RE: Nymphäum | Besuch der liebsten Cousine
Serena war so vorbildlich in ihren Worten, wie sie es in Taten war:
Sie sagte mir, dass sie sich glücklich schätzte, dass ihre Ehe so harmonisch verlief und sie sich immer gewünscht hatte, eine Mater Familias für eine große Familie zu sein. Doch dass eine Ehefrau verträglich sein sollte; ja selbst, wenn sie sich mit Furius Saturninus nicht vertragen hätte, hätte sie ihre Pflichten erfüllt und ihm die gleiche Gattenliebe entgegengebracht wie sie es tat. Männer mussten das Volk lenken, aber Frauen mussten das Volk erst einmal schaffen, wollte sagen, Kinder gebären, sprach meine Cousine. Das erinnerte mich dann auch an den Akt des Schaffens: , und ich errötere ein wenig, beugte mich vor und flüsterte:
"Aber was hättest du getan, wenn dein Mann dir gar keine...Leidenschaft entfacht oder er grob wäre oder körperlich äh...abstoßend?", denn ja, was ich auch über meinen Exmann an Ungutem sagen konnte; er hatte sich darauf verstanden, in mir Lust zu erwecken. Und seitdem wollte ich diesen Teil meines Frauenlebens auch nicht mehr missen.
Als Serena jetzt von einer Überraschung sprach, überreichte ich ihr erst einmal die Geschenke, die ich in Londinium für sie gekauft hatte (Das war noch vor der Zeit des jetzt frugalen Lebens gewesen, als mir mein Geld noch so durch die Finger flutschte)Es waren wunderschöne Seidenstoffe in Rot und Blau und eine Schmuckausgabe der Cynthialieder von Properz:
"Falls du Anregungen wünschst", lachte ich, obgleich ich schon wusste, dass Serena für Frivoles nicht zu haben war. Doch ich neckte sie gerne. Vermutlich trug sie auch keine Seide, sondern nur selbstgewebte Kleidung. Nun ja, sollte sie aus der Seide eine sündhaft verschwenderische Bettdecke machen...ich schenkte gerne Luxus.
Die Überraschung war aber, dass das Kindermädchen von Saturnina eine ausgebildete Unterhaltungssklavin für Akrobatik war. So einen Kauf hatte ich meiner Cousine gar nicht zugetraut.
Das junge Mädchen schlug Räder und Purzelbäume, machte einen Handstand und jonglierte mit Bällen. Dabei lächelte sie, was bestimmt ihrem Publikum, aber auch einem eigenen inneren Vergnügen geschuldet war.
Saturnina ließ meine Katze Katze sein und kam, um an ihre Mutter geschmiegt, zuzusehen. Auch die Amme von Carus und sogar meine eigene schüchterne Niko lächelten jetzt zaghaft. Nur Carus schlief. Er war ein so braves Kind und so niedlich mit all den Grübchen in seinen Armen und Beinen.
Ich klatschte Beifall und dann fragte ich Serena, ob ich ihrer Sklavin ein wenig Geld schenken dürfe, und ich fragte Cassia:
"Welche von deinen Nummern führst du am liebsten vor, Mädchen? Cassia heißt du, nicht wahr"
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