Forum
Der Raubüberfall - Druckversion

+- Forum (https://adlerchronik.de)
+-- Forum: Die Chroniken (https://adlerchronik.de/forumdisplay.php?fid=1)
+--- Forum: Provinz Britannia (https://adlerchronik.de/forumdisplay.php?fid=8)
+---- Forum: Iscalis (https://adlerchronik.de/forumdisplay.php?fid=9)
+---- Thema: Der Raubüberfall (/showthread.php?tid=640)

Seiten: 1 2 3 4 5


Der Raubüberfall - Tiberius Furius Saturninus - 02-16-2024

[Bild: berfall.jpg]

(02-16-2024, 10:26 AM)Tiberius Furius Saturninus schrieb: Urbicus war zwar nicht so stark wie Seasnán oder Leon, dafür aber war er der bessere Reiter, und auch er konnte mit einem Kampfstock umgehen. Beide waren sie in einfache wollene Kapuzenmäntel gekleidet und führten nur ein paar Münzen in einem Beutel mit sich. Saturninus hatte seinen Mantel allerdings mit einer besonders schön gearbeiteten  Fibel geschlossen:

[Bild: Wappen-Furier-klein-kompr.png]
Dazu hatte er, da sie nun außerhalb der Stadt waren, den Gladius seines Vaters dabei, sicher war sicher. Er beherrschte den Schwertkampf so gut, wie ein patrizischer junger Mann, der allerdings schon etliche Zeit aus der Übung war, eben auf dem Marsfeld dazu ausgebildet worden war

Nach seinem Besuch im Sereneum ritten Saturninus und sein Sklave Urbicus auf ihren beiden Mietpferden über Cheddar nach Iscalis zurück.
Mittlerweile war es spät, keine drei Stunden mehr bis Sonnenuntergang. Der Himmel hatte sich bezogen, und erste Tropfen fielen herab.

Wie schon auf dem Hinritt beschlossen sie, wieder die Furt des Iscaflusses zu überqueren. Die Zeit der Schneeschmelze war vorüber und der Isca führte zwar noch Wasser, aber das war breit und träge. In wenigen Wochen schon würden sich aus dem Sumpf eine Menge Stechmücken erheben,  bereit die Bevölkerung von Iscalis zu plagen und das Fieber zu bringen.
Die Römerstraße über die Brücke war zwar sicherer, aber sie bedeutete einen Umweg.

Der Weg zum Fluss führte Herr und Sklave durch einen Ulmenwald. Hier gab es nur einen schlammigen Pfad, und der Hufschlag der Pferde waren kaum zu vernehmen. Ein Eichelhäher warnte, und die Luft war, obgleich kühl, doch noch irgendwie drückend. Die Herbststürme hatten einige der Baumriesen umgestürzt, links und rechts oder auch über dem Weg lagen sie, und ab und zu mussten Saturninus und Urbicus absteigen, um die Pferde drum herum zu führen.

Saturninus hörte ein Summen direkt an seinem Ohr und schlug mit der flachen Hand zu: "Moskitos und das so früh im Jahr!", sagte er ärgerlich:
"Bin ich froh, wenn endlich diese Auguren kommen, um die Trockenlegung einzuleiten! Wann sind wir aus diesem Wald draußen?"

Urbicus, der dunkelhaarig, klein und behend war, grinste in sich hinein, weil sein Herr sich gerade selbst eine Ohrfeige versetzt hatte:
" Nicht mehr lange, Dominus, dann überqueren wir den Isca und danach können wir schon die Häuser von Cheddar sehen"

" Na hoffentlich", erwiderte Saturninus. Falls es doch noch regnen würde, konnten sie in Cheddar Unterschlupf finden, am liebsten bei Furiana Deirdre und seinem Söhnchen Tiberius, oder auch bei der Dorfältesten Ceridwen.


RE: Der Raubüberfall - Madoc - 02-17-2024

Louarn hatte Recht behalten! Von den vielen Sklaven, die wir aus der Mine befreit hatten, hatten etliche die darauffolgenden Wochen nicht überlebt. Viele waren doch noch der Bleikrankheit zum Opfer gefallen. Einige andere waren einfach an Erschöpfung und Hunger gestorben. Ich hatte mich für die Männer, die ich aus der Mine hinausgeführt hatte, verantwortlich gefühlt. Daher konnte ich sie nicht einfach ihrem Schicksal überlassen! Ich sorgte dafür, dass die meisten von ihnen, die noch kräftig genug waren, wieder in ihre Dörfer zurückkehrten, wo ihre Familien auf sie warteten.

Allerdings gab es auch einige, die so wie ich, keine Heimat mehr hatten, weil es diese nicht mehr gab oder weil sie dorthin nicht mehr zurückkehren konnten. Wir versteckten uns in den Wäldern um Iscalis und Cheddar. Überall und nirgends waren wir, wie ein Phantom, das in der Dunkelheit lauerte. 
Da wir nur selten länger an einem Ort bleiben konnten, bauten wir uns keine Hütten aus Lehm oder Stein, sondern nur welche aus Ästen und Zweigen, die schnell errichtet werden konnten. Wir lebten von der Jagd oder überfielen gelegentlich einige römische Gutshöfe, um uns mit frischen Lebensmitteln und anderen Dingen zu versorgen. Wir nahmen den verdammten Römern all ihr Hab und Gut und gaben es jenen, die von ihnen zuvor bestohlen worden waren. Manche der Männer wollten es den Römern richtig heimzahlen. Ich konnte sie manchmal in ihrem Blutrausch kaum zurückhalten, wenn der pure Hass über sie kam und sie nach Gerechtigkeit verlangten. Dann lebten sie ihre Wut darin aus, dass sie jeden Römer, den sie in die Hände bekamen, massakrierten, ihre Frauen und Töchter vergewaltigten und ihre Sklaven töteten, wenn sie sich uns nicht anschließen wollten. "Hängt sie in die Bäume!" riefen sie dann, denn ich hatte ihnen von dem toten Balventier erzählt, den die Druiden den Göttern an Samhain geopfert hatten. Doch sie konnten noch so viele Römer töten und ihre Körper verunstalten. All das änderte nichts an dem tiefen Schmerz, der in ihnen wohnte. Nichts vertrieb die Erinnerung an die unzähligen Schmähungen und Erniedrigungen, die sie erfahren hatten und die ihr Gemüt unwiederbringlich verletzt hatten.

Eine weitere einträgliche Quelle, um an Proviant und Geld zu kommen, waren römische Händler und Reisende, die wir auf ihren Straßen überfielen und ihnen alles nahmen, was irgendeinen Wert hatte. Manchmal auch ihr Leben. Dabei nahmen wir uns stets vor den römischen Patrouillen in Acht, denn gegen gut ausgerüstete römische Soldaten hatten wir kaum eine Chance. Denn wir waren zu Anfang nur mäßig mit Waffen ausgestattet gewesen. Doch wir nahmen alles mit, was wir irgendwo erbeuten konnten. Auch an einige Pferde waren wir auf diese Weise gekommen, denn ihre früheren Besitzer würden nie wieder reiten können.

Ich war mit einigen Männern in der Nähe der Furt unterwegs. Eigentlich hatten wir gerade Rast machen wollen. Wie üblich bewegten wir uns fast lautlos durch den Wald. Bei jedem unserer Schritte versuchten wir, das Knacken der Äste zu vermeiden. Im Gegensatz zu den Römern, die laut und unbedacht durch den Wald streiften, verständigten wir uns lediglich durch Handzeichen. Als ich von weitem Stimmen vernahm, hielt ich inne und bedeutete den anderen, das Gleiche zu tun. Sofort versteckten wir uns in den Büschen und in den Bäumen und warteten darauf, dass die beiden Reiter, die sich so lautstark durch den Wald bewegten, näher kamen. Da einige umgestürzte Bäume ihnen den Weg versperrten, mussten sie absteigen. Das war unsere Chance, uns die beiden vorzunehmen. Den Römer und seinen Sklaven könnten wir mit Leichtigkeit überwältigen. Auf mein Zeichen hin stellten ich und drei weitere  bewaffnete Männer uns den beiden in den Weg. Zwei sprangen von den Bäumen und versperrten ihnen den Rückweg. "Nehmt die Hände hoch, dann wird euch vielleicht nichts passieren!" rief ich ihnen mit gezogenem Schwert in bestem Latein zu. Einige meiner Männer, die verstanden hatten, was ich gesagt hatten, begannen leise zu kichern. Denn den beiden würde definitiv etwas passieren! Mir fiel sofort die fein gearbeitete Fibel ins Auge, die der eine Kerl trug und die seinen Mantel zusammenhielt. Ich  ging auf ihn zu und versuchte sie mit meinem Schwert zu entfernen. Er würde sie schließlich nicht mehr brauchen, wenn wir mit ihm fertig waren.


RE: Der Raubüberfall - Tiberius Furius Saturninus - 02-17-2024

Wieder musste Saturninus absteigen. Diesmal verengte sich der Pfad so sehr, dass er und Urbicus hintereinander gehen mussten:
"Wie Varus in Germanien", murmelte er: "Bevor die Wilden angriffen", der Gedanke an die fatale Varusschlacht schien ihm ein böses Vorzeichen und kurz berührte er seine Männlichkeit, bevor er weiterstapfte. Dieser Wald war kein germanischer Urwald, aber er hatte entschieden etwas Unwirtliches, fand er.
Urbicus schien sich vom Wald nicht beeinflussen zu lassen: "Warst du schon einmal in Germanien, Herr?", fragte er.

Saturninus wollte gerade antworten, als das Unheil herein brach. Keine Germanen natürlich, Kelten. Vier von ihnen tauchten urplötzlich aus dem grünen Schatten des Waldes auf und stellten sich ihnen in den Weg. Ihre Mienen verhießen nichts Gutes.

Urbicus schaute sich um, ob sie sich nicht auf ihre Pferde schwingen und ihr Heil in der Flucht suchen sollten, doch der Rückweg wurde von zwei anderen Männern versperrt, die sich genauso unerwartet zwischen den Bäumen hervorschälten wie die vier anderen.
Sie waren bewaffnet, wenn auch primitiv, aber der, der vermutlich ihr Anführer war, zog ein ganz passables Schwert.

"Nehmt die Hände hoch, dann wird euch vielleicht nichts passieren!" rief er ihnen auf Latein mit starkem Akzent und gezückter Waffe zu. 

Der große Blonde kam jetzt auf Saturninus zu. Mit der Schwertspitze versuchte er, ihm die Spange, mit der sein Mantel über der Schulter zusammen gehalten wurde, wegzunehmen.

Saturninus war eher verblüfft darüber, dass die Kanaille sich erdreisten wollte, ihn zu bestehlen, als dass er gerade Angst verspürte. Um Angst zu haben war alles zu schnell gegangen. Er zog sein eigenes Schwert unter seinem Mantel hervor und schlug mit einem Hochziehen seiner Klinge von unten die Spitze des anderen weg:

"Du wagst es, mich zu belästigen? Willst du am Kreuz enden, Kelte?", fragte er und seine dunklen Augen funkelten. 

In seinem Kopf arbeitete es fieberhaft. Die Überschaubarkeit der Provinz hatte ihn schon oft dazu verführt, alleine oder nur mit einem Sklaven zusammen unterwegs zu sein, zumindest wenn es nur die Strecke bis nach Cheddar und Umgebung  ging. Jetzt hatte er sich durch eigenen Leichtsinn in Gefahr gebracht.
Der Furius dachte kurz an Serena, seine Frau und an seine kleine Saturnina, seine Tochter. Er wollte beide gerne wieder sehen. Wenn die Kelten nur seine Brosche haben wollten, sollten sie sie haben, sie war viel weniger wert als sein Leben. 
Aber wer wusste, ob sie sich damit zufrieden geben würden? Das hing bestimmt davon ab, wer sie waren: Einfach nur eine Diebesbande oder Männer, die einen wirklichen Grund hatten, Römer bis aufs Blut zu hassen? Im letzteren Fall wäre es hier vermutlich hier zu Ende. 
Doch auf Knien sterben würde der Patrizier nicht. 

Seinen Gladius hielt er in Hüfthöhe mit der Spitze nach unten. Das sah aus, als würde er keinen Wert auf Deckung legen, war aber eine gute Ausgangslage, einen weiteren Schlag abzublocken.

Urbicus nahm nun seinen Stock und ging neben seinem Herren in Kampfstellung, um ihn zu beschützen. Saturninus warf dem Sklaven einen kurzen Blick zu:
"Sag ihnen, wen sie vor sich haben", befahl er: "Und frage sie, wer sie sind und was sie wollen"

"Das ist der edle Furius Saturninus, Princeps Officii der Provinzialverwaltung. Wer seid ihr und was wollt ihr?", sprach Urbicus. Er und sein Herr sahen zu dem großen Blonden, der das Wort führte: Urbicus wachsam und aufmerksam, Saturninus mit dem Ausdruck unverhohlener Arroganz.


RE: Der Raubüberfall - Madoc - 02-19-2024

Unter seinem Mantel verbarg der Römer ein Schwert, das er nun zog, um mein eigenes abzuwehren, als ich versuchte, die hübsche Fibel von seinem Mantel zu lösen. Meine Männer machte das natürlich sehr nervös, insbesondere da nur einer von ihnen ein weiteres, wenn auch recht stumpfes Schwert gezogen hatte, das dennoch zum Stechen geeignet war. Drei meiner Männer waren lediglich mit Dolchen bewaffnet und einer trug einen Knüppel.
In der typisch arroganten Art, die Römern eigen ist, sprach er mich an. "Und du? Möchtest du ausgeweidet an einem Baum hängend enden?" gab ich ihm zur Antwort. "Deine Fibel gefällt mir! Gib sie mir!" forderte ich ihn auf.

Der Sklave des Römers zeigte Mut. Er stellte sich in abwehrender Haltung mit seinem Stock neben seinen Herren. Warum er das tat, konnte ich nicht verstehen. Für den Römer war er doch nichts weiter als ein belebtes Werkzeug, ein Hund, der zu Füßen seines Herrn lag. Um dies zu unterstreichen, befahl dieser ihm, uns seinen Namen zu nennen und uns zu fragen, wer wir waren.
"Namen sind nur Namen, die mich kein bisschen interessieren, Römer! Du bist nur ein weiterer arroganter römische Mistkerl, der mit seiner puren Anwesenheit unser Land besudelt! Und dein Sklave? Er könnt sich uns anschließen, dann wäre er frei, so wie wir!"
Ich richtete meinen Blick auf den Sklaven und sprach ihn direkt an. "Warum möchtest du dein Leben für diesen Römer opfern? Glaubst du, er würde dasselbe für dich tun? Sicherlich nicht! Also schließe dich uns an und sei ab sofort ein freier Mann!"


RE: Der Raubüberfall - Tiberius Furius Saturninus - 02-21-2024

Saturninus zog einen Moment lang seine Augenbrauen zusammen. Ausgeweidet an einem Baum zu hängen, das war das, was die Barbaren mit ihren Gefangenen anzustellen pflegten, wenn sie sie ihren grausigen Göttern opferten.

Als sich der Sprecher der Gesetzlosen jetzt aber an seinen eigenen Sklaven wandten, um ihn zu überreden, sich ihm anzuschließen, war er sich fast sicher, entlaufene Minensklaven vor sich zu haben. 

Urbicus schwieg natürlich und blieb in wachsamer Haltung stehen. Saturninus hatte von ihm nichts anderes erwartet. Es war ein Denkfehler, dem entkommenes Sklavenpack schon seit Spartacus anheim fiel: Das nämlich gute, vernünftige Sklaven ihresgleichen wären!
Urbicus stammte aus Rom, und er war seinem Dominus ergeben. Frei würde er eines Tages sein: Vor dem Gesetz als furischer Freigelassener, nicht als Dieb und Mörder.

"Schade, dass du mir nicht deinen Namen verrätst, denn dann können wir ihn ja nicht auf dein Kreuz schreiben", bemerkte der Furius. 

Die Kerle hatten nichts zu verlieren. Wie wütende Hunde waren sie, daher war es besser, ihnen keine Angst zu zeigen. Aber man musste sie auch nicht weiter reizen. Es gab einen Unterschied zwischen persönlichem Mut und Tollkühnheit.

Saturninus zog seine Fibel ab und warf sie dem Kelten zu:

"Ich schenke sie dir, Fremder. Die zwei Federn und der Vollmond stehen übrigens für meine Gens. Du wirst sie also nicht gut verkaufen können.
Lass uns diesmal ohne Blutvergießen auseinander gehen. Das nächste Treffen mag dann anders verlaufen"
, er blieb wachsam und bereit, sich zu wehren.

Es stand zwei gegen sechs. Es stand für die Römer schlecht, und Saturninus wusste das.


RE: Der Raubüberfall - Calum - 02-22-2024

Die Fiebel, die auf dem Boden landete, blieb nicht lange unversehrt. Bevor jemand sich wagte, sie aufzuheben und damit seine Deckung zu senken, gab es ein hörbares "Pffft" gefolgt von einem blechernen Knacken, bevor das gute Stück von einem Pfeil durchbohrt wurde. Als nächstes war eine Stimme zu hören, die über den Pfad schallte. Jung klang sie, aber auch so autoritär wie ihr Urheber es aufzubringen vermochte:
"Bleibt zurück und lasst die Römer ziehen!", rief der Schütze, der mit dem Schuss seine Fertigkeit unter Beweis hatte stellen wollen. "Ich töte drei von euch, noch ehe ihr mich erreicht und einen Vierten danach. Rettet euer Leben und alle Anwesenden leben noch ein wenig länger!"

Calum hockte auf einer breiten Astgabel und hatte einen guten Überblick über die Situation. Hatte er sich doch nicht geirrt und wirklich Stimmen gehört. Sechs gegen Zwei. Keine gute Chancenverteilung, selbst mit ihm. Eine Chancenverteilung, die seit kurzem sehr häufig vorkam. Nicht nur Legionäre oder römische Schufte wurden in den Wäldern verschleppt, ausgeraubt und getötet, auch Familien und sogar Kinder wurden von den wildgewordenen Horden massakriert.
Die letzten Wochen - Monate beinahe - hatten ihn einige unvorhergesehene und unglückliche Umstände davon abgehalten, diesen Wald in Richtung Iscalis zu verlassen. Diese Gruppe keltischer Krieger war nicht dieselbe, mit der er es zu tun bekommen hatte. Gekleidet in warme Hosen und Kleidung, die einen vor den Elementen schützte, zudem mit einer Kapuze vermummt, wartete Calum ab, wie der Anführer der Gruppe reagieren würde. Er war zum Töten ausgebildet worden. Er würde bestimmt nicht zögern.


RE: Der Raubüberfall - Madoc - 02-24-2024

Ich warf dem Römer nur ein müdes Lächeln zu. Zwar versuchte er seine Furcht vor uns zu überspielen, doch ich konnte förmlich seine Angst riechen. Da half auch sein Duftwässerchen nichts, das er aufgetragen hatte.
Sein Sklave rührte sich auch nicht, als ihm anbot, mit uns zu kommen. Ob er sich dadurch etwas von dem Römer erhoffte? Doch der Römer würde bald schon tot sein und wenn er sich gegen uns entschied, würde er mit ihm sterben.
Der Römer löste nun selbst die Fibel aus dem Stoff seines Mantels und wollte sie mir schenken. Doch statt sie mir zu geben, warf er sie vor meine Füße. Cadfan, der Mann, der neben mir stand und ebenso ein Schwert trug, wollte sich bereits danach bücken. Jedoch hielt ich ihn mit einer Handbewegung davon ab, denn auf diese Weise hätte der Römer für einen kurzen Moment einen Vorteil, den er mit Sicherheit nutzen würde.
"Hast du noch mehr zu bieten, als diese Fibel und dein jämmerliches Leben?" fragte ich ihn. Doch im nächsten Moment hörte ich dieses Geräusch eines heranfliegenden Pfeil. Er war zwischen uns hindurchgeflogen und hatte die Fibel am Boden getroffen. 
Ich sprang geistesgegenwärtig zur Seite auf den Römer zu, packte ihn und verschanzte mich hinter ihm. Dann legte ich ihm die Klinge meines Schwertes an seine Kehle. Cadfan und Idris, der Mann der hinter dem Sklaven stand, kümmerten sich um den Sklaven und überwältigten ihn mit Idris‘ Knüppel. Cadfan, der seine Deckung hinter dem Sklaven fand, sah sich um und versuchte herauszufinden, woher der Pfeil gekommen war, während die anderen meiner Männer nun auch verunsichert in Deckung gingen. In einem Baum vor uns erkannte er ihn schließlich. Er trug die Kleidung der Einheimischen.
"Warum sollte ich das tun?" rief ich dem Mann im Baum entgegen. "Keine Sorge, wir können unsere Beute teilen, wenn es dir darum geht. Wer bist du?"


RE: Der Raubüberfall - Tiberius Furius Saturninus - 02-25-2024

Der Räuberhauptmann schien den geheimnisvollen Bogenschützen weder zu kennen noch zu wissen, auf wessen Seite er stand. Das wusste Saturninus ja auch nicht. Er konnte genauso gut ein weiterer Krimineller sein, der es ebenso auf ihn abgesehen hatte wie der erste.

Nun hatte der Rotblonde Saturninus überrumpelt und nahm ihn als Geisel, in dem er ihm sein Schwert an seine Kehle setzen.
Wenn jemand einem eine Klinge an die Kehle setzte, wollte er ihn nicht töten – zumindest nicht sofort. Um ihn zu töten, wäre es einfacher gewesen, einen Stich von vorne zu führen, ging es dem Römer durch den Kopf. Wie ein Unbeteiligter fühlte er den kalten Stahl, dieses Unbeteiligtsein selbst  war kein gutes Zeichen.
Saturninus schloss mit seinem Leben ab. Wieder dachte er an Serena. Vielleicht würde er noch einen Sohn haben. Postumus würde er heißen – nach dem Tod des Vaters auf die Welt gekommen….

Sein Peiniger rief jetzt dem Bogenschützen etwas auf Britonisch zu. 
Saturninus wusste nicht, um was es ging. Vielleicht wie sie die Beute teilen wollten? Dieser Gedanke riss ihn seltsamerweise aus seiner Lethargie, mehr als es die Angst um sein Leben vermocht hatte. Er, Bürger Roms und Patrizier, würde keine leichte Beute für dreckige Barbaren sein... 
Er nutzte den Augenblick der Ablenkung, als sein Feind seine Stimme gebrauchte, ließ seinen Körper plötzlich sacken und verlagerte seinen Schwerpunkt in die gleiche Richtung.  Durch die Drehung verletzte er sich an der Klinge des anderen, womit er bei diesem Manöver gerechnet hatte. Der Schnitt traf jedoch nur die linke Schulter,  nicht seinen  Hals. Sein Tunikaärmel färbte sich rot. Saturninus ignorierte die Blutung. Um Schmerzen zu spüren, hatte er zu viel Adrenalin im Blut.  Gleichzeitig mit dem Einknicken seines linken Beines, riss er den Ellenbogen seiner Schwerthand hoch. In dieser Position nützte ihm der Gladius nichts, doch er schlug so kräftig wie er nur konnte, den Schwertgriff nach hinten.

Einen kurzen Moment lang stand er frei.  Das reichte ihm, jenen unbeteiligten, kalten Geisteszustand endgültig zu sprengen:

"Sklave, schlag diesen Hund tot!“

Urbicus Stock war kein einfaches Stück Holz; wie viele Leibwächter hatte er, um das Waffenverbot in Städten zu umgehen, dessen Inneres mit Metall beschwert. Der Stock war wie eine Verlängerung von Dominus Saturninus Willen in seinen Händen. Mit einem Kampfschrei versuchte der Furiersklave, auf den rotblonden Kelten einzudreschen.

Saturninus rechnete immer noch nicht damit, an diesem Tag mit dem Leben davon zu kommen. Die Angreifer waren mehr, viel mehr. Zwei, drei mochten sie mit sich in die Unterwelt nehmen…  und wenn der unbekannte Bogenschütze noch einmal schoss, war es das ohnehin gewesen.


RE: Der Raubüberfall - Calum - 02-25-2024

Calum war erstaunt, wie schnell die Räuber reagierten. Sie taten genau das, was ihm seinen Job schwerer machte und nahmen die Römer als Geisel, die sich dann wieder befreiten und sich gleich darauf in eine Schlägerei begeben wollten. Sie alle wussten, dass die beiden nicht die geringste Chance hatten. Nun, nicht ohne Hilfe...
Sein Pfeil flog und tötete einen der Männer auf der Stelle. Er wurde von den Füßen gerissen und blieb reglos liegen, denn das Geschoss war ihm mitten ins Auge geflogen. Er spürte, wie etwas in ihm starb. Sie waren erzogen worden, die Kelten zu schützen und die Römer zu töten wo es nur ging. Hätte er im Leben andere Entscheidungen getroffen, dann hätte er nun auf der Seite der anderen gestanden. Denn nur ein toter Römer war ein guter Römer.
Doch in den letzten Wochen waren entkommene Sklaven und edle keltische Krieger zu Vagabunden, Verbrechern und Monstern verkommen. Einmal abgesehen von den zahlreichen echten Verbrechern, die in den Minen geschuftet hatten. Dieser Mann war nicht der erste von ihnen, der durch Calums Pfeil gestorben war. Er würde vermutlich auch nicht der letzte sein. Calum wusste nicht, warum er diese Entscheidungen getroffen hatte. Doch er hatte eine wage Ahnung. Wenn Dunduvan das herausfand, dann würde es mächtig Ärger geben. Doch die Zeit für hilfloses Danebensitzen war nun endgültig vorbei, so schien es.
Calum legte einen zweiten Pfeil auf die Sehne, zog, zielte und traf einen weiteren der Männer, wenn auch nur in der Schulter. Er fiel dennoch hin, von den Schmerzen arg gebeutelt. Nur wenige von den Entkommenen waren echte Krieger, die solche Schmerzen aushielten.
Zwei von sechs. Und sie hatten ihn noch nicht einmal ansatzweise erreicht. Wenn sie so weitermachten, würden sie alle sterben.
"Verschwindet!", brüllte er zornig, während er den dritten Pfeil aus dem Köcher zog.


RE: Der Raubüberfall - Madoc - 02-26-2024

In einem flüchtigen Moment der Ablenkung hatte der Römer die Gelegenheit ergriffen, sich aus meinem eisernen Griff zu befreien. Bei diesem verzweifelten Versuch zog er sich eine Wunde an der Schulter zu, die durch das kalte Metall meiner Klinge verursacht wurde. Fast zeitgleich rief er seinem Sklaven eine Anweisung zu, der sich ebenfalls aus seiner misslichen Lage befreien sollte. Doch Donalls Knüppel hatte ihn bereits kampfunfähig gemacht.
Als ein weiterer Pfeil Cadfan direkt ins Auge traf und dieser vor Schmerzen zusammenbrach, schien der Sklave wieder zu sich zu kommen. Doch Idris zeigte kein Erbarmen mit ihm und durchtrennte ohne zu zögern die Kehle des Sklaven mit seinem scharfen Messer. Warmes Blut spritzte aus der klaffenden Wunde, als das Leben aus dem zusammensackenden Mann wich. Idris beobachtete das fasziniert und war dadurch abgelenkt, was ihm dann zum Verhängnis wurde, denn sonst hätte ihn vielleicht nicht der zweite Pfeil des Fremden getroffen.

"Verdammter Verräter!" schrie ich zu dem Kerl, der immer noch in seinem Baum saß und in kürzester Zeit zwei meiner Männer getötet hatte. Ich ließ nun endgültig von dem Römer ab und rief meinen Männern zu, dass sie sich zurückziehen sollten. Zum Abschied versetzte ich dem Römer noch einen kräftigen Tritt und dann verschwand auch ich. Mit dem Herz in der Kehle und dem Adrenalin in den Adern, stürmte ich durch das Unterholz, die Zweige peitschten gegen mein Gesicht, doch ich nahm es kaum wahr. Mit aller Kraft versuchte ich, so schnell wie möglich unsere Pferde zu erreichen, bevor der Römer uns nachsetzen konnte.

Verdammt, auch wenn der Römer uns nun nicht nachstellen würde, so hatte er dennoch unsere Gesichter gesehen und würde nach uns suchen lassen! In Zukunft würden wir noch vorsichtiger sein müssen, wenn wir nicht am Kreuz enden wollten.