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Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
03-18-2025, 03:00 PM,
Beitrag #11
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
Plautius Leander wünschte mir den Segen all der Göttinnen, die für eine Niederkunft und die Zeit danach zuständig waren. Ich verabschiedete ihn sehr freundlich, denn er sollte keinesfalls denken, dass er nur Mittel zum Zweck gewesen war. Das war gewiss zum Teil so; doch während ich mit ihm geschlafen hatte, war meine Hingabe nicht gespielt gewesen. Ich schätzte meinen Tutor sehr, und ich nahm mir vor, auch künftig stets auf seinen Rat zu hören und mich mit ihm nicht zu zanken, selbst wenn er mich kürzer halten würde als ich es gewohnt war. Doch das tat er ja nicht, um mich zu piesacken, sondern in meinem Interesse.

Anaxarete kam mit einer Waschschüssel und Lappen in mein Zimmer und winkte mir, dass sie mich waschen wollte. Gehorsam streckte ich ihr Arme und Beine und sonstige Körperteile hin. Dabei unterhielten wir uns jedoch sehr ernsthaft.

Sie erklärte mir unter anderem, dass den Sklavinnen, die ihr Kind nicht behalten durften, es für gewöhnlich kurz nach der Geburt weggenommen wurde. Sie sollten es weder sehen noch hören noch im Arm halten, denn sonst entstand eine starke Bindung zwischen ihnen. Und wenn das Kind dann fortkam, so verfielen sie in tiefe Trauer. Im anderen Fall erholten sie sich jedoch rasch, ihr Milchfluss versiegte, wenn sie nicht einem anderen Kind als Amme dienen sollten, und sie konnten viel schneller wieder an die Arbeit gehen. Anaxarete sprach aus eigener Erfahrung, und ich drückte ihre Hand. Ich hatte sie sehr lieb. Und ich war froh, dass ich Niko ihr Kind lassen würde. Da es schon eine Woche alt war, war diese Bindung gewiss schon entstanden. 

"Also werde ich den Jungen nie zu Gesicht bekommen?", fragte ich Anaxarete.
"Doch, später geht das schon. Du kannst ihn besuchen, mein Herzchen", erwiderte sie, und ich nickte.

Aber dann wusste ich, was ich zu tun hatte, und ich teilte das Anaxarete mit.
"Mein Lämmchen", sagte sie nur, dann versprach sie mir jedoch, alles so zu besorgen, wie ich es wollte.
"Und schicke mir den Nefertem,  sobald er wieder zuhause ist", sagte ich. 

Wenig später kam auch der Brief von den Gabiniern. Alles fügte sich. Nun war die Frage eigentlich nur noch: Gerste oder Weizen?
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor Mulieris): Caius Plautius Leander
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03-18-2025, 06:03 PM,
Beitrag #12
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
Für Nefertem wirkte es äußerst surreal sich durch die Villa Claudia zu bewegen. Mit dem Gedanken, dass er wohl alsbald dieser Villa den Rücken kehren würde, um in der furischen Villa seinen Dienst zu verrichten. Bei dem Gedanken an den Furier und seine durchdringenden Augen bemerkte der Dunkelhaarige wie sein Herz einen dumpferen Rhythmus anzuschlagen begann. Schon atmete der Dunkelhaarige tief durch, wie um sich selbst auf andere Gedanken zu bringen. Und tatsächlich klappte dies äußerst gut, so dass Nefertem seine Emotionen hinter Schloss und Riegel versteckte und an die Türe ein dickes Vorhängeschloss hängte. Von Claudia Sabinas Zusammenspiel mit ihrem Tutor gingen Gerüchte durch die Villa, die Nefertem jedoch nicht für voll nahm. Nein, das konnte doch niemals in Claudia Sabinas Interesse sein. Auch wenn Nefertem deutlich erkannte, wie beschwerlich die Schwangerschaft für seine Domina war, so konnte sie doch nicht zu diesem drastischen Mittel greifen und die Schwangerschaft mutwillig selbst herbei führen wollen. Bei diesem Gedanken spürte Nefertem wie ihm ein Schauer über den Rücken rieselte und er das Zeichen für den bösen Blick in die Luft zeichnete.

Die übrigen claudischen Sklaven spürten das etwas in der Luft lag, denn sie schlichen mit eingezogenen Köpfen durch die Villa. Ein Umstand der Nefertem gar nicht gefiel. Doch wie lange würde er noch Maiordomus dieser Villa sein? Durfte er überhaupt noch Anweisungen an die übrige Dienerschaft erteilen?

Mit diesen Gedanken im Kopf begab sich der Dunkelhaarige in Richtung seines Arbeitszimmers. Als er auf halbem Wege Anaxarete erblickte, die sich direkt auf ihn zubewegte. Geschwind ihre Armbewegung in Richtung des Cubiculums seiner Herrin und Nefertem verstand. Claudia Sabina wünschte ihn zu sehen. Schon straffte sich der aegyptische Sklave, atmete tief durch und ging auf direktem Wege zu Claudia Sabinas Cubiculum. Dort pochte er an die Türe und als man ihn hereinbat, trat er ein. Die Türe schloss er sorgfältig hinter sich und verharrte mit gesenktem Kopf. “Domina? Du wünscht mich zu sprechen?“
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03-19-2025, 12:58 PM,
Beitrag #13
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
"Nefertem, bitte setz dich einen Moment", sagte ich so gefasst wie es nötig war:

"Ich habe dir schon einmal gesagt, dass ich vermutlich einen letzten Auftrag für dich habe, bevor ich dich zu den Furiern schicke. Am Tag meiner Niederkunft - Anaxarete wird die Bescheid geben -  bestelle eine Kutsche ans Haus. Der Kutscher soll so lange warten, wie es nötig ist. Wenn Anaxarete mit dem Neugeborenen zu Dir in dein officium kommt, so bringe ihn und Niko und deren kleines Baby unverzüglich zu Furia Stella auf den Gabinierhof. Ich möchte, dass du das genauso tust, wie ich es sage. 
Danach gehe zu deinem neuen Herren, der dreitausend Denare für dich bezahlt hat. 
Hier hast du fünf Denare. Das ist dein Peculium. Ich möchte, dass du mir in zwei Monaten nach Londinium  schreibst und den Brief dem Silberhändler Andrippus mitgibst. Er wird ihn mir überbringen. Mit dem Geld kannst du ihm seine Mühe bezahlen"

Ich legte ein kleines Ledersäckchen, welches diese Summe beinhaltete,  vor ihn hin:

" Es wird dir dort nicht schlecht ergehen; immerhin ist es auch der Haushalt meiner Cousine. Wenn es dir also gut geht und Du in deinem neuen Dienst bleiben möchtest, so schreibe mir folgenden Satz: - Der Frühling ist doch in diesem Jahr milder, als ich erwartet habe- . Wenn ich dich aber zurückkaufen soll, so schreibe: - Trotz meiner Mühe kann ich Aegypter mich nie an die Kälte Britanniens gewöhnen-
Hast du verstanden?",
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor Mulieris): Caius Plautius Leander
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03-19-2025, 02:16 PM,
Beitrag #14
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
Den aegyptischen Sklaven beschlich ein beklemmendes Gefühl, als ihn seine Domina aufforderte sich zu setzen. Ein Sklave saß nie in Gegenwart der Herrschaft. Und doch forderte es Claudia Sabina, da konnte sich Nefertem schwerlich zur Wehr setzen. So setzte sich der Dunkelhaarige, wenn auch lediglich auf den Rand des ihm zugewiesenen Hockers und hielt seinen Blick nach wie vor gesenkt. Seine junge Domina wollte gefasst klingen, doch das leise Beben ihrer Stimme blieb dem Ohr des Sklaven nicht verborgen. Am liebsten hätte er nun seine Hände ausgestreckt, Domina Claudia Sabinas kleine Hände in die seinigen genommen und mit seinem Daumen zart über ihren Handrücken gestreichelt. Dies jedoch wiedersagte er sich. Stattdessen schielte er kurzzeitig empor, und ertappte sich dabei, wie sein Blick für einen Augenblick zu lange im Gesicht der jungen Frau verweilte.

Schon begann seine Domina zu sprechen. Erklärte ihm, dass sie einen letzten Auftrag für ihn hätte, bevor sie ihn zu den Furiern schickte. Die Worte Claudia Sabinas klangen nun entschiedener als nach vor wenigen Augenblicken. Und Nefertem atmete tief durch. Wenn das Baby geboren war, dann würde Anaxarete das Baby zu ihm in sein Officium bringen. Das Baby sollte anschließend unverzüglich zu Furia Stella auf den Gabinierhof gebracht werden. Zusammen mit der Amme und deren Nachwuchs. Kurz hob Nefertem dann doch seinen Kopf und musterte seine junge Domina. War sich Claudia Sabina sicher, was sie ihm hier gerade befahl? Doch vielleicht wollte sie sich so von sämtlichem Ballast, dass sie noch an den Iulier erinnerte befreien. Eben auch von Nefertem, denn er selbst war Leibsklave des Iuliers. Bei der Summe die Claudia Sabina als seine Verkaufssumme erwähnte, blieb Nefertem vollkommen gelassen auf dem hölzernen Hocker sitzen. Noch nicht einmal ein Muskel zuckte in seinem fein gemeißelten Gesicht.

Das kleine Ledersäckchen, mit der Summe, die er dem Silberhändler Andrippus zahlen würde, nahm Nefertem mit seinen schlanken Fingern an sich und verharrte weiterhin in absoluter Regungslosigkeit. War es Resignation, die den Dunkelhaarigen befallen hatte? Oder einfach nur Akzeptanz seines Schicksals? “Ich habe dich verstanden Domina. Ich werde deinen letzten Wunsch erfüllen, so wie du es möchtest.“ Antwortete Nefertem, nachdem er bis zuletzt geschwiegen hatte. In zwei Monaten würde er seiner Domina somit seine Antwort mitteilen. Würde er den Furiern dienen oder zurück zu Claudia Sabina kehren. “Ich wünsche dir alles gute Domina und ich hoffe, dass du für dich das richtige entschieden hast. Danke für alles.“
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03-20-2025, 02:43 PM,
Beitrag #15
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
Ich schenkte Nefertem ein Lächeln. Er saß mir gegenüber, und das erste Mal, seit ich ihn kannte, wagte er es, mich anzusehen. Die Iulier hatten ihn streng erzogen. Mein Lächeln ihm gegenüber war etwas wehmütig:
"Ich danke dir, mein guter Nefertem, für alles, was du stets für mich getan hast. Das du dem Furius meine Angelegenheiten anvertraut hast, soll vergeben sein.  Ich weiß, dass du es nicht böse gemeint hast. Du hast mir immer Treue erweisen wollen. Ich hoffe, dass du auch von deiner  früheren und vielleicht auch wieder zukünftigen Domina sagen können wirst, dass sie dir Treue mit Güte vergolten hat.
Möge die Mutter Isis dich beschützen, wohin du auch gehst"
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor Mulieris): Caius Plautius Leander
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03-20-2025, 06:54 PM,
Beitrag #16
RE: Cubiculum C:S: | Eine höchst vertrauliche Angelegenheit
Das Lächeln seiner Domina kam aus tiefster Seele, dies erkannte Nefertem, als er der jungen Frau direkt entgegen blickte. Wohl zum ersten mal direkt entgegen blickte. Denn tatsächlich war Nefertem unter dem strengen Regiment der Iulier in der Urbs Aeterna aufgewachsen und dort gab es keine Milde oder gar Sanftheit. Vielleicht war sein einstiger Dominus aus diesem Grund, wie er war. Doch an Marcus Iulius Cato wollte Nefertem in diesem Moment am allerwenigstens denken. Stattdessen konzentrierte er sich einzig und alleine auf die junge Römerin direkt vor sich. War dies schon schlimm genug für den aegyptischen Sklaven. Hatte er doch geglaubt, in seiner jungen Domina eine Freundin zu finden. Wenngleich Claudia Sabina ihn nie wie einen Sklaven behandelt hatte. Mehr wie einen ..Freund? Ja, so in etwa konnte man das Verhältnis zwischen der Römerin und ihrem Sklaven bezeichnen. Zumindest wenn man Nefertem danach befragen würde. “Ich habe mich um dich gesorgt Domina. Und ich wusste nicht wem ich mich sonst anvertrauen sollte. Nur aus diesem Grund habe ich dem Furier deine Angelegenheit mitgeteilt.“ Wiederholte sich Nefertem. Denn genau diese Worte hatte er bereits an Claudia Sabinas Gehör dringen lassen. “Ich werde nie vergessen was du für mich getan hast. Du hättest mich auch einfach auf den Sklavenmarkt bringen können. Stattdessen hast du dich meiner angenommen Domina. Und das werde ich dir nie vergessen. Niemals.“ Sprach Nefertem mit seiner sanften Stimme und hielt den Blickkontakt zu der jungen Frau weiterhin aufrecht. Auch wenn eine leise Stimme in seinem Hinterkopf flüsterte, dass sich dies nicht ziemte und dass er umgehend seinen Blick senken sollte. “Möge auch dich die Mutter Isis auf all deinen Wegen beschützen und begleiten Domina.“ Bei jenen letzten Worten brach dann doch Nefertems Stimme und der junge Mann verstummte. Bevor er sich im nächsten Moment von dem Hocker erhob und sich tief vor Claudia Sabina verneigte. “Vale bene, wunderschöne Claudia Sabina.“ Wisperte Nefertem mit leiser Stimme und blickte die junge Römerin mit einem Schimmer in seinen dunklen Augen an. Bevor er sich langsam rückwärts gehend entfernte. Hin gen der Türe, um die Klinke hernieder zu drücken und das Cubiculum der jungen Frau verließ. Zum letzten mal, wie ihm bewusst wurde. Denn das Buch seines Lebens hatte bereits sein neues Kapitel aufgeschlagen.
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