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Unter dem Albenstern
09-19-2026, 12:34 PM,
Beitrag #1
Unter dem Albenstern
Sommer 831 A.U.C.

Ein Jahr war seit meiner Hochzeit mit Rhian vergangen und sie hatte mir wunderschöne Zwillingsmädchen geschenkt. Schon bei der Namenszeremonie hatte die Priesterin der Brigantia uns versichert, dass unsere Älteste Rhiannon einst eine mächtige Königin werden würde und lange über unser Volk herrschen würde. Das Volk liebte seine neue Königin und seine kleine zukünftige Königin noch viel mehr, die durch die Große Hochzeit entstanden war. Das Korn wiegte sich golden auf den Feldern und schon bald würde die Ernte beginnen, die dieses Jahr ausgesprochen gut ausfallen dürfte. Eigentlich war alles in bester Ordnung, das Volk zufrieden, die Kornspeicher würden sich gut füllen für den Winter und auch das Vieh stand gut im Futter und war gesund. Wären da nur nicht die römischen Hunde...

Ohne diese Bastarde einer läufigen Hündin könnte ich nun gemütlich im Bett mit meiner Frau liegen, mit meinen Verwandten frühstücken und meinen Kindern spielen. Alpia, die ich letzten Herbst als Nebenfrau angenommen hatte, hatte den Zwillingen einen kleinen Bruder geschenkt, der sie beschützen würde und ich war insgesamt sehr zufrieden, wie sich meine Familie entwickelte. Der kleine Alpin wurde einer Amme und Kinderfrau übergeben und würde hoffentlich groß und stark werden. Wortlos half ich Alpia auf ihr Pferd und nahm dann die Zügel unserer beider Pferde um sie zu Fuß zum Stadttor zu führen.

Ich hatte eine Gruppe aus Kriegern ausgewählt und auch Alpia würde mich begleiten, da wir erneut auf dem Weg zu ihrer Sippe in Alba waren. Ihre Anwesenheit würde wichtig sein, auch wenn sie lieber bei ihrem neugeborenen Sohn sein wollte. Aber man konnte nicht immer alles haben, was man wollte im Leben. Ich hätte auch lieber Rhian an meiner Seite gehabt als Alpia, aber Rhian war die Königin der Brigantes und das Herz des Königreichs - sie musste hier sein und unser Volk leiten. Auch mein Ältester Cormac wollte mich auf diese Reise begleiten und es fiel mir schwer es ihm abzuschlagen. Er war bereits 14 Jahre alt und ein junger Mann, der sich seine Sporen verdienen wollte. Aber ich brauchte ihn hier um auf die Königin und seine Schwestern aufzupassen. 

Das Stadttor wurde bereits für uns geöffnet und bevor ich auf mein Pferd aufsaß, umarmte ich Cormac fest und wandte mich dann meiner Königin zu. Der Weg bis zum Stadttor war von frohen Abschiedsrufen der Untertanen am Wegesrand begleitet worden, aber zwischen den Reisegefährten und deren Anverwandten und Frauen herrschte größtenteils Schweigen. Ich drückte Rhian fest an mich und wollte sie gar nicht loslassen. Seit der Geburt der Mädchen erschien sie mir noch schöner und glanzvoller wie eine Göttin. Aus der jungfräulichen Priesterin der Göttin war eine stattliche Mutter und Herrscherin geworden, mit der ich am liebsten jede freie Minute verbracht hätte. Ich war mir sicher, dass nichts unseren Bund und das Band aus Liebe zwischen uns zerstören konnte.

"Ich liebe dich so sehr, Rhian..." raunte ich mit rauer Stimme in das Ohr meiner Frau und hoffte, dass ich sie nicht erdrücken würde, weil ich sie so fest umarmte. Ich legte meine Stirn an ihre und schaute ihr dann tief in die Augen. "Ich werde so schnell von dieser Mission zurückkehren, wie ich kann - hoffentlich noch vor dem Winter..." Kurz senkte ich den Kopf um durchzuatmen und mich zu fangen, ehe ich Rhian zum Abschied innig küsste. Doch nun war es an der Zeit und ich trat an meinen Hengst Kajan heran und saß auf, während auch meine anderen Gefährten ihre Verabschiedungen beendeten und sich bereit zum Aufbruch machten. Ein letztes Mal streckte ich meine Hand nach Rhian aus, während mein Hengst in einen langsamen Schritt verfiel Richtung Stadttor.
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09-20-2026, 04:48 PM,
Beitrag #2
RE: Unter dem Albenstern
Sommer 831 A.U.C.

Es war wieder so weit. Cahir würde sie ein weiteres mal verlassen. Alpia, seine Nebenfrau würde ihn begleiten. Während dessen Sohn, der kleine Alpin bei den Kinderfrauen in sicherer Obhut blieb. Schweigend beobachtete Rhian, wie Cahir nach den Zügeln des Pferdes seiner Nebenfrau griff und sein Reittier, sowie das ihrige bis vor das Stadttor zu führen. Dicht an Rhians Seite stand Cahirs verbliebener unehelicher Sohn, während neben seinem unehelichen Sohn seine Töchter Shannon und Rhiannon standen. Hand in Hand und mit fiebrig glänzenden Augen ihrem Vater nachblickten, der so stattlich in diesem Moment wirkte. Wieder einmal spürte Rhian wie sie vernehmlich schlucken musste, um die Tränen zurück zu halten, die sich in ihr angestaut hatten. Doch vor ihren Töchtern, den Söhnen ihres Gemahls und ihrem Volk würde Rhian nicht weinen. Dies würde sie im Geheimen tun. Fern von neugierigen Blicken. Und so stand Rhian hoch aufgerichtet und nun auch mit einem fiebrigen glänzen in ihren Augen da. Mittlerweile war das Stadttor geöffnet und während Cahir seiner Nebenfrau auf das Pferd half, wartete Rhian vollkommen regungslos. Ihren Blick hielt sie unverwandt auf ihren Gemahl gerichtet. Bis sich Cahir schließlich in ihre Richtung wandte und sie sich in seine Arme ziehen ließ. Nach wie vor blieb Rhian stumm. Kein schluchzendes Geräusch entrang sich dabei ihrer Kehle, als sie ihre Arme um ihren Krieger, ihren Gemahl und den König legte und sich eng an den Bärtigen heran drückte. “Mein König.“ Murmelte Rhian mit leiser Stimme und hob langsam ihren Kopf an, um den Blickkontakt zu ihrem Ehemann herzustellen. Unwillkürlich versank ihr Blick tief in den Augen des Bärtigen und Rhian spürte wie ihr Herz viel zu hastig in ihrer Brust pochte. Sehnsuchtsvoll und voller Liebe für den König der Briganten. “Ich werde jeden freien Augenblick an dich denken Cahir.“ Wisperte Rhian mit leiser Stimme. Denn diese Worte waren nur für ihn bestimmt. Einzig und alleine für Cahir, ihren geliebten Ehemann. “Ich werde dich beschützen. Und mit dem Segen der Göttin wirst du reiten. Dein Pferd wird wie der Wind galoppieren und die Schwingen der Göttin werden dich sicher zu mir zurück bringen.“ Versicherte Rhian mit nun ruhiger Stimme, als sie sich dem innigen Kuss des Älteren hingab und Cahir nicht minder leidenschaftlich und verzehrend küsste. “Men Geliebter.“ Hauchte Rhian zum Abschied und band ein waidgefärbtes Tuch am Sattel seines Hengstes fest. “Dieses Tuch wird dich beschützen.“ Sprach Rhian mit rauer Stimme, die man dennoch gut hören konnte. Eh‘ sie ihre Stimme zu einem beinahe flüstern herab senkte. “Komm‘ wohlbehalten zurück zu mir.“ Schließlich trat Rhian zurück und blickte Cahir nach, der seinen Hengst in Richtung des Stadttores lenkte.
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09-23-2026, 11:33 AM,
Beitrag #3
RE: Unter dem Albenstern
Herbst 831 A.U.C

Wie auch zuvor war jeder Abschied von Rhian schmerzlich, aber wir alle hatten unsere Aufgaben im Leben und mussten diese erfüllen, auch wenn es nicht immer leicht war. Das war nicht mein erster Aufbruch aus Isurium und wenn die Götter mich mit einem langen Leben belohnten, dann war es auch bestimmt nicht der letzte Ausflug dieser Art. Ich musste nur die Augen schließen und sofort sah ich Rhians Gesicht vor meinem inneren Auge, hörte ihre liebevollen Worte, spürte ihre Küsse auf meinen Lippen, bis mich wieder das Geschwätz meiner Gefährten oder das Schnauben eines Pferdes aus meinen Gedanken riss. 

Zwei Monaten waren wir bereits unterwegs und zogen von Dorf zu Dorf, von Gehöft zu Gehöft immer weiter nach Norden und wegen des sehr schlechten Wetters kamen wir wesentlich langsamer als erhofft voran. Wir hätten bereits längst in Alba sein sollen und doch mussten wir ständig wieder Pausen einlegen, weil es so stark regnete, dass die Pferde im vollgesaugten torfigen Boden einfach einsanken und nicht weiterkamen. Zum Umdrehen war es allerdings auch schon zu spät und wir mussten weiter nordwärts ziehen, auch wenn der Winter bereits nahte. Wir würden wohl bei Alpias Sippe überwintern müssen, wenn wir weiterhin nur so schleppend vorankamen und darauf hatte ich eigentlich wenig Lust.

Der einzige Lichtblick auf dieser Reise bisher war Alpia. Sie war zwar recht schweigsam die meiste Zeit, aber ab und an sang sie uns Lieder aus ihrer Heimat vor (die wir nicht verstanden) oder erzählte ein wenig von ihrer Sippe. Auch bemühte sie sich sehr, dass sie meine Reisegefährten mochten und sie kochte gut am Lagerfeuer und verhandelte gut, wenn wir neue Vorräte kauften. Auch legte sie sich jede Nacht in mein Bett ohne zu klagen um es mir zu wärmen, auch wenn ich es vorzog beim Akt an Rhian zu denken. Es gab nun einmal einen großen Unterschied zwischen Pflicht und Liebe und mit Rhian machte die ganze Angelegenheit doch wesentlich mehr Spaß. 

Ich hoffte, dass es den Kindern gut ging - allen voran den Zwillingen, auf deren Schultern die Zukunft Isuriums lag und hoffte, dass Cormac gehorsam war und sich um Rhian, die Mädchen und Alpin kümmern würde wie ein verantwortungsvoller großer Bruder. Ich strich über das waidfarbene Tuch, dass ich mir um mein Handgelenk gebunden hatte und dachte an Rhian. Ob sie von mir träumte, so wie ich auch oft von ihr träumte? Gerade in den Stunden vor Tagesanbruch lag ich oft schon wach, während noch alle schliefen, und dachte an meine Königin. Sie war stark und würde sich um unser Volk und Land kümmern, denn daran glaubte ich fest.

Als endlich der nächste Tag anbrach, begrüßte uns allerdings ein ungebetener Gast - der Nebel. War hatten die Grenze zu Alba endlich erreicht kurz vor Einbruch des Winters, doch von hier an wurde der Weg immer unersichtlicher. Alpia führte uns geschickt durch den Nebel, der ihr wenig auszumachen schien, aber für mich sah hier alles gleich aus. Der Nebel war so dick, dass man kaum zwei Pferdelängen in die Ferne sehen konnte und selbst Gespräche und Rufe sehr gedämpft wurden und wie in weiter Ferne klangen. Es war einfach zun Mäuse melken und obwohl Alpia zuversichtlich war, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben, fühlte es sich für mich eher wie stundenlanges im Kreis laufen an...
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