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(03-20-2025, 03:37 PM)Claudia Sabina schrieb: Anaxaretes Kur wirkte. Ich war körperlich rasch wieder hergestellt und nach dem Liegen im Wochenbett kam der Tag, an dem ich aufstand und mich nackt im Spiegel betrachtete. Körperlich sah ich aus wie früher, schlank mit einer schmalen Taille und gerundeten Hüften; vielleicht waren meine Brüste etwas rundlicher geworden.
Alles, was geschehen war, erschien mir jetzt - vielleicht auch dank des Opiumtrankes, den ich getrunken hatte - wie ein ferner Traum. Ich wusste, dass es meinem Sohn Marcus Iulius Cator Minor bei Stella gut gehen würde, bis sein Vater ihn holen ließ. Und die Großeltern in Rom, die den Erbenkel schon sehnsüchtig erwarteten, würden ihn zweifellos verwöhnen und lieben. Es gab sehr viele Menschen, die ihn liebten. Er war nicht ausgesetzt oder verlassen worden. Dennoch blieb ein Stachel, ein ganz tiefer Schmerz, bis auch der weniger wurde, obwohl er nicht verging. Nicht das Schicksal, sondern wie man ihm begegnete, das war es doch, was alles ausmachte.
Als die Zeit vorbei war, machte ich mich bereit, um nach Londinium zurück zu kehren. Vermutlich war Petilius Vindex schon angekommen, da die Schiffe schon wieder fuhren. Lucius Petilius Vindex, mein zukünftiger Ehemann....
Ich war also wieder zurück in Londinium und genoss Fabia Tertias Gastfreundschaft. Fabia Tertia war wie immer über alles auf dem Laufenden, was Gerüchte anbetraf. Sie erzählte mir unter anderem, dass der Sohn des LAPP, Petilius Vindex wohl in Londinium angekommen war. Es kribbelte mir heftig im Magen vor Aufregung, doch ich ließ mir nichts anmerken:
"Und wie ist er so?", fragte ich ganz beiläufig.
" Soll gutaussehend sein. Eine glänzende Partie. Ganz Londinium wird versuchen, ihm seine heiratsfähigen Töchter zuzuführen. Ich hörte da vom hübschen Nachwuchs des Quästors, eine zarte Jungfrau, zwar erst zwölf Jahre alt, doch verloben kann man ja schon einmal...", erzählte sie.
Fabia Tertia gab wohl wirklich nur Hörensagen weiter, dennoch fühlte ich einen kleinen Stich. Zumindest früher hätte man zehn oder fünfzehn Jahre Altersabstand zwischen Braut und Bräutigam als ideal betrachtet.
Nervtötender war Fabia Bassa, die mich strahlend umarmte und mir zuflüsterte, dass wir nun endlich die Gelegenheit hatten, beste Freundinnen, ja wie Schwestern zu werden. Sie war mittlerweile hochschwanger und schwärmte mir weiterhin von ihrem so großartigen Ehemann und ihrer
"kleinen, gemeinsamen Welt" vor, in der sie nichts lieber tat, als Pertax seinen arbeitsreichen Bürotag von der Stirn wegzuküssen.
"Ach, mein Pertax ist so gutaussehend und virulent", endete sie.
Ich wollte gerade teilnahmsvoll nachfragen, ob ihr Gatte wirklich so schlimme Krankheiten übertrug, da dämmerte es mir, dass sie
"viril" meinte. So war Bassa eben!
Um nicht ganz dusselig im Kopf zu werden, setzte ich mich an zwei eigenhändige Schreiben, da ich noch immer keine Sekretärin hatte (und Nefertem gehörte jetzt dem Furius).
Eines ging an den werten Plautius Leander, meinen Tutor; ein anderes aber an meine liebe Freundin Kiki. Sie war aus Fabia Tertias Haus ausgezogen, und ich wusste noch nicht, wohin. Rosula, die keine der Landessprachen so richtig sprach, war mir keine Hilfe, sie wiederzufinden. Aber Plautius Leander hatte Kiki ja das restliche Gesellschafterinnengehalt ausgezahlt, daher hoffte ich, dass er mir die neue Adresse geben konnte, sobald ich ihn wieder traf.