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Gästezimmer
01-27-2025, 07:25 PM,
Beitrag #11
RE: Gästezimmer
Kurzzeitig glitten Nefertems Gedanken in Richtung seines einstigen Dominus. Wie ihn der Iulier beansprucht hatte. Wie er ihm stets zu Diensten sein musste. Und wie Nefertem es genossen hatte. Die Aufmerksamkeit die ihm Marcus Iulius Cato geschenkt hatte. Und wie eifersüchtig Nefertem war, wenn sich dessen Aufmerksamkeit auf den Dicken niedergelegt hatte. Doch er gehörte nun einmal nicht mehr dem Iulier. Seine Domina war nun die hübsche Claudia Sabina, die in Londinium ihr Vermögen mit beiden Händen aus dem sprichwörtlichen Fenster warf.
Schon war es das freudige strahlen des Furiers, dass Nefertems düstere Gedanken erhellte und ein sanftes Lächeln über seine Lippen huschte. Auch als er die Berührung der Hand des Furiers auf seiner Schulter spürte, wie dessen Finger zart über seine Schulter streichelten und dabei die Tunika über seine weiche Haut glitt. “Ich möchte dich glücklich machen.“ Wisperte der Aegypter mit samtweicher Stimme und hob seinen Blick an, der mit dem des Furiers kollidierte. So versanken beide Augenpaare wohl ineinander, wobei sich Nefertem gar nicht gerne aus diesem unwiderstehlichen Sog lösen wollte. “Ich werde mich in Geduld üben Dominus.“ Doch wie wollte der Furier der Cousine seiner Gemahlin begreiflich machen, was er für den aegyptischen Sklaven empfand? Blinzelnd nun der Augenaufschlag Nefertems, als er die Berührung an seinem Kinn erfühlte und seinen Kopf automatisch anhob. Um abermals in seinen dunklen Augen zu versinken. “Dein durchdringender Blick verfolgt mich in meinen Träumen und beschert mir ein kribbeln in meinem Körper.“ Wisperte Nefertem mit gesenkter Stimme und spitzte abermals seine Ohren, als die dunkle Stimme erneut an sein Gehör drang. “Bis bald Dominus.“ Noch immer wagte er es nicht seine Stimme lauter erklingen zu lassen. Stattdessen blieb er vollkommen ruhig stehen, betrachtete den Patrizier und verfolgte eine jede seiner Bewegungen mit seinen Augen. Wie er seinen eigenen Finger mit seinen Lippen berührte. Bei diesem Anblick schwindelte es Nefertem sogar ganz leicht. Doch schnell hatte er sich wieder unter Kontrolle, lächelte leicht und griff nach dem Ledersäckchen. Jenes verbarg er dicht an seinem Körper und schenkte dem Furier noch einen tiefen Blick. Bevor er das Zimmer verließ. Seine Schritte, welche seltsamerweise beschwingt und leicht anmuteten, führten ihn aus dem Haus des Roten Mondes. Vor der Porta, ließ er sich von seinen beiden persönlichen Wächtern Seasnán und Leon auf direktem Weg zur claudischen Villa bringen….
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01-28-2025, 08:47 PM,
Beitrag #12
RE: Gästezimmer
Narcissus hatte einen langen Tag gehabt. Finanzen und dergleichen, und dann noch die Vorbereitungen für die Reise. Und das Hinterlassen von Anweisungen. Narcissus hatte dabei geholfen, die Casa zu finanzieren, doch sein Anteil war vor Aglaias Fortgang verschwindend klein gewesen. Er hatte sich nicht mit der Verwaltung aufhalten müssen. Und jetzt musste er vorsorgen, damit die Hütte in seiner Abwesenheit nicht in Flammen aufging.
Nun aber war alles zu seiner Zufriedenheit erledigt und er gönnte sich zum ersten Mal heute ein paar Minuten Ruhe.
Jedenfalls, bis eines der Mädchen auf ihn zukam und ihm mitteilte, dass Furius Saturninus seinen Termin offenbar beendet hatte, nun jedoch im Gastraum verweilte. Gut, dachte Narcissus, vielleicht wollte er noch etwas Spaß haben. Er war im Begriff, eines der Mädchen hinzuschicken, doch jene, die dem Furier eben noch Wein nachgeschenkt hatte, sagte ihm, er habe nach Narcissus geschickt.
Mit einem Seufzen also gab er nach. Es war nicht so, dass er Furius' Gegenwart scheute, doch war er müde, sah sich zu einer Reise gezwungen, auf die er keine Lust hatte und verspürte eine grundsätzliche Verstimmung, die mit seinem Leben hier in Iscalis zusammenhing. Alles schien auseinanderzubrechen, seit er Rom verlassen hatte. Er hatte einflussreiche Liebhaber und Freunde eingetauscht für... was? Alltägliche Diskussionen mit Olympias über die Farbe der Vorhänge? Götter. Er war müde. Müde und unlustig.

Als er die Tür öffnete, wartete Furius tatsächlich schon. Und - Narcissus' Augen weiteten sich unwillkürlich - er war angezogen! Nicht einmal verschwitzt. Der Termin war wohl tatsächlich geschäftlicher Natur gewesen.
"Salve", grüßte er mit einem ruhigen Lächeln, das jeglicher Anzüglichkeit entbehrte. Auch er nahm sich von dem Wein und setzte sich auf den Platz, den eben noch Nefertem eingenommen hatte. "Irina sagte, du willst mich sprechen? Entschuldige, dass ich dich nicht persönlich empfangen konnte. Es war ein langer Tag."
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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01-29-2025, 01:25 PM,
Beitrag #13
RE: Gästezimmer
Saturninus hatte sich erhoben und grüßte Narcissus links und rechts mit einem Kuss:
"Ich will dich sprechen? Das klingt, als hättest du einen unliebsamen Termin bei einem Amt", sagte er:
"Ich bat dich, wie ein Freund den anderen bei Antritt einer Reise verabschieden zu dürfen. Du hast mir geschrieben, dass du verreist?"
Saturninus ging zu seinem Platz zurück, auf dem das Bündel bereit lag. Es bestand in  einem schönen keltischen Reisemantel mit Kapuze aus weicher, warmer Wolle, der mit seinem Safrangelb nicht grell, sondern in gedämpften erdigen  Farben changierte. Der Furius legte ihn Narcissus über die Schultern.
"Er steht dir. Die Sonnenfarben sind deine Farben, mein schöner Apoll", sprach er und strich über den Stoff:
"Furiana Nivis hat ihn gewebt. Ich hoffe, dass er dir bei Kälte und Regen gute Dienste leistet" Das der Mantel teuer gewesen war, verstand sich von selbst.

Saturninus wirkte so, als sei er dankbar für etwas Liebenswürdigkeit, die auf seine Großzügigkeit erwidert werden würde.
 Solange schon war er ein Jäger. Mehr und mehr laugte ihn die Jagd aber aus.  Er hätte die Affaire mit seiner Freigelassenen Nivis in alle Stille genießen können, aber nach wie vor konnte er es nicht lassen, Geliebte beiderlei Geschlechts zu erobern. Gerade ging ihm der junge Nefertem ins Netz. Dieser hatte ihm gesagt, dass er ihn genauso begehrte wie er ihn. Aber dennoch war das alles nicht mehr so erregend wie noch vor wenigen Jahren.

"Komm du bitte wieder heil und ganz nach Hause, Narcissus. Auch das würde mich sehr freuen", sprach er:
"Wenn ich so sagen darf, du siehst etwas abgearbeitet aus. Hast du viel zu tun? Wohin geht die Fahrt denn?"
[Bild: 3_18_08_22_2_20_05.png]
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Honoratior von Iscalis
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02-18-2025, 08:28 PM,
Beitrag #14
RE: Gästezimmer
Narcissus bereute seinen Ton zu Beginn, denn als er den Stoff anhob, fand er ihn ebenso exquisit wie Saturninus ihn anpries. Sicher, er hatte schon kostbarere Gewänder getragen, doch dieses hier war selbstgemacht, die Farbe und der Stoff nicht billig und es war überhaupt eine wunderbare Geste.
"Er ist wunderschön, Saturninus", sagte er mit einem dankbaren Lächeln. Behutsam legte er den Mantel ab, damit er sich neben seinen Gast setzen und ihn dafür küssen konnte. Immerhin, so viel hatte er sich für dieses Geschenk doch verdient. Seufzend bettete er seine Stirn an jene des Römers und schmiegte sich an ihn, denn es war der erste Halt, der ihn heute interessierte.
"Ich hoffe, ich brauche nicht allzu lange", sagte er leise und genoss die Wärme zwischen ihnen. Es war kein schöner Tag heute.
"Nein, mir... mir geht es gut. Es ist nur..."
Mit einem unwilligen Stöhnen fuhr er sich durch das dichte Haar und setzte sich wieder auf. Seine Haltung war gebeugter als sonst, ganz als spüre er eine unsichtbare schwere Last auf seinen Schultern ruhen.
"Ach, was red ich. Scheiße ist's. Alles, irgendwie... Aglaia fort, Kiki fort... Diese ständigen Revierkämpfe im Haus, die stetige Verwalterei, das Gezicke, die Spitzen, die verdammte Kälte... Es ist bedrückend, Saturninus. Ich fühle mich wie in einer Tretmühle, gefangen zwischen unsäglicher Langeweile und stumpfsinniger Tätigkeit. Es ist einfach... nicht, was ich mir erhofft hatte, als ich aus Rom weggegangen bin. Ich vermisse mein altes Leben und bin so... erschöpft..."
Tief einatmend schüttelte er den Kopf.
"Entschuldige... Das willst du sicher nicht hören. Ich weiß, ich mache heiter die bessere Figur und bin auch unterhaltsamer."
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02-19-2025, 02:56 PM,
Beitrag #15
RE: Gästezimmer
"Ach, mein lieber Narcissus. So schlimm? Du hast es auch nicht leicht", sagte Saturninus mit einem Nicken und ganz kurz wehte ihn die Erinnerung an den Wind aus Arkadien an, an Aglaia, während Narcissus ihn küsste. Der Junge hatte ihm nicht verraten wollen, wohin die Reise ging.  Saturninus hatte sich gewünscht, geliebt zu werden, stattdessen fürchtete man ihn, so sah es aus. Auch Saturninus wurde melancholisch:
"Ich liebe es, wenn du mich unterhälst. Aber ich habe diesen jungen goldlockigen Mann, der vor mir sitzt, und sich Narcissus nennt, auch ohne dass er mich unterhalten muss, sehr gerne. Iscalis wird ärmer ohne dich, ohne Kiki, ohne Aglaia. Ihr schönen Hetären, euer Glanz bezaubert die Welt, auch wenn es inwendig in euch anders aussehen mag", Saturninus erwiderte den Kuss des Jünglings und umarmte ihn:
"Das haben Hetären und Patrizier gemeinsam", ein wenig grinste er: "Nur dass wir nicht so bezaubernd sind. - Ich wünsche Dir eine gute Reise, Narcissus. Und wen du auch wiedersehen magst, sage ihr, dass ich sie nie vergessen habe"
er ließ von Narcissus ab und tätschelte dessen Knie. Unsägliche Langeweile und die Tretmühle, das kannte er auch, und alles nur, weil er sich fürchtete, nach Rom zurückzukehren. Dabei dürfte keiner mehr aus jener Zeit ihm nach dem Leben trachten.
Es war einer dieser Momente, in denen sich Saturninus uralt fühlte, doch er überspielte es mit einem Lächeln: 
" Vielleicht tut es dir gut, ein wenig hier aus dem Städtchen herrauszukommen. Sorge dich nicht um mich. Ich war gerade auf der Jagd und kann behaupten, dass das Wild mir schnurstracks vor den Speer laufen wird"
Damit spielte er auf Nefertem an, den er haben wollte.
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Honoratior von Iscalis
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02-19-2025, 07:31 PM,
Beitrag #16
RE: Gästezimmer
"So schlimm", maulte Narcissus, dem es ein wenig peinlich war, vor seinem besten Kunden so zu zerfließen. Sicher, mit so manchem Kunden entwickelte sich ein Band, das durchaus eine gewisse Vertrautheit zuließ. Bei Saturninus war dies aufgrund vergangener Erfahrungen noch nicht völlig lückenlos, auch wenn er den Patrizier durchaus leiden mochte. Dennoch war er gerührt und erheitert von dessen Worten. Narcissus legte sich auf den Rücken, den Kopf auf den Schoß seines Gastes gebettet und zu ihm auflächelnd.
"Es ist schön, dass du das sagst und ich gebe es gern zurück. Es ist schön mit dir. Aber stell dein Licht nicht unter den Scheffel. Wärst du ein Hetär, hättest du sicher viele Bewunderer. Ich will auch nicht zu lange fortbleiben, auch wenn du Recht haben magst. Ein kleiner Tapetenwechsel könnte mir gut tun..."
Gespielt empört lauschte er Saturninus, der schon Mittel und Wege gefunden hatte, sich zu trösten.
"Was!? Soll das heißen, du wirst mich nicht einmal vermissen? Du brichst mir das Herz, du Böser!", lachte er und legte eine Hand auf des Furiers Wange.
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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03-02-2025, 02:28 PM,
Beitrag #17
RE: Gästezimmer
"Ich werde dich vermissen, Narcissus, und nicht nur als Apoll", entgegnete Saturninus und gab ihm einen raschen Kuss auf den Mund:
"Auch wenn du mir nicht einmal so weit vertraust, dass du mir das Ziel deiner Reise nennst", er klopfte Narcissus auf die Schulter, denn er hatte das Zögern des Jünglings bemerkt. Er nahm es ihm nicht übel; von einem Hetären erwartete er zwar Loyalität, aber kein Vertrauen mehr.
 
"Mein Narcissus, - mein Gefährte bist du,
  ging er auch bis zum Ganges,
Ging er bis ans östliche Meer, das fernher
Brausend den Strand peitscht;

Zum weichen Araber, dem Hyrcaner,
  oder köcherbehangnen Parther,
  Oder wo der Nilgott mit siebenfachem
Strome das Meer färbt;

Oder überstieg er die hohen Alpen,
Caesars Ehrenmäler, den Rhein zu sehen,
Und der wilden äußersten Briten Eiland"*,

zitierte und wandelte Saturninus das Gedicht des Dichters Catull an Aurelius und einen anderen Furius aus dem Kopf auf seine eigene Situation ab , dann lachte er noch einmal und maß den Hetären mit einem forschenden, dunklen  Blick:
" Auf der wilden britannischen Insel sind wir ja bereits. Gehe also fort und komme wieder, bitte. Deshalb kein Lebewohl. Sondern viel lieber: Bis bald"



frei zitiert nach der Übersetzung von M. Brod, C.Valerii Catulli Veronensis
carmina 11


[Bild: 3_18_08_22_2_20_05.png]
[Bild: 3_15_08_22_9_31_55.png]

Honoratior von Iscalis
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03-05-2025, 11:15 PM,
Beitrag #18
RE: Gästezimmer
"Es hat mit Vertrauen nichts zu tun", sagte Narcissus mit einem sanften Lächeln. Da war sie wieder, des Furiers Eifersucht und seine Besitzansprüche, die er doch charmant verkleidete. Er legte eine Hand auf Saturninus' Wange. "Bloß mit Scham, denke ich, wenn auch nicht von mir. Als könnte ich vor dir große Geheimnisse wahren, mein Hyacinth." Er schmunzelte, denn wenn er schon Apollo war, so war Saturninus schließlich einer seiner Liebhaber. "Obwohl du mehr von einem Adonis hast."
Lächelnd und auf den Schoß seines Gastes gebettet, sah er hinauf, lauschte dem Gedicht seines liebgewonnenen Saturninus und seufzte, als dieser endete.
"Wo hast du sie nur her?", fragte er sinnierend und fuhr sich durch das Haar. "Diese Gabe, immer jene Worte zu sagen, die einen fühlen lassen, als sei er der einzige für dich? Auf wen du deine Blicke wirfst, der kann dir nur verfallen, denn deine Zuneigung ist kostbarer als Gold und Perlen und was sonst noch. Alles glanzlos und fad neben einem Kompliment von dir. Welche Wahl habe ich da, als wiederzukehren, und wenn auch nur um deine lieben Worte wieder zu hören? Und die nächste Reise, die will ich mit dir unternehmen. Wohin auch immer es dich zieht. Wie klingt das für dich? Nur wir beide."
[Bild: 1_26_01_24_4_36_43.jpeg]
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03-12-2025, 03:40 PM,
Beitrag #19
RE: Gästezimmer
"Eine Reise? Das klingt gut", fragte Saturninus und strich dem Jungen, dessen Kopf in seinem Schoß lag,  eine Locke aus der Stirn. Der becircte ihn mit schönen Worten, und der Furius lachte:
"Liebster Narcissus, wenn ich wirklich etwas von dir erfahren müsste, so würde ich dich ergreifen und foltern lassen"
Das war ein böser Scherz, und er wusste nicht, ob Narcissus den lustig finden würde, zumal Saturninus diese Drohung durchaus wahrmachen könnte. Narcissus war kein römischer Bürger. Allerdings konnte er dann zum Statthalter in Londinium rennen und sich beschweren....nur ob der Zeit fände für ihn, stand in den Sternen.
"Was schwebt dir vor-  Lieber Stadt oder lieber Land?", fuhr er fort, als wäre nichts geschehen.
[Bild: 3_18_08_22_2_20_05.png]
[Bild: 3_15_08_22_9_31_55.png]

Honoratior von Iscalis
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