Ich biss mir auf die Zunge, als er vorschlug, mit der Kutsche nach Londinium zu reisen. Natürlich. Eine Kutsche. Wie typisch! Kutschen – das war doch  nur etwas für verweichlichten Römer, die es kaum ertrugen, wenn ihnen der Wind um die Nase wehte oder ein wenig Regen ihre Toga beschmutzte. Und dann seine Bemerkung, er habe noch nie so lange auf einem Pferderücken verbracht. Ich musste mich zurückhalten, nicht laut loszulachen. Narcissus hatte sicherlich weitaus mehr Erfahrungen im Reiten, als er zugeben wollte – nur eben nicht auf einem Pferd. Aber das würde ich ihm sicher nicht vorwerfen.
"Wir nehmen die Pferde," sagte ich schließlich, bemüht, meine Stimme ruhig und fest zu halten. "Eine Kutsche ist zu langsam. Außerdem können wir so die Wege nehmen, die uns schneller nach Londinium bringen. Ich hab’ nicht vor, unterwegs Zeit zu verschwenden."
Ich verschränkte die Arme vor der Brust und ließ den Blick auf ihm ruhen, während er sich Notizen machte. Natürlich musste er etwas mehr Gepäck mitnehmen. Ich konnte es mir lebhaft vorstellen: feine Gewänder, Schmuck, Duftöle – wahrscheinlich alles Dinge, die er für irgendwelche 'Anlässe' in Londinium brauchen würde.
Aber ich hielt den Mund. Ich brauchte seine Hilfe. Narcissus hatte eben seine Eigenheiten, die ich  respektierte. So war er eben. Aber er war immer zuverlässig, wenn es darauf ankam. Er hatte mir ja schon einige Male  bewiesen, dass er zu seinen Freunden stand.

"Drei Tage sollten reichen," fuhr ich fort. "Wir treffen uns hier und brechen früh auf. Pack, was du brauchst, aber halte es einfach. Auf einem Pferd ist kein Platz für Überflüssiges."
Dann machte ich mich auf den Weg nach draußen, hielt aber noch einmal an der Tür inne. "Ehrlich, Narcissus. Ich weiß deine Hilfe sehr zu schätzen, mein Freund!"
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