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Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
03-14-2025, 12:52 PM,
Beitrag #1
Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
[Bild: Gabinier-Kutschfahrt.jpg]


Endlich waren wir mit Reisevorbereitungen fertig und es war noch früh am Morgen, als wir uns auf dem Hof versammelten. Unser großer Reisewagen war schon angespannt, mit viel Gepäck beladen und auf den Bänken lagen warme Decken. Sionn saß bereits auf dem Kutschbock und wartete geduldig auf Abreise. Es war noch ziemlich kühl und ich hatte ein dunkelblaues wolliges Reisekleid angezogen und eine passende bodenlange Palla dazu, mein Haar habe ich hochgesteckt und mit einer silbernen Spange befestigt. Quiwon, mit seinem kleinen Holzschwert bewaffnet, trug einen warmen Mantel und neue Stiefelchen. Irma und Fenia haben uns mit dem Proviant versorgt und Spiros half, wo es nötig war. Als Geschenk für den keltischen Fürsten Eisu Ap Comux haben wir zwei Amphoren Albanerwein, der aus meinem Weingut in Tusculum stammte, sorgfältig im Wagen verstaut und Sylvana sollte auf die Amphoren aufpassen. Unsere kleine Stellula schlief noch in ihrem Korb, der mit Hasenpelzdecke ausgestattet war und den Kira behutsam zur Kutsche trug. Die Reise ins Dobunni-Land konnte nun losgehen und ich schaute nach meinem Friudel.
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor): Tib. Furius Saturninus
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03-17-2025, 03:20 PM,
Beitrag #2
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
Ich hatte Elfried, dem Erfahrensten meiner Leute, noch Anweisungen gegeben und war mit ihm eine Runde über das Anwesen gegangen. Die Leitung würde Fenia haben, die die hiesige Sprache und Latein sprach, aber Elfried würde ihr mit allem zur Hand gehen. Ich wusste den Gutshof also in guten Händen, als ich vor das Tor trat, wo die Reisekutsche wartete.
Meine Fridila trug ein dunkelblaues Reisekleid aus Wolle und eine passende Palla dazu, ihr Rabenfederhaar war mit einer silbernen Spange hochgesteckt, und mein Herz schlug näher, als ich sie so edel und schön erblickte. Ich näherte mich dem Kutschbock, auf dem Sionn saß, den ich auch grüßte.

"Ist dir auch warm, meine Fridila? Sitzt du bequem?", fragte ich meine Frau. Ich selbst konnte es nicht ausprobieren, denn ich würde nicht in der Kutsche , sondern gemeinsam mit Rango, der stolz wie Oskar über diese Ehre war, vorneweg reiten. Ich ritt meinen treuen Bernjan, Rango ritt den gemütlichen Sarolf. Ich war in den warmen Wollmantel, den meine Mutter einst in Rot, Blau und Gelb in einem komplizierten germanischen Muster gewebt hatte, gekleidet, der von einer Fibel über der rechten Schulter, die das Gabinierwappen, das springende Pferd zeigte, gehalten wurde. Um die Stirn trug ich einen Reif, um mein Haar aus meiner Stirn zu halten und meine Frame hing über meinem Sattel.

Quiwon grüßte mich ernst mit seinem Schwert, der kleine Kerl wollte ja gerne die Mama und das Schwesterlein, das in Kiras Obhut in der Kutsche schlief, beschützen. Ich grüßte sehr ernsthaft zurück.

"Rango und ich reiten vor beziehungsweise hinter der Kutsche und wir nehmen das Fohlen, das ja dem Fürsten gehören soll, mit uns", erklärte ich. Eisu Ap Comux hatte uns den stolzen Marix und dessen Gefährtin Eleyne unter der Bedingung überlassen, dass er ihr erstes Fohlen bekäme. Mein Wort würde ich nun halten.

Ich setzte mich an die Spitze, denn erst einmal würde unsere kleine Reisegesellschaft den Weg nach Iscalis einschlagen. Ab Cheddar aber würden wir die große Römerstraße verlassen und eine kleinere Straße nach Westen einschlagen, bis dieser Weg an einem Seitenarm des Iscaflusses endete.  Dort gab es eine Furt, die allerdings nicht so niedrig sein würde wie bei meinem ersten Besuch, denn das Frühlingshochwasser war noch nicht abgelaufen. Vor uns würden die Berge hochragen, bis sie sich öffneten und dann den Blick auf eine wohlbestellte Weite frei gaben. Das war schon Dobunniland, aber da wir mit einem Wagen langsamer waren als zu Pferde, würden wir, sobald es dunkel wurde, übernachten müssen. Aber die dräuenden Blauen Berge, die eine liebliche Landschaft verbargen, waren ein erhebender Anblick, und ich freute mich darauf, sie Stella zu zeigen.

Kaum hatten wir die große Römerstraße verlassen, tauschten Rango und ich die Plätze; der junge Mann ritt nun vorneweg und ich sicherte uns von hinten. Das Fohlen hielt sich jedoch, da es mit dessen Wallach Freundschaft geschlossen hatte, an Rango.

Gegen Mittag rasteten wir an einer kleinen Wasserquelle. Die Sonne wärmte schon, und ich hob meine Frau vom Wagen:
"Lass uns uns ein wenig die Beine vertreten, Frau Abendstern", sagte ich, nahm ihren Arm und ging ein paar Schritte:
"War die Fahrt für dich bisher angenehm, Fridila? Wenn du nicht mehr sitzen möchtest, so tausche mit Rango und reite mit mir"
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03-19-2025, 06:25 PM,
Beitrag #3
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
Nachdem Sonnwin einen Rundgang über das Anwesen machte und noch die letzten Anweisungen unseren Leuten gegeben hat, kam er zum Tor, wo wir im Wagen auf ihn warteten. "Friudel, da bist du ja endlich!" lächelte ich meinen Mann fröhlich an,
"Danke, mein Herz, mir ist warm, ich sitze auch bequem auf weichen Tüchern und Stellula schläft gemütlich in ihrem Korb".
 
Sonnwin selbst würde nicht mit uns im Wagen sitzen, er wird auf seinem Bernjan reiten und Rango auf dem Sarolf. Auch das Fohlen für den keltischen Fürsten nahm mein Mann mit. Er sprach noch mit Quiwon, der neben mir saß und mit seinem Schwert uns beschützen sollte. Mein Friudel hat seinen berühmten Mantel, den seine Mutter für ihn in bunten Farben und mit germanischem Muster gewebt hatte angezogen und von einer Fibel, die das Gabinienwappen zeigte, gehalten wurde. Sein Haar wurde mit einem Reif gehalten und seine Frame hing über seinen Sattel. In dieser Aufmachung saß er auf seinem Pferd und sah, wie ein stolzer germanischer Fürst von betörender Schönheit aus. "Mein holder Ritter ...", flüsterte ich liebevoll.

Und endlich bewegte sich die Reisekutsche und ich konnte mich entspannen. Die Strecke nach Cheddar kannte ich bereits gut und schaute nur ab und zu auf die Umgebung. Dann verlassen wir die Römerstraße und fuhren nach Westen. Quiwon und ich konnten das alles gut sehen, denn unser Wagen hatte zwar eine Decke, aber seitlich war alles offen. An einer Wasserquelle haben wir gegen Mittag Rast gemacht und Sonnwin holte mich aus dem Wagen.

"Lass uns ein wenig die Beine vertreten, Frau Abendstern"

Friudel nahm meinen Arm und wir gingen ein paar Schritte, "Ja, die Fahrt bis jetzt behaglich, leider konnte ich aber dich nicht sehen, entweder warst du vorne oder hinter der Kutsche!" sagte ich mit einem sanften Lächeln, "Oh ja, ich würde gerne mit dir reiten, meine Sonne!"
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Vormund (Tutor): Tib. Furius Saturninus
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03-21-2025, 03:31 PM,
Beitrag #4
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
"Mit mir reiten - das sollst du, Fridila!", sagte ich lachend: "Wie eine Wodansbraut sollst du an meiner Seite sein" Denn ja,  diese Schildmaiden saßen zu Pferd wie ein Mann. Meine Mutter war eine von ihnen gewesen, doch hatte sie ihr Kriegerinnenleben, wie es üblich war, aufgegeben, als sie sich vermählte. Stella ritt aber auch gut; auf unserem Hof hatte sie Möglichkeiten, diesen Sport auszuüben, ohne dass sich jemand darüber aufregen konnte: Die Römer mochten kein Training bei Frauen, welches nach ihren Vorstellungen die Fruchtbarkeit beeinträchtigte, darunter gehörte Reiten und Baden im kalten Wasser. Wenn es danach ginge, dürften die Germanen aber schon ausgestorben sein. Und die zarte Stella, die in der Villa Furia noch blass und ein wenig leidend gewesen war, hatte seit sie ein wenig übte, rosige Wangen und mehr Kraft bekommen.
Ich stieß einen Pfiff aus und Rango, der wusste, dass ich ihn damit rief, kam auf Sarolf herangetrabt:
"Bitte tausche mit der Fraue", sagte ich ihm, und der Junge musste auf dem Kutschbock Platz nehmen; Sarolf aber war für Stella bestimmt. 
Ich stieg ab und hielt ihr die Hände hin, damit sie bequem aufsteigen konnte.
Und als sie oben saß, küsste ich ihre zarte Hand: "So meine liebste Frau, lass uns der Kutsche Geleitschutz geben" 
Quiwon hatte ich nicht vergessen: "Wenn böse Räuber kommen, verteidigst du die Insassen dieses Reisewagens unter dem Einsatz deines Lebens, Soldat!"
Mein Sohn salutierte erst vor mir, dann vor seiner Mutter:
"Er weiß schon, wer hier der General ist", sagte ich: "Weiter gehts!"
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03-22-2025, 02:29 PM,
Beitrag #5
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
Wir rasteten eine Weile an der Wasserquelle und ich habe unser "Sternchen" gestillt, nach dem Kira sie säuberte und in die frischen Tücher umwickelte, sodass nur die kleinen rundlichen Händchen zu sehen waren, die ich küsste. Nachdem Stellula ihre Portion Milch bekommen hat, lächelte sie mich fröhlich an, gluckste zufrieden und schlief wieder ein. Kira brachte sie dann in ihrem Korb in den Wagen. Es wurde inzwischen angenehm warm und das Laub der Bäume glänzte schön bunt in der Herbstsonne. Ich lächelte meinen Friudel an, als er sagte:

"Mit mir reiten - das sollst du, Fridila!", sagte ich lachend: "Wie eine Wodansbraut sollst du an meiner Seite sein".

Das hörte ich gerne, damals in den Marschen ritten wir auch zusammen durch das wilde Land. Ich wusste, dass seine Mutter Gerlinda Wodansbraut war, hatte es aber aufgegeben, als sie Sonnwins Vater heiratete. "An deiner Seite, mein holder Ritter mit dem goldenen Haar, würde ich bis an das Ende der Welt reiten!", ich schaute ihn liebevoll an.

Dann kam Rango, der auf Sarolf saß und Friudel sagte ihm, er sollte nun "mit der Fraue tauschen" und auf dem Kutschbock Platz nehmen. Friudel half mir auf das Pferd und als ich oben saß, küsste er meine Hand. "Jawohl, mein Liebster, ich bin bereit, unserer Kutsche Geleitschutz zu geben"... wiederholte ich seine Worte und strahlte ihn an. Und so saß ich hoch zu Ross, ließ meine langen Haare herunterfallen und winkte meinem Sohn, der uns salutierte. Ich lachte vergnügt und so ging unsere Reise weiter!
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor): Tib. Furius Saturninus
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03-24-2025, 12:23 PM,
Beitrag #6
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
Wir kamen über den Arm des Iscaflusses, obwohl ich einmal absteigen und schieben helfen musste, da wie gesagt das Wasser höher stand als bei meinem letzten Ausflug. Ich wurde dabei nass bis zum Bauchnabel, und Quiwon quitschte vor Vergnügen, als er mich so sah. Ich ließ meine Hose also auf dem Wagendach trocknen- "Die Römer kommen schließlich auch ohne Beinkleider aus!" und ritt nur in meiner Tunika.
Stella hielt sich zu Pferde neben mir. Ab und an lächelte ich ihr zu.

Nach dem Fluss war es aber genauso wie ich mir dachte: Die Berge, die erst hoch und dräuend gewesen waren, wichen zurück und gaben den Blick auf eine wohlbestellte, gar liebliche Landschaft frei.
Ich ritt nun neben meiner Frau und deutete zum Horizont:
"Dort beginnt schon das Land der Herren Comux; alles andere ist aber auch schon Dobunniland. Ihre Hauptstadt ist Corinium, eine schnellgewachsene Civitas, aber sie liegt weiter im Westen, und wir werden sie nicht zu sehen bekommen"

Die Dobunni hatten sich sehr schnell Rom angeschlossen und niemals Krieg geführt. Ihr König Cati trug gar den Titel " Freund des Römischen Volkes". Rom hatte es ihnen mit sattem Wohlstand gelohnt; natürlich immer mit der Aussage an die umwohnenden Stämme: Seht, so wohl könnte es euch auch ergehen! Ich als Germane verstand die freiheitsliebenden Kelten durchaus. Doch im Unterschied zu uns, gab es keine Britannia Magna, wohin sie sich zurück ziehen konnten, um ihre Wunden zu lecken, wenn sie eine Schlacht verloren. Und jetzt war ich Familienvater, und ich wollte weder meine Familie verlassen, noch irgendwann meinen Jungen in den Krieg schicken.

Die Dämmerung kam aber schneller als gedacht, und als ich zu wenig sah, ließ ich anhalten, damit die Pferde sich nicht die Beine brachen. Sionn und ich hielten Nachtwache, während sich alle übrigen in der Kutsche einkuschelten wie in einer Wagenburg. Am nächsten Morgen, noch bevor der erste Silberstreifen am Horizont auftauchte, ging es weiter, bis wir die Mauern des Comux Hofes erblickten. >>>
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03-28-2025, 03:29 PM,
Beitrag #7
RE: Die Gabinierhofleute reisen ins Dobunni-Land
Nach einer langen, aber umso mehr aufregenden Reise durch die schöne Natur mussten wir nun den Arm des Iscaflusses überqueren. Friudel stieg ab und half, die Kutsche zu schieben. Ich blieb auf meinem Pferd sitzen und habe meine Beine hochgezogen, die ich dann mit meiner Palla bedeckte. Als wir das Ufer erreichten, war Sonnwin bis zu seinem Bauch nass und legte dann seine Hose auf dem Wagendach zum Trocknen. "Die Römer kommen schließlich auch ohne Beinkleider aus!", sagte mein Friudel und lächelte mich an. "Hoffentlich, erkältest du dich nicht, mein Herz," ich schaute ihn besorgt an und schüttelte den Kopf.

Dann ging die Reise am Fuß des Gebirges weiter und es wehte ein sanfter Wind vom Bergen herunter. Und dann hatten wir auf einmal die freie Sicht auf eine herrliche Landschaft und Friudel, der neben mir ritt, sah zum Horizont und erzählte, dass wir bereits auf dem Dobunni Gebiet sind und dort beginnt schon das Comux Land. "Dobunni-Land scheint mir sehr schön zu sein, mein Liebster, und ich würde gerne mal die Hauptstadt Corinium mit dir besuchen".

So ritten wir weiter und es wurde bald dunkel. Sonnwin ließ die Pferde anhalten, damit sie sich nicht in der Dunkelheit verletzten. Ich stieg vom Pferd ab und kletterte in den Wagen hinein. Noch vor dem Schlafen gingen die Frauen kurz in die Natur. Ich stillte Stellula und legte sie in ihren warmen Korb wieder hin. Quiwon, der auch kurz draußen war, legte sich dann zu mir auf die Bank und schlief in meinen Armen ein.

Dann, noch vor der Morgendämmerung, ging es dann weiter, bis wir mitten in einem malerischen Hain den Comux - Hof zu sehen bekamen. Ich strahlte meinen Friudel an: "Endlich sind wir bald da, meine Sonne, und ich hoffe auf ein heißes Bad für uns alle!"
[Bild: 3_15_08_22_9_35_15.png]
Vormund (Tutor): Tib. Furius Saturninus
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