03-11-2025, 01:25 PM,
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Nicander
Schauspieler
  
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Themen: 5
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RE: Bibliothek | Der neue beste Freund der Hausherrin
Plautius Leander blickte mich an, und sein ruhiger Blick war ein Versprechen, was meine Säfte zum Fließen brachte, und mir die Röte ins Gesicht trieb. Noch mehr schlug ich aber die Augen nieder, als die Domina nun Fragen stellte, und der Herr ihr erklärte, dass man als Mann auch Lust mit Männern empfinden konnte. Die liebste Domina war ganz und gar ahnungslos über meinen ausführlichen Dienst für die goldgelockte Aphrodite mit dem Dominus und Innogen zusammen, denn ich hatte ihn ihr nicht gestanden. Ich hatte mich schon immer Mann und Frau zugleich gefühlt, da ich beider Rollen gleichermaßen gerne übernahm, und die Frau zu sein für die männliche Kraft des Herren, hatte mir sehr viel Freude gemacht. So rettete ich mich in einen kurzen Hustenanfall, bevor mir ein sehnsüchtiger Seufzer entwich.
"Verzeihung!", bat ich leise und etwas kraftlos.
“Wenn ihr dieses Werk oder andere griechische Werke lesen solltet, hast du hiermit den expliziten Auftrag von mir, meine Frau darüber aufzuklären, wenn der Autor gerade von Sex spricht, egal, ob zwischen Männern oder Frauen oder Männern und Frauen. Manche Metaphern sind sonst wohl zu verschleiernd.“, sagte dann mir der Herr, und ich nickte eifrig:
"Das werde ich tun, Dominus", denn bisher hatte ich die Metaphern wenig erklärt oder mich erst einmal nur auf den Beischlaf zwischen Ehepaaren beschränkt.
Ich sammelte flink die benutzten Tücher ein, stellte den Nachttopf bereit, falls die Herrin, wie ihr Ehemann ihr in rührender Fürsorglichkeit empfohlen hatte, ihre Blase zu erleichtern wünschte und wartete auf weitere Befehle.
Dabei hörte ich, dass die Herrschaft nach Londinium umziehen würde. Londinium , in der Hauptstadt der Provinz, dort hatte mein eigentümliches Schicksal, das mich nun an zwei Römer fesselte, im Grunde angefangen. Jetzt also sollte ich, falls sie mich mitnahmen und nicht hierließen, wieder nach Londinium zurückkehren.
Zumindest konnte ich die Herrin schon auf der Reise damit unterhalten, dass ich viele Stücke nicht ablesen, sondern aus dem Kopf zu deklamieren wusste, und wenn es um Sex gehen sollte, da waren mir die schlüpfrigsten Stellen gerade so geläufig wie die anderen.
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03-11-2025, 03:35 PM,
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RE: Bibliothek | Der neue beste Freund der Hausherrin
“… und Tempeln und Märkten und viel zu vielen Menschen, ja“, bestätigte Leander ihre Aufzählung von Dingen, die es in Londinium gab und lächelte leicht, als sie meinte, sie würde dann doch mitkommen. “Vier Wochen, bis wir das hier wiederholen können, wäre mir auch sehr lange vorgekommen“, flüsterte er ihr verführerisch ins Ohr und bemühte sich wirklich, nicht wieder bereit zu werden. Ihr Körper war das alles noch nicht gewohnt und hatte jetzt eine sehr lange Zeit mit ihm mithalten müssen. Noch mehr würde für sie schmerzhaft werden.
Da aber Nicander durchaus auch sehnsüchtig seufzte, würde Leander auch den Rest seiner Energie heute sicherlich noch loswerden können. Woran er jetzt auch nicht zu sehr denken sollte, denn noch immer saß Orestilla auf seinem Schoß.
Zum Glück erstickte ihre Unwissenheit die aufkeimende Leidenschaft wieder sehr zuverlässig, auch wenn Leander seine Anwaltsmiene bemühen musste, um nicht zu lachen, als sie meinte, Achilles und Patroklos seien Freunde gewesen. “Nein, sie waren Liebende. Eigentlich müsste dir das doch gefallen, dass Achilles Patroklos so sehr geliebt hat, dass er über seinen Tod seinen Zorn auf Agamemnon vergaß und aus Rache Hektor erschlagen hat?“ Zumindest empfanden das wohl einige Personen als Inbegriff der Romantik, einen anderen für de Geliebten umzubringen.
“Und ich habe nicht direkt ein Verlangen nach Männern, unabhängig davon, ob ich eine Frau habe oder nicht. Aber ich habe bisweilen ein Verlangen nach fremder Haut und Abwechslung. Was allerdings nicht das geringste mit der Frau an meiner Seite oder meinen Gefühlen für sie dann zu tun hat. Sex ist nicht dasselbe wie Gefühle, nicht für mich zumindest. Und du kannst noch herausfinden, wie es bei dir ist. Denn ich habe dir ja schon einmal gesagt, dass ich kein eifersüchtiger Mann bin. Und es wäre etwas unfair, wenn ich dir verwehren würde, was ich für mich verlange. Aber das alles hat Zeit.“ Er sah sie einmal an und erinnerte sich an die letzten Stunden, als er hinzusetzte: “Sehr viel Zeit.“
Denn wenn sie ihn aufrecht begehrte und mit ihm schlief, hatte er keinen Grund mehr, sich eine neue Ehefrau zu suchen. Auch wenn andere Frauen ihm mehr Erfahrung oder eine größere Mitgift bieten konnten. Das interessierte ihn dann nicht mehr. Dahingehend war Leander sehr treu.
Sie wurde müde und wollte schlafen gehen. Wenngleich sie bei ihm schlafen wollte, was Leander zum jetzigen Zeitpunkt ihrer Ehe doch ablehnte und nicht sicher war, ob er das in Zukunft unbedingt wollen würde. Aber er konnte ihr zumindest ein wenig entgegenkommen. Zumal es noch mitten am Tag war.
Er erhob sich also, mit ihr auf seinen Armen, und trug sie, nackt wie sie beide waren, durchs Haus. “Erst einmal gehst du auf die Latrine“, die bequemer war als ein Nachttopf, wo sie schon eine im Haus hatten. “Und danach bringe ich dich in dein Zimmer und bleibe bei dir, bis du eingeschlafen bist“, meinte er und machte sich auch gleich daran, sie eben an beide Orte zu bringen und gab Nicander einen unauffälligen Wink, zu folgen.
Während er darauf wartete, dass sie sich erleichterte, zog er in diesem unbeobachteten Moment Nicander auch an sich und griff zielstrebig nach dessen Männlichkeit, um ihn ein wenig zu reizen. “Geh gleich in mein Zimmer, und gib Innogen bescheid, auch zu kommen. Wenn ihr wollt, könnt ihr schon einmal anfangen, ich komme dann dazu, sobald Orestilla schläft“, raunte er ihm leise zu und ließ ihn wieder los, ehe Orestilla zurück kam und etwas bemerken konnte, um sie in ihr Zimmer zu begleiten und sich dort ein wenig mit ihr ins Bett zu legen, bis ihre Atemzüge regelmäßiger und ruhiger würden und sie schlief, so dass er sich wegschleichen konnte.
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03-12-2025, 12:30 AM,
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RE: Bibliothek | Der neue beste Freund der Hausherrin
Als Leander bestätigte, dass Londinium eine große Stadt war – mit Tempeln, Märkten und viel zu vielen Menschen, konnte ich mir ein leichtes Lächeln nicht verkneifen. Zu viele Menschen? Natürlich würde es laut und geschäftig sein, aber genau das machte eine Stadt doch lebendig. Eben das genaue Gegenteil von Iscalis. "Es wird bestimmt aufregend", erwiderte ich leise. "Und du wirst keine Ruhe mehr haben, weil ich alles sehen will." Ich blinzelte ihn an, bevor ich mich an seine Schulter lehnte.
Seine nächsten Worte ließen mich leicht erschaudern. Vier Wochen, bis wir das hier wiederholen könnten, wären ihm zu lang? Ich wusste, was er meinte, und ich spürte es an der Art, wie seine Stimme klang. Mein Herz schlug schneller, nicht vor Angst, sondern weil mich die Vorstellung mehr berührte, als ich erwartet hatte.
Unser Gespräch kam auf Achilles und Patroklos, und Leander erklärte mit ruhiger Stimme, dass sie nicht nur Freunde, sondern Liebende gewesen seien. Ich hielt seinem Blick stand, auch wenn ich für einen Moment unsicher wurde.
"Natürlich gefällt mir die Vorstellung, dass Achilles Patroklos so sehr geliebt hat. Aber... ich habe mich nie gefragt, was für eine Liebe es war." Ich runzelte die Stirn. "Die Götter wissen, dass in den Geschichten so manches verschwiegen wird."
Sein nächster Satz ließ mich allerdings noch einmal verstummen. Ich hörte genau hin, als er über Verlangen nach fremder Haut sprach, über seine Ansicht von Treue und dass er mir dasselbe erlauben würde. Ich hatte keine naive Vorstellung von der Treue eines Mannes – ich wusste, dass viele sich ihre Freiheiten nahmen. Aber er sagte es so offen, so direkt, dass ich für einen Moment nicht wusste, was ich darauf sagen sollte.
Ich sah ihn an, ließ seine Worte auf mich wirken. "Ich weiß nicht, ob das etwas ist, das ich für mich will", sagte ich schließlich ehrlich. "Aber ich verstehe, was du meinst. Und ich weiß es zu schätzen, dass du offen mit mir darüber sprichst."
Ich hatte nie darüber nachgedacht, ob ich jemals nach jemand anderem verlangen würde. Doch während ich seinen Worten nachhing, schlich sich ein Gedanke in meinen Kopf, den ich nicht einfach beiseiteschieben konnte: Nicander! In den letzten Wochen hatte sich etwas zwischen uns entwickelt, das mehr war, als nur Freundschaft.
Doch als er hinzufügte, dass das alles Zeit habe – sehr viel Zeit –, musste ich doch leicht lächeln. "Ja", murmelte ich, "heute brauche ich keine weiteren Lektionen mehr."
Meine Müdigkeit wurde stärker, und als Leander mich auf die Arme nahm, lehnte ich mich an ihn, ohne Widerstand zu leisten. Sein Körper fühlte sich vertraut an, sein Geruch beruhigend. Doch als er mit einem durchaus bestimmten Tonfall meinte, dass ich erst einmal auf die Latrine gehen sollte, hob ich überrascht eine Braue.
"Das ist wohl die unromantischste Anweisung, die ich heute bekommen habe", sagte ich trocken, aber mit einem leichten Lächeln.
Trotzdem ließ ich mich ohne Murren zu dem Raum bringen, erleichterte mich und kehrte bald darauf zu ihm zurück. Er wartete bereits auf mich, und als er mich in mein Zimmer brachte, seufzte ich zufrieden.
Als ich in die Kissen sank und er sich neben mich legte, schloss ich für einen Moment die Augen. Seine Nähe war mir inzwischen nicht mehr fremd, auch wenn ich wusste, dass er nicht bleiben würde.
"Danke", murmelte ich schläfrig und küsste ihn. Ich wusste nicht, ob ich mich für seine Worte bedankte, für seine Wärme – oder einfach nur für die Tatsache, dass er mich nicht allein ließ, bis ich eingeschlafen war.
![[Bild: 3_15_08_22_9_37_19.png]](https://adlerchronik.de/gallery/3_15_08_22_9_37_19.png)
Vormund: C. Numonius Pusinnus, Duumvir von Iscalis (NSC)
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