01-09-2025, 12:53 PM,
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Cahir
König der Brigantes
  
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Winter im Norden
Am Stadttor von Isurium
Keine zwei Tage war das Ritual her, in dem mein Sohn Declan der Göttin Andraste geopfert wurde und ich Andraste Gehorsam geschworen hatte in der Hoffnung, dass sie uns den Sieg über die elenden Besatzer unserer Heimat schenken würde. Der Preis war hoch, doch wie viele andere Familien würden ihre Söhne in einem Kriegszug verlieren? Und doch war es notwendig und es führte kein Weg daran vorbei. Wir musste alle Opfer bringen in dieser Zeit, aber vor allem musste ich wie der Wind zu unseren Verbündeten reisen. Ein Bote genügte nicht in dieser Angelegenheit, also hatte ich die letzten beiden Tage mit Packen und Vorbereitungen verbracht. Zeit um Declan zu betrauern würde ich noch in den langen Stunden der Reise und den einsamen Nächten genug haben.
Zumindest war das Wetter auf meiner Seite und es regnete nicht, obwohl es bereits von Herbst in den Winter überging. Ich rechnete nicht damit vor dem Frühling wieder heimzukehren, denn die Chance irgendwo im Norden eingeschneit zu werden oder dass die Straßen unpassierbar wurden, war hoch. Aber ich würde hoffentlich mit guten Nachrichten und kampferprobten Männern wiederkehren, damit wir im Sommer auf Kriegszug gehen konnten wie es die Göttin von uns forderte. Ich hatte eine Hand voll vertrauenswürdiger Männer ausgewählt, die mir als Leibgarde und Reisegefährten zur Seite stehen würden, da eine größere Gruppe noch viel länger unterwegs war.
Die Packpferde waren beladen und meine Reisegefährten kontrollierten ihre Satteltaschen und verabschiedeten sich von ihren Familien, während die Augen des Volkes auf meiner Familie und mir ruhten. Cormac hatte noch immer rote Augen vom vielen Weinen, aber ich hoffte, dass er bei Rhian und Brenna Trost finden würde. Ich wünschte, dass ich Zeit für meinen Ältesten gehabt hätte, aber diese Reise war wichtig und konnte nicht aufgeschoben werden. Ich zog meinen Sohn in eine Bärenumarmung und drückte ihn so fest an mich, dass es schon fast schmerzte. Dann wandte ich mich meiner Cousine und Tante zu, die ich ebenfalls umarmte zur Verabschiedung.
Als letztes war Rhian an der Reihe, von der es mir am schwersten fiel Abschied zu nehmen. Mein Körper und mein Herz glühten für diese Frau und ich hatte kaum von ihr ablassen können letzte Nacht. Zu groß waren der Schmerz des Verlustes und die drohende Einsamkeit der Reise. Ich wünschte, dass ich Rhian einfach einpacken und mitnehmen konnte wie ein fahrender Händler...aber das ging nicht. Sie war die Königin und das Herz des Landes. Sie musste in seinem Zentrum bleiben und die Stellung halten. Unsere Hochzeit war erst etwas mehr als zwei Monate her und doch wollte ich mich nicht mehr von ihr trennen, wenn es mir möglich war.
"Meine Liebste..." sagte ich heiser und umarmte meine Frau kräftig, als gäbe es kein Morgen. Ich musste mich dazu zwingen, dass sich unsere Körper zumindest einige cm voneinander entfernten um einige Worte zu sprechen. "Gib auf Cormac acht, Rhian. Sei so gut. Die Silurer und der Waffenmeister Madoc werden dich beschützen. Ich schwöre, dass ich so schnell es geht zu dir zurückkehre, aber die Straßen im Norden sind trügerisch und das Wetter wandelhaft." Ein wenig tat mir meine Frau leid, dass ich sie so kurz nach der Hochzeit hier allein ließ, aber ich musste ihrer Stärke vertrauen, da ich gar keine andere Wahl hatte.
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01-09-2025, 08:04 PM,
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Rhian
» K ö n i g i n der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
"Wie denkst du mein?"
Wie eines holden Traumes,
Der schönsten Blüt' des blütenreichen Baumes
Der Phantasie, gedenk' ich dein!
Ich, der in dir – sich selber sieht!
Als Rhian das Langhaus verließ, blickte sie sorgenvoll in den Himmel. Zwar regnete es nicht und es pfiff auch kein eisiger Wind, der der Vorbote für den nahenden Winter war. Doch es war ein schleichendes Gefühl, dem sich Rhian nicht entziehen konnte. Vermutlich lag dies aber auch einzig und alleine daran, dass sie erst vor zwei Tagen dieses grausame Ritual abgehalten hatten. Jenes Ritual, in dem sein Sohn Declan der Göttin Andraste geopfert worden war. Andraste die Kriegsgöttin. Das komplette Gegenteil ihrer Göttin, der Göttin Brighid. Bei dem Gedanken an die Priesterin der Andraste in ihrem roten Gewand, rieselte es Rhian abermals eisig den Rücken hinunter und sie rieb sich unbewusst über ihre Oberarme. Vor dem Langhaus warteten bereits die Reisegefährten ihres Gemahls, sowie die Packpferde. Auch die Familien der Männer, die ihren Gemahl begleiteten, waren gekommen und es wurde sich tränenreich verabschiedet. Rhian verweilte im Hintergrund, wobei ihr Blick aus dem Augenwinkel gen Cormac wanderte, dessen Augen noch immer rot vom vielen Weinen waren. War es doch kein Wunder, musste dieser doch den Verlust seines Bruders mitansehen. Wie sehr hatte wohl Cormacs Seele darunter gelitten? Vielleicht sollte sie mit dem Jungen das Gespräch suchen. Diesen Gedanken würde sie auf jeden Fall in ihrem Hinterkopf behalten.
Schließlich trat Cahir auf sie zu und Rhian atmete tief durch, wobei sie ihren Kopf etwas empor reckte und ihre schmalen Schultern straffte. Tränenfeucht ihre Augen und das Lächeln auf ihren Lippen wirkte angestrengt. Während sich zugleich eine steile Falte zwischen ihren Augenbrauen gebildet hatte. Beinahe so als wüsste die junge Königin etwas, was vor ihrem Gemahl noch im Verborgenen lag. “ Mein Liebster.“ Wisperte Rhian mit leiser Stimme, als Cahir vor ihr zum stehen kam und sie sich sogleich in seine kräftige Umarmung ziehen ließ. Ihre Arme schlang sie um den König der Brigantes und schmiegte ihren Kopf gegen seine Brust. War sie doch einige Köpfe kleiner als ihr Ehemann. Trommelnd wohl beider Herzschlag. Ein deutliches Zeichen dessen, dass sich ihre Körper nicht voneinander lösen konnten und dies auch nicht wollten. Doch schließlich war es Cahir der den Zauber durchbrach und etwas Abstand zwischen ihre beiden Körper brachte. “Ich werde auf Cormac Acht geben. So wie ich auf unser Volk achten werde mein Geliebter.“ Ihre Stimme war noch immer zu einem flüstern gesenkt, welches lediglich für die Ohren ihres Gemahls bestimmt war. “Ich werde über dich wachen Cahir, König der Brigantes. Nimm dieses Tuch von mir.“ Flink band Rhian mit bebenden Fingern ein Tuch in den Königsfarben an den Sattel seines Reittiers. “Wenn du einsam bist, dann rufe nach mir. Ich werde dich hören und an deine Seite eilen.“ Natürlich nur metaphorisch. Auch wenn sie wusste, dass sie Cahir mittels ihrer Schale beobachten würde. Dies war doch für ein jungvermähltes Paar etwas völlig normales, nicht wahr? “Komme gestärkt und mit tapferen Kriegern zurück an meine Seite. Dein Volk braucht dich. Und ich auch.“ Jene letzten drei Wörtchen sprach Rhian mit äußerst leiser Stimme. Denn diese Worte waren tatsächlich nur für Cahirs Ohren bestimmt.
Schon trat Rhian zurück und spürte wie sich Cormac an ihre Seite drängte, so dass sich ihre schmalen Hände auf die Schultern des Jungen betteten. Tapfer hielt sie die Tränen zurück, auch wenn sie den verräterischen Schimmer in ihren Augen nicht leugnen konnte und wollte.
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01-11-2025, 11:29 AM,
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Cahir
König der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
Innig küsste ich meine Frau zum Abschied und umarmte sie noch einmal zusammen mit meinem Sohn, ehe ich mich abwandte und mich auf mein Pferd schwang. Ich winkte dem Volk mit einem aufgesetzten Lächeln auf dem Gesicht zu, während wir langsam durch das Tor aus der Siedlung ritten. Unsere Gruppe war nicht groß und bestand aus mir und vier meiner besten und treuesten Kämpfer, die mir den Rücken freihalten würden und einigen Packpferden mit Proviant und Futter. Ich lenkte mein Pferd auf die nördliche Straße und ritt voran, während meine Gefährten laut scherzten und sich unterhielten. Mir war in diesem Moment nicht nach plaudern zu Mute und so ging ich im Geiste noch einmal meine geplante Route durch.
Auf der Reise
Die erste Nacht verbrachten wir bei meinem Gefolgsmann Aengus in der Siedlung die von allen nur Ziegenfeld genannt wurde. Die Äcker hier waren steinig und wenig ertragreich und die meisten Leute lebten vom Tauschhandel und der Viehzucht - vor allem Ziegen. Wir waren nach Plan in der Siedlung angekommen und der Dorfvorsteher überschlug sich fast vor Gastfreundschaft und bot mir sein eigenes Bett an, in das er mir sogar noch seine Tochter legte. Das Mädchen schickte ich weg, da ich kein Interesse daran hatte, mit ihr zu verkehren aber meine Gefährten waren bestimmt nicht wählerisch und eindeutige Geräusche von nebenan bestätigten dies.
Mir tat alles weh, aber ich hatte das Tuch von Rhian von meinem Sattel gelöst und es um mein Handgelenk gebunden und starrte es nun hundemüde an. Es war in waldgrün und weiß - den Farben der Brigantes - gefärbt und einsam presste ich das Tuch an mein Herz, ehe ich in einen unruhigen Schlaf fiel. Immer wieder sah ich Rhian in meinen Träumen, ehe ich von einem Hahnenschrei viel zu früh geweckt wurde. Ich nutzte die Gelegenheit mich mit warmem Wasser zu waschen und wir ließen uns noch zum Frühstück vom Dorfvorsteher Angus bewirten. Als wir nach dem Frühstück das Dorf verließen, strömten die Dörfler von allen Seiten herbei um uns nachzuwinken und zu verabschieden.
In den folgenden Tagen zogen wir von einer Siedlung zur nächsten, die sich in Größe stark unterschieden. Unser letzter Stop, der noch im Gebiet der Brigantes lag, war eine Köhlersiedlung im Wald an der Grenze zu Alba. Die Männer dort freuten sich über neue Gesichter, auch wenn der Rauch und der Geruch der Köhlerei gewöhnungsbedürftig waren. Die Köhler teilten ihre Feuer und Hütten mit uns und wir genossen es drinnen zu schlafen, da uns nun zwei oder drei Nächte im Freien erwarteten und das Wetter deutlich schlechter wurde je weiter nördlich wir kamen. Unser Glück, dass es trocken geblieben war bisher, würde nicht mehr lange halten.
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03-09-2025, 10:58 PM,
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Cahir
König der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
Alba
Wir waren bereits seit Wochen unterwegs, bis uns das erste wirkliche Unglück ereilte. Eines der Packpferde trat in ein Loch am Wegesrand der im Winter sehr schlechten Strasse und brach sich das Bein dabei. Es war ein hässlicher offener Bruch und es gab nichts, was man für das Tier tun konnte, außer ihm die Gnade eines schnellen Todes statt langsamen Verendens zu gewähren. Es dauerte Stunden bis wir zur Weiterreise bereit waren und das extra Gewicht auf die anderen Packpferde verteilt führte dazu, dass ein weiteres Tier lahmte am Ende des folgenden Tags. Wir brauchten dringend frische Pferde und eine Pause, aber wir mussten die nächste Siedlung erreichen, sonst würden wir alle hier draußen verrecken.
Nachts lagen wir alle zusammen und teilten uns das Lager um das bisschen Körperwärme zu konservieren, die wir noch hatten. Die Temperaturen fielen stetig und als unsere vierte Woche der Reise anbrach begrüßten uns große, dicke Schneeflocken am Morgen. Alba im Winter war eine raue Gegend und erst durch den Schnee konnte ich die dunklen Augen und kleingewachsenen Gestalten sehen, die uns auf Schritt und Tritt mit Abstand folgten. Verwunderlich war dies nicht, denn dies war das Gebiet der Pikten und auch wenn wir verbündet waren, so waren die Pikten doch sehr eigen und hatten andere Bräuche und Gepflogenheiten.
In unserer aktuellen Lage allerdings war mir dies nur recht. Mein Gefährte Irmin rief nach den Spähern, da er den Dialekt der Pikten gut sprach, aber erst am folgenden Tag reagierten sie auf unsere Kommunikationsversuche. Als sie sich im Morgengrauen unserem Nachtlager näherten, taten sie dies nur vorsichtig und zurückhaltend wie Rehe, die bei jedem leisen Geräusch sofort die Flucht ergreifen würden. Es brauchte einiges an Überzeugungskunst durch Irmin bis die piktischen Späher uns als Verbündete anerkannten und uns den Weg zu ihrer Siedlung wiesen. Ich kannte den Weg zwar grob, da ich bereits vor einigen Jahren da gewesen war, aber im Winter war das Land so anders und wir waren tatsächlich ein wenig vom Weg abgekommen.
Als wir in der Siedlung ankamen, die im Dialekt der Briganten Wintertal hieß, wurden wir allerdings herzlicher begrüßt als angenommen. Es sprach sich schnell herum, wer da in der Siedlung war und Artenc war es, der uns begrüßte. Als ich vor Jahren das letzte Mal hiergewesen war im Auftrag meiner Mutter waren wir beide noch Prinzen und keine Könige, aber die Zeiten hatten sich geändert und Artencs älterer Bruder war vor zwei Wintern im Kampf gefallen und meine Mutter mittlerweile verstorben und ich freute mich sehr den Anführer der Pikten erneut zu treffen.
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03-09-2025, 11:13 PM,
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Cahir
König der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
Winter im Wintertal
Schon kurz nach unserer Ankunft bei den Pikten wurden aus den dicken, schweren Schneeflocken ein Schneesturm und die ganze Siedlung wurde leise. Aus dem Fest zu unserer Ankunft am ersten Tag wurde ein Meer aus verzagten Gesichtern und ängstlichen Menschen, die ihre Vorräte rationierten wo es nur ging. Niemand wusste wie lange dieser Schneesturm die Siedlung gefangen halten würde und wieviele Alte und Gebrechliche die Kälte davonraffen würde. Als auch noch der Fluss zufror, sank die Stimmung zum Nullpunkt.
Als der Winter am stärksten wütete, waren es die piktischen Priester und Priesterinnen, die versuchten die Götter umzustimmen. Die Gebräuche der Pikten waren ursprünglicher und wilder und es war Artenc, der als Fürst des Landes für sein Volk einstehen musste. Drei Tage und drei Nächte musste er alleine auf Geheiß der Priester die Wintergeister vertreiben in dicke Pelze gehüllt und mit den Hauern eines Ebers ins Gesicht gebunden. Als er am vierten Tag zurückkam, hörte es endlich auf zu schneien. Das Ritual hatte gewirkt und Artenc kehrte zu seinen Frauen zurück und ließ sich von seinem Volk feiern.
Trotzdem hatte der Winter seinen Tribut eingefordert und es waren die Nächte, in denen ich an Rhian denken musste. Ging es ihr gut? War alles in Ordnung? Vermisste sie mich, so wie ich sie vermisste? Fast jede Nacht träumte ich von ihr, während ich den Tag mit Artenc verbrachte und wir Pläne für eine gemeinsame Offensive gegen die Römer schmiedeten während wir auf den Frühling warteten, der Reisen wieder möglich machen würde. Die Tage konnte man leicht füllen, aber die nachts war es einsam und kalt. Meine Gefährten allerdings vergnügten sich prächtig mit den einheimischen Frauen, die die großgewachsenen Brigantenkrieger anziehend fanden.
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03-10-2025, 12:15 AM,
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Cahir
König der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
Imbolc
Der Winter war noch nicht ganz vertrieben, aber das Jahresrad drehte sich weiter und es war bereits Imbolc, als das Tauwetter einsetzte. Die Wege waren zwar schlammig, aber größtenteils passierbar, wenn man sich auskannte. Der Frost war vorbei und über lange Tage beim Feuer hatten Artenc und ich alles Wichtige besprochen. Im Sommer würden wir uns versammeln und die römischen Hunde vertreiben und mit der Hilfe der Krieger von den nördlichen Inseln, den Pikten und den Briganten hätten wir eine respektable Streitmacht.
Es gab nur einen Haken bei der Sache und dieser Haken hieß Alpia. Zum Zeichen des Bands zwischen Pikten und Brigantes sollte ich Alpia zur Frau nehmen - nunja Nebenfrau wie es bei Artencs Stamm Brauch war. Artenc selbst hatte eine Hauptfrau und sieben weitere, allesamt Töchter wichtiger Familien, die Artenc die Treue geschworen hatten. Es war keine große Sache und ich wusste, dass ich mich nicht so anstellen sollte, aber eigentlich wollte ich nur Rhian. Ich hatte kein Interesse an Alpia, obwohl diese eine Schönheit war mit ihrer dunkleren Haut sowie dem schwarzen Haar und dunklen Augen so typisch für ihr Volk. Mit dem kleinen Wuchs wirkte sie wie eine dunkle Fae.
Ich haderte mehrere Tage mit mir und hoffte, dass Rhian nicht allzu enttäuscht sein würde, ehe ich die Zeremonie mit Alpia einging und sie offiziell zu meiner Nebenfrau machte. Ich musste tun, was meinem Volk half und meine persönlichen Gefühle waren in dieser Angelegenheit nicht wichtig. Mechanisch vereinigte ich mich rituell mit Alpia um sie vor den Göttern und versammelten Zeugen in Besitz zu nehmen, ehe unsere Gruppe nur zwei Tage später mit Sack und Pack aufbrach und nun aus einem Mitglied mehr sowie zwei weiteren zusätzlichen Packpferden bestand, die Alpias Habseligkeiten und extra Proviant dabei hatten.
Die Frau sprach kaum und beklagte sich auch nicht, da meine Gefährten ohnehin schon nicht glücklich waren ein Weib mitschleppen zu müssen und unsere Rückreise dadurch noch länger dauern würde. Nachts legte sie sich zu mir, wie es ihre Pflicht als Eheweib war, aber ich hatte nur wenig Interesse an ihr und begattete sie zügig ohne viel Rücksicht auf ihre Befriedigung. Ein wenig leid tat sie mir schon, aber sie war die Tochter eines Stammesführers und wurde von klein auf auf ihre Rolle vorbereitet nahm ich an und es hätte ein anderer x-beliebiger einflussreicher Mann sein können, den Artenc für sie ausgesucht hätte. Trotzdem war ihr trauriger Blick nicht zu übersehen, wenn sie zwischen uns ritt.
Es waren bereits sechs Wochen nach Imbolc vergangen bis wir endlich wieder in Isurium eintrafen, vor Dreck starrend mit halblahmen Gäulen und wunden Ärschen und Schenkeln vom vielen Reiten. Ich wollte nur zu Rhian und mich davon überzeugen, dass es ihr gut ging und alles in Ordnung war. Doch zuerst musste ich baden und brauchte frische Klamotten...und dann musste ich auch noch einen Zeitpunkt finden diese ganze Sache mit Alpia zu erklären. Ich nahm daher den kürzesten Weg vom Stadttor zum königlichen Langhaus ohne eine große Parade, auch wenn unsere kleine Gruppe auch so unter viel Gejohle und Gepfeife und freundlichen Zurufen auf dem Weg dahin begrüßt wurde. Doch meine Augen hielten nur Ausschau nach Rhian...
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03-10-2025, 06:06 PM,
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Rhian
» K ö n i g i n der Brigantes
  
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RE: Winter im Norden
Hoffnung heißt der Morgenstern, Sehnsucht der Abendstern.
Der Tod des Militärtribun lag nun bereits einige Wochen in der Vergangenheit und dennoch hatte Rhian in manchen Augenblicken, besonders in den Nachtstunden, den Eindruck, als würde sie der hungrige Blick des Römers verfolgen. Als würde er sie aus der Dunkelheit heraus beobachten und als würden sich seine Finger nach ihr ausstrecken. “Verschwinde böser Geist.“ Zischte Rhian dann immer und sandte ein stilles Gebet an ihre Göttin, dass diesem Albtraum endlich Einhalt geboten wurde. Denn als der Körper des Militärtribuns im Moor versenkt wurde, hatte sich Rhian wohlweislich zurückgehalten. Sie hatte der Priesterin der Andraste, sowie Madoc das Feld in diesem Fall überlassen und die Göttin Andraste war voller Verzückung ob dieses Opfers. So wie sie einst verzückt war ob des Opfers des Sohnes ihres Gemahls. Ach Cahir. Niemals durfte ihr Ehemann darüber Bescheid wissen. Niemals. Denn Rhian würde den Mantel des Schweigens über diese schändliche Tat bereiten. Eine Tat, die absolut schändlich war, nicht wahr? Zumindest in ihren Augen, auch wenn Rhian bei der Berührung des Römers nicht zurückgewichen war. Welch‘ Verräterin sie doch an Cahir war. Welch‘ schändliche Verräterin. Augenblicklich ballte sie ihre Finger zu Fäusten, so fest dass ihre Fingerknöchel weißlich durch ihre Haut hindurch stachen und ihr Blick gar wild gen die Wand gerichtet verweilte. Beinahe könnte man bei Rhians Erscheinen Angst bekommen, denn in just diesem Moment wirkte sie wahrlich als hätte die Göttin höchstselbst von ihr Besitz ergriffen. Angespannt ihr Körper, bedrohlich der Ausdruck ihrer Augen.
Erst nach einigen Wimpernschlägen gelang es Rhian die Anspannung aus ihrem Körper zu vertreiben und auch ihre Finger zu lockern. Behutsam streichelte sie über ihren Bauch, der nun wahrlich eine deutliche Wölbung aufwies. Schon wollte sich Rhian daran machen und hinunter in die Große Halle gehen, als ihr eine der Knechte aufgeregt entgegen geeilt kam. Schlitternd kam eben jener junge Mann vor der Königin zum stehen, verneigte sich tief und holte im nächsten Moment ebenso tief Luft. “Der König wurde gesichtet. Der König ist auf dem Weg zurück. Er ist schon durch das Stadttor geritten.“ Sprudelte es eifrig über die Lippen des Knechtes. Während Rhian ein freudiges Gefühl in sich aufsteigen spürte. Cahir war zurück. Das schreckliche Gefühl des Verrats verdrängte die junge Königin rasch und befahl, dass in der Küche ein festliches Mahl für die Ankunft des Königs vorbereitet werden sollte. Rhian selbst strich sich über ihr hübsches Kleid und strich im selben Moment eine ihrer rotbraunen Strähnen aus dem Gesicht. Bevor sie ihre Schritte nicht minder rasch durch die Gänge trugen. Zumindest versuchte sie diesen Eindruck zu vermitteln, auch wenn sie das Gewicht der Kinder, ja es mussten zwei an der Zahl sein, zur lahmen Ente verdammte. Zum Glück keuchte sie nicht wie ein Walross, schoss es der jungen Königin durch den Kopf und ein Grinsen umspielte bei diesem Gedanken ihre Lippen. Schon trat Rhian, in Begleitung ihrer Entourage vor das Langhaus und ging ihrem König sogar etwas entgegen. Trotz der Tatsache, dass der Boden durchweicht war ob des Regens, der in den letzten Tagen gewütet hatte. Sie hatte Cahir vermisst. Schrecklich vermisst. Immer schneller wurde die junge Königin, wie sie durch den Schlamm hastete, um endlich Cahir zu erblicken. Ihm gegenüber treten zu können. “Mein König.“ Sprach Rhian mit ehrfürchtiger Stimme, als sie das Streitross ihres Gemahls erblickte und sich Cahir direkt näherte. “Mein Geliebter.“ Fügte die junge Königin mit deutlich leiserer, wärmerer und sanfterer Stimme hinten an. “Ich habe dir bereits ein Bad eingelassen.“ Rhian würde Cahir in das Bad geleiten, ihm aus seiner Bekleidung helfen und ihn anschließend in das warme Wasser verfrachten, damit er sich dort entspannen konnte. Und sich den Dreck vom Körper waschen konnte. Denn ihr Geliebter roch nicht gerade anheimelnd, wie Rhian mit gerümpfter Nase bemerkte.
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