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RE: Auf dem Forum - Accia Prisca - 02-20-2023

Nach zwei Wochen, die Prisca sich nie weiter von ihrer Wohnung entfernt hatte, als sie sehen konnte, von gelegentlichen Abstechern zum Badehaus abgesehen, hatte Miriam darauf bestanden, dass sie in die Stadt gehen sollten. Eigentlich wollte Prisca nicht, für den Fall, dass ihr Bruder zurückkommen würde und sie dann nicht zuhause wäre, aber Miriam hatte darauf bestanden, dass sie sich einmal vernünftig umsahen und Prisca vielleicht auch mal ein paar Mädchen ihres Alters kennenlernen würde, um Freundschaften zu schließen. Und ja, Prisca vermisste ihre Freundinnen, ganz schrecklich sogar. Sobald sie das Geld auf die Seite gelegt hatten für den Boten, wollte sie ihnen auch unbedingt schreiben und hoffentlich bekäme sie dann auch Antwort aus Londinium von ihnen zurück. So, wie es jetzt war, war es so furchtbar einsam. Und trostlos.

Und so lief sie auch über das Forum, als sich dort eine größere Traube bildete. “Sieh mal nach, was los ist“, ermutigte Miriam sie. Prisca wollte eigentlich lieber nicht, denn da waren so viele Leute, und vor allen Dingen so viele Männer, und überhaupt, das war so viel Getümmel und sie fühlte sich nicht recht wohl dabei. Aber Miriam schubste sie in die Richtung, so dass sie gehen musste.
Neben ihr war ein nett aussehender Mann, der auch gerade las, was los war. Als der sich umdrehte und losging, fiel ihm eine Schreibtafel zu Boden, was der aber im Getümmel gar nicht zu merken schien. Und auch sonst wohl keiner, denn die anderen traten beinahe darauf, als Prisca sich schon bückte und die Tafel aufhob. Einer der Männer wäre sogar beinahe auf ihre Hand getreten. Sie zog sie eilig zurück und wurde auch noch dafür angeraunzt. “Pass doch auf, Mädchen!“
“Entschuldigung“, murmelte Prisca und stand mit gesenktem Kopf wieder auf. Kurz sah sie sich um, aber der Mann war weg. Sie ging zu Miriam, die Tafel fest an sich gedrückt, um sie nicht zu verlieren.
“Und, was gibt es?“ fragte ihre Amme neugierig. “Was hast du denn da?“ deutete sie dann auch gleich auf die Tafel.
“Die hat jemand verloren. Aber ich… oh, da drüben läuft er“, entdeckte sie den Mann und lief schnell los, eine wild fluchende Miriam hinter ihr.
“Salve! Moment! Du hast etwas verloren!“ rief sie, als Prisca schnell zu dem Mann lief, der zwei anderen Männern unterwegs zu sein schien. Alle drei hielten an, und sie kam sich plötzlich dumm und ertappt vor, als hätte sie was verbotenes gemacht. Dabei wollte sie ihm nur die Wachstafel wiedergeben. Sie blieb auch stehen und versuchte, mich etwas kleiner zu machen, als sie war, indem sie nach unten schaute und die drei nicht so direkt ansah. Wenn sie sie im Gegenzug auch nicht ansahen, würden sie dann das lange Gesicht vielleicht nicht bemerken, oder die nur dezent ausgeprägte Oberweite, oder dass sie einfach für eine Frau viel zu lang und zu dünn war, um wirklich hübsch zu sein. Das funktionierte zwar selten, aber Prisca gab die Hoffnung nicht auf, dass es diesmal vielleicht doch funktionierte.
Miriam kam schnaufend hinter Prisca zum stehen und stieß sie dann auch an, damit sie weitermachte. Wenn sie schon angefangen hatte, musste sie auch bis zum Ende durchhalten, und nicht auf halbem Weg kneifen. Zumal einer der Männer von Stand zu sein schien, denn er hatte gleich zwei Sklaven dabei.
Prisca schluckte und streckte den Arm mit der Tafel leicht nach vorne, so dass der Mann, der sie verloren hatte, es sehen konnte, und sie ihr vielleicht abnehmen konnte. “Die ist dir beim Aushang runtergefallen. Ich dachte, vielleicht ist sie wichtig“, sagte sie viel zu leise und bemühte sich, eine trotzdem einigermaßen würdige Erscheinung abzugeben.


RE: Auf dem Forum - Marcus Sabinius Merula - 02-20-2023

Wir waren ein paar Schritte gegangen, aber dann brauchte ich eine Pause. Mein verfluchtes Bein begann wieder zu schmerzen. Ausgerechnet jetzt, wo wir schon so weit gekommen waren. Ich wollte doch noch zur Zivilverwaltung! 
[Bild: Midaskl.jpg] | Midas
"Ah", seufzte ich leise mit schmerzverzerrtem Gesicht, denn ich wollte keine Aufmerksamkeit erregen. Aratas hielt sofort an und musterte mich, ob alles in Ordnung mit mir war. "Dominus, ist alles in Ordnung mit dir?", fragte Midas besorgt. Auch er war sofort stehen geblieben und überlegte, wie er mir helfen konnte. "Möchtest du dich setzen, Dominus? Dort drüben steht eine Bank!" Der Sklave deutete auf eine steinerne Bank, die nur wenige Schritte entfernt von uns war. Doch ich schüttelte den Kopf. Nein, da musste ich jetzt einfach durch und die Zähne zusammenbeißen! "Nein, nein! Ist schon gut! Es war nur ein kurzer Moment. Es geht wieder. Dieses verdammte nass-kalte Wetter ist daran schuld!" Britannia im Winter konnte zuweilen einfach nur widerlich sein. Ich sehnte mich nach dem Sommer, der zwar auch oft verregnet war. Doch zumindest war es etwas wärmer.
Als ich meinen Sklaven zu verstehen gab, weiter zu wollen, erschien plötzlich eine junge Frau, die meinen Sklaven Midas ansprach. In der Hand hielt sie eine Wachstafel, die genauso aussah, wie die, die ich Midas anvertraut hatte, bevor wir aufgebrochen waren. Midas bemerkte nun auch, dass er offensichtlich die Tabula verloren hatte, was ihn sehr verlegen machte. "Oh, das ist tatsächlich unsere Wachstafel! Mein Sklave muss sie wohl verloren haben. Vielen Dank! Das war sehr aufmerksam von dir!" stellte ich fest und lächelte sie an. Sie war zwar nicht gerade eine Schönheit im klassischen Sinn, aber sie hatte ein hübsches Gesicht. Aber im Grunde war das auch nicht wichtig. Ich machte mir nichts daraus, nach hübschen Frauen Ausschau zu halten, denn welche Frau war schon auf einen Krüppel versessen? Aber dennoch wusste ich, was sich gehörte und stellte mich ihr vor.  "Salve, ich bin Marcus Sabinius Merula. Und mit wem habe ich das Vergnügen?" Eine ältere Frau, wahrscheinlich ihre Amme, kam plötzlich schnaufend neben ihr zu Stehen und es war nicht zu übersehen, wie sie sie anstieß. Wahrscheinlich sollte dies ein Ansporn sein, nicht wie ein Fisch zu verstummen. 
Midas hatte inzwischen wieder die Wachstafel entgegengenommen und bedankte sich kleinlaut bei der jungen Frau. Er wusste, dass er deswegen nichts zu befürchten hatte, Trotzdem war es ihm unangenehm.


RE: Auf dem Forum - Accia Prisca - 02-20-2023

Der Sklave, der die Tafel hatte fallen lassen, nahm Accia Prisca die Tafel vorsichtig ab und murmelte einen Dank, was allein schon genug war, um sie leicht erröten zu lassen. Sie wusste nicht wirklich, was sie jetzt machen sollte, so weit hatte sie nicht gedacht. Sie wollte nur behilflich sein und war es eher gewohnt, dass Männer sie wie Luft behandelten. Das war auch nicht weiter schlimm, dann bekam sie wenigstens nicht ihre häufig nicht gerade netten Kommentare über sie mit. Wobei manche sich nicht einmal die Mühe machten, darauf zu warten, dass sie das nicht mehr hörte. Nur, wenn ihr Vater anwesend war, hatte sich niemand getraut, etwas zu sagen. Manche hatten ihr dann sogar Komplimente gemacht. Aber Prisca hatte schon früh gelernt, dass das, was Menschen in Gegenwart ihres Vaters sagten, nicht unbedingt das war, was sie dachten, und dass ein ausgesprochenes Kompliment hinter einer Sichtwand ganz schnell in ein gemeines Wort umgedreht werden konnte.

Der Mann in der Mitte sprach sie an und stellte sich vor. “Accia Prisca, Tochter von“, murmelte sie leise los, ehe sie einen dezenten Stupser von hinten bekam. Sie wusste ja, sie sollte laut und deutlich reden, aber das hier war ein erwachsener Mann, der sie ansprach, und ihr Vater war tot und nicht einmal ihr Bruder war da, da war das nicht so einfach. Sie holte noch einmal Luft. “Accia Prisca, Tochter von Marcus Accius Priscus. Es ist mir eine Ehre, dich kennen zu lernen, Marcus Sabinius Merula.“
Gut, es war eine Floskel, die nicht dadurch besser wurde, dass sie beständig auf den Boden starrte, anstatt ihm ins Gesicht zu sehen. Aber wahrscheinlich war sie so groß wie er, wenn sie wirklich gerade stand, und das mochten die meisten Männer nicht. Trotzdem versuchte Prisca, ihn anzusehen, wenn auch nur kurz, damit sie nicht ganz so unfreundlich und schüchtern wirkte. Es war von weniger Erfolg gekrönt, als Miriam wohl lieb war, und so sah sie nur flüchtig, dass er etwas älter als sie sein musste, wenn auch nicht so alt, wie ihr Bruder Florus, und mit definitiv mehr Haupthaar gesegnet.
Und sie sollte besser darin werden, sich zu unterhalten. Nur worüber unterhielt man sich mit einem Fremden? “Ich hoffe, es war nichts wichtiges auf der Tafel?“ Was besseres fiel ihr nicht ein, wonach sie ihn fragen konnte. Sie war noch nicht lange genug hier, als dass sie wissen würde, wer er war. Und die Wahrscheinlichkeit, dass er ihren Vater oder ihren Bruder kannte, war ihrer Ansicht nach nicht gerade groß.


RE: Auf dem Forum - Marcus Sabinius Merula - 02-21-2023

Die junge Dame vor mir war sehr schüchtern. Ich verstand sie kaum, als sie sich vorstellen wollte, doch ihre Amme sorgte dafür, dass sie laut und deutlich sprach. Man hätte sich vielleicht darüber amüsieren können. Ich jedoch verkniff mir ein Grinsen, denn ich konnte ihr nachfühlen, wie es war, wenn man sich in seiner Haut nicht wohlfühlte. Außerdem sprach ihre Scheu dafür, dass sie aus gutem Hause stammte und tugendhaft war. Junge Frauen, die zu selbstsicher durchs Leben gingen, waren später oft aufmüpfig und konnten zuweilen unleidlich sein.

"Accia Prisca, die Ehre ist ganz auf meiner Seite!" antwortete ich ihr lächelnd. Irgendetwas sagte mir der Name Accia. Ich glaubte, den Namen ihres Vaters bereits schon einmal gehört zu haben. Aber ich konnte mir zu dem Namen kein Bild machen. Im Laufe meiner Dienstzeit bei der Legio waren mir unzählige Namen begegnet. Sicher war da auch ein Accius dabei gewesen.

Die junge Accia schien ein wenig Selbstvertrauen gewonnen zu haben, da sie nicht wieder verstummte, sondern die kühne Frage stellte, ob etwas Wichtiges auf der Tafel vermerkt worden war. "Ach nein, nur ein paar Notizen zu meiner Dienstzeit. Wir waren gerade auf dem Weg zur Zivilverwaltung. Ich wollte meinen Anspruch auf…" Wie aus dem Nichts heraus traf mich wieder ein starker stechender Schmerz, der mir beinahe die Luft zum Atmen nehmen wollte. Erneut verzerrte sich mein Gesicht aufgrund des Schmerzes. Erst als dieser wieder abebbte, war ich wieder in der Lage, die Anspannung in mir etwas zu lösen. 

"Liebe Accia, wollen wir uns nicht dort drüben auf diese Bank setzen? Mein Bein macht mir heute wieder besonders schwer zu schaffen." Ich wies auf die Bank, die Midas zuvor für mich entdeckt hatte. Ich für meinen Teil musste mich einfach setzen, wenn ich später nicht nach Hause getragen werden wollte. Daher setzte ich mich mit Aratas Hilfe bereits in Bewegung zu der rettenden Sitzgelegenheit. Wahrscheinlich genügte das bereits, die junge Accia so sehr zu verschrecken, dass sie nun die Flucht vor mir ergriff.


RE: Auf dem Forum - Accia Prisca - 02-21-2023

Er war nett zu ihr, obwohl er es nicht sein musste. Er hätte auch einfach weggehen können, aber er blieb, um sich mit Accia Prisca zu unterhalten. Und sie bemerkte das durchaus und fragte sich ein kleines bisschen, warum er das tat. Vielleicht war er einfach nett?
Er fing auch an, zu reden und erzählte, was auf der Tafel war, als er auf einmal stoppte. Bislang hatte sie auf den Boden gesehen, aber da blickte sie dann doch auf und sah, wie sich sein Gesicht verzerrte und sein Sklave ihn auch gleich stütze, und erst jetzt bemerkte sie den Stock. Oh, sie war wirklich unaufmerksam, sowas hätte ihr viel früher auffallen müssen, und dann hätte sie von selbst darauf kommen müssen, dass er nicht so lange stehen sollte. Peinlich berührt sah sie kurz einmal zu Miriam, die aber eine scheuchende Geste machte, sie solle mit ihm mitgehen.Sie war sich nicht so sicher, ob das denn wirklich angemessen war, aber eine Einladung ausschlagen war es auch nicht. Und ebenso war jetzt die frage, sollte sie ihn auf sein Bein, das offensichtlich verletzt war, ansprechen, oder lieber nicht und so tun, als hätte sie nichts bemerkt? Er war ja nicht blöd und wusste, dass sie es bemerkt hatte, aber war es jetzt unhöflicher, zu fragen, oder so zu tun, als wäre nichts?

Accia Prisca folgte zu der Bank und setzte sich in züchtigem Abstand, dass sie beide sich nicht berührten und er genug Platz hatte, es sich bequem zu machen, während sie versuchte, sich klein zu machen und die Hände im Schoß faltete. Im Sitzen wirkte sie wenigstens nicht ganz so riesig, da fielen ihre langen Beine nicht so auf, nur der lange Rücken blieb. Aber den hatten viele Mädchen.
Sie überlegte kurz und beschloss dann, sein Bein erst einmal nicht anzusprechen, um nicht zu neugierig zu wirken. “Du sagtest gerade, du willst zur Zivilverwaltung wegen deiner Dienstzeit?“ griff sie das Gespräch wieder auf und bestätigte damit, dass sie zugehört hatte.“Dann bist du bei der Legion? Mein Bruder Marcus Accius Florus ist ebenfalls im Dienst des Kaisers bei der Legio II Augusta. Er ist Centurio der sechsten Cohorte siebente Centurie“, erzählte sie. Auch wenn ihr Bruder sie schlecht behandelte und alles andere als nett war, er war ihr Schutzschild und ihr Tutor. Und wenn Sabinius Merula bei der Legion war und deshalb gerade eine Verletzung auskurierte oder so etwas, kannte er ihn vielleicht. Sie hoffte nur, dass in dem Fall mein Bruder etwas netter war und einen besseren Eindruck hinterlassen hatte, als er es ihr gegenüber tat.


RE: Auf dem Forum - Marcus Sabinius Merula - 02-21-2023

Die ganze Zeit starrte sie eher den Boden an, als mich. Ob ihr etwas peinlich war? Ein Mann in meinem Alter, der an einem Stock ging und dann auch noch von einem Sklaven gestützt werden musste? Seit ich wieder zu Hause war, hatten mich einige meiner ehemaligen Kameraden besucht. Alle hatten sie es vermieden, sich über mein Bein zu unterhalten. Wahrscheinlich um mich zu schonen. Aber ich brauchte kein verdammtes Mitleid! Ich wettete, das war hier bei ihr auch der Grund. Es kam mir nämlich nicht in den Sinn, dass es an ihrer Statur liegen könnte. Dass sie sich einfach nur für ihre Körpergröße schämte. Nun ja, sie war gewiss größer, als die meisten Frauen. Aber mir machte das nicht viel aus. Leider konnte nicht jeder mit unglaublicher Schönheit gesegnet sein. Genauso wenig gab es nicht nur Menschen, die vor lauter Gesundheit strotzten. Doch wenigstens ergriff sie nicht die Flucht, als ich mehr oder minder zur Bank hin humpelte. Sie folgte mir und setzte sich, mit gebührendem Abstand versteht sich, neben mich. Sie war es dann auch, die den Gesprächsfaden dann wieder aufnahm und mich nach meiner Dienstzeit fragte. Ich räusperte mich kurz, um kurz zu überlegen, wo der Schmerz mich unterbrochen hatte.
"Ja, ich bin bei der Legio. Das heißt, ich war es." antwortete ich ein wenig verbittert. "Ach ja, wegen meiner Dienstzeit. Nun, ich wollte mich erkundigen, ob mir aufgrund meiner Dienstzeit ein Stück Land zusteht." Es folgte ein gequältes Lächeln, denn ich würde mich wohl nie damit abfinden können, nicht weiter meiner Bestimmung zu folgen. Diese elende Verletzung hatte alles zunichte gemacht! Aber sie sprach weiter und erzählte mir dann, dass ihr Bruder auch hier bei der Legio war. Jetzt endlich erinnerte ich mich wieder! Der Name Accia und wieso er mir so bekannt vorgekommen war. "Accius Florus ist dein Bruder? Wirklich? Wenn das nicht ein Zufall ist! Ich kenne deinen Bruder!" Nun ja, wir kannten uns nicht so gut, dass wir sehr gut befreundet waren. Aber ich hatte mit Florus gelegentlich schon öfters ein paar Worte gewechselt. Er war Centurio, wie ich es gewesen war. Allerdings war er ein paar Jährchen älter, als ich. "Ich dachte, Florus‘ Familie lebt in Londonium. Oder bist du gerade hier, um deinen  Bruder zu besuchen?" Ich hatte Florus gut und gerne über ein Jahr nicht mehr gesehen, da konnte sich viel verändern. "Wie geht es ihm denn? Ich hab ihn schon lang nicht mehr gesehen." Ja, er war ein guter Kamerad, mit dem man sich bei einer Kanne Wein einen Abend lang gut unterhalten konnte. Ich ahnte ja nicht, wie mies er seine eigene Schwester behandelte.


RE: Auf dem Forum - Accia Prisca - 02-21-2023

Prisca hörte zu und schaute nur kurz auf, als er ganz verbittert klang, dass er bei der Legion gewesen war. Offensichtlich war seine Verletzung so schwer, dass er außer Dienst gestellt worden war. Es klang alles so, als rechnete er nicht damit, zurückkehren zu können.
“Wenn du ehrenhaft entlassen wurdest, sollte es dir zustehen, nicht?“ fragte sie unsicher, da sie es nicht wusste. Aber alle, die ehrenhaft entlassen wurden, bekamen eines, soweit sie die Sache verstand. Allerdings war sie kein Mann und hatte auch sonst eher oberflächliches Wissen, was das anging. Ihre Familie hatte nun keine lange Militärtradition mit zig Centurionen oder ähnliches vorzuweisen. Eigentlich war ihr Bruder der einzige im näheren Familienumkreis.

Und natürlich kannte er ihn! Prisca schaute auf und fragte sich bei der Freude, mit der Sabinius Merula über ihn sprach, ob sie von derselben Person sprachen. Oder ob das einfach der Unterschied war, ob Accius Florus einen Menschen leiden konnte oder nicht – wobei sie dabei eindeutig auf der negativen Seite gelandet wäre. Und natürlich erinnerte er sich auch daran, dass ihr Vater und sie in Londinium gelebt hatten.
“Mein Vater hat in Londinium gewohnt, ist aber leider diesen Winter verstorben. Mein Bruder erachtete es als praktischer, wenn ich nun hier in seiner Nähe lebe, damit er seine Rolle als mein Tutor ausfüllen kann, anstatt dass ich ohne männlichen Schutz in Londinium verbleibe“, sagte sie relativ tonlos und ohne rechte Überzeugung. Prisca vermisste Londinium, ihre Freunde und auch ihre Stiefmutter Carisia Prima, bei der sie nur zu gerne geblieben wäre. Prisca hätte mit ihr zu ihrer Familie gehen dürfen, es wäre kein Problem gewesen, ihrer beiden Väter hatten sich gut gekannt und verstanden. Er hätte ihr Obdach geboten, bis die Ehe mit Lucius Lartius Flaccus doch noch zustande gekommen wäre. Aber ihr Bruder hatte anders entschieden, das Haus in Londinium verkauft und sie hier her befohlen, damit sie in seiner Nähe war. Und seitdem nicht einmal besucht oder sich näher mit ihr beschäftigt. Prisca verstand einfach nicht, was nun hiervon der entscheidende Vorteil sein sollte. Aber Kritik an ihrem Bruder und seinen Entscheidungen stand ihr nicht zu. Erst recht nicht vor dessen Freunden.
“Er ist wohlauf, aber sein Dienst nimmt ihn sehr in Beschlag“, antwortete sie also etwas ausweichend, um nicht enthüllen zu müssen, dass sie ihn selber die ganze Woche nicht gesehen hatte. “Ich kann ihm Grüße übermitteln, wenn du möchtest“, fügte sie an, wusste aber selber nicht, wann sie die Gelegenheit haben würde, diese Grüße auch zu überstellen.
Damit sich das Gespräch nicht an ihrem Bruder festfraß, fragte sie lieber das erstbeste, das ihr einfiel. “Und du wohnst nun in Iscalis, oder bist du nur heute hier wegen deinem Stück Land von der Zivilverwaltung?“


RE: Auf dem Forum - Marcus Sabinius Merula - 02-21-2023

"Ja, das denke ich auch. Eigentlich ist es ja nur eine Formalität. Aber du weißt ja bestimmt, der Amtsschimmel reitet langsam." Irgendwann musste ich mich eben darum kümmern. Ich hatte zwar noch keine Idee, wozu ich das  Land nutzen sollte. Wenn mir gar nichts dazu einfiel, konnte ich es immer noch verkaufen.
Prisca erzählte nun, weswegen sie in Iscalis weilte. Ich bemerkte sofort die Veränderung in ihrer Stimme. Sie klang plötzlich so tonlos, denn sie berichtete mir vom Tod ihres Vaters und dass Florus sie deswegen nach Iscalis geholt hatte, um sich hier besser um sie zu kümmern. So wie es eben seine Pflicht war!
"Oh, das tut mir sehr leid! Mein aufrichtiges Beileid! Dann hast du nun wenigsten deinen Bruder in deiner Nähe" antwortete ich schnell und hoffte, sie damit etwas trösten zu können. Der Tod eines geliebten Menschen war immer ein großer Einschnitt im eigenen Leben. Auch für meine Mutter war der Tod meines Vaters nicht leicht gewesen. Im Grunde mussten wir alle mit unseren Verlusten fertig werden. Manchmal half es aber, wenn man sich in Gesellschaft begab und miteinander sprach. Das erlebte ich nun gerade selbst, denn es hatte etwas angenehmes, sich mit ihr zu unterhalten. Vielleicht gerade deshalb, weil sie selbst nicht auf der Sonnenseite des Lebens stand. Dass viel mehr dahinter steckte, konnte ich nicht ahnen. Daher wunderte ich mich such nicht, dass sie in Bezug auf ihren Bruder eher reserviert antwortete. 
"Danke dafür! Ich hoffe, er kennt mich noch!" Zunächst hatte ich noch überlegt, sie beide einzuladen. Doch das wäre vielleicht zu überstürzt gewesen. Außerdem sollte sich Florus zu nicht verpflichtet fühlen. Er wusste sicher, dass ich hier im Haus meiner Familie lebte. Wenn ihm danach war, mich zu besuchen, konnte er jederzeit kommen. 
"Ja, im Haus meiner Familie. Mein Vater war Veteran und ist hier nach seiner Dienstzeit geblieben. Er hat unser Haus hier in der Stadt errichten lassen. Du siehst, ich hatte keine große Anreise hier her." Nun lächelte ich ihr zu. "Ach, wenn du am Aushang warst, hast du sicher vom Wagenrennen gelesen. Vielleicht wäre das eine Möglichkeit, sich wieder zu treffen,  natürlich mit deinem Bruder zusammen," schlug ich vor. Dann konnte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Ich konnte mich  einmal wieder  mit Florus unterhalten und Prisca konnte ich auch wiedersehen, denn eigentlich war sie ein nettes Mädchen. Es bereitete mir Freude, mich mit ihr zu unterhalten. Sie war anders, als die meisten, die ich kannte.


RE: Auf dem Forum - Accia Prisca - 02-21-2023

Accia Prisca nahm seine Kondolenz mit der nötigen Würde entgegen und nickte ergeben, stets darum bemüht, nicht zu weinen. Während ihrer Trauerzeit durfte sie zwar eigentlich weinen, wann immer sie wollte, aber ihr Bruder hatte diese ja für beendet erklärt. Und da sie die Haare hochgesteckt trug und nicht einmal ein schwarzes Kleid anhatte – auch dinge, die er untersagt hatte – wäre es sicherlich unschicklich gewesen, wenn sie jetzt in Tränen ausgebrochen wäre. Nein, außerhalb der Trauerzeit sollte eine Römerin stets Würde ausstrahlen. Von allem anderen wäre ihr Vater auch enttäuscht gewesen, glaubte Prisca.

“Bestimmt kennt er dich“, versicherte sie ihm, merkte dann aber, wie sehr man diese Aussage wegen seines Beines missverstehen konnte, und schob schnell noch nach: “Spätestens, wenn du mir verraten magst, in welcher Centurie du warst und in welchem Rang.“ Sie hoffte, dass diese Information bei ihm nicht zu irgendwelcher Bitterkeit führte, aber so konnte sie ihrem Bruder ordentlich militärisch Bericht erstatten. Etwas, das er wahrscheinlich zu schätzen wusste, wie sie ihn einschätzte. Ihr taten immer wieder seine Legionäre leid, wenn er mit denen auch so harsch war wie mit ihr. Aber wahrscheinlich stellten die sich auch nicht so dumm an wie sie.

Was dann kam, war unerwartet. Er lud sie ein, sich beim Wagenrennen zu treffen. Prisca schaute im ersten Moment sehr verwirrt auf und wusste gar nicht, was sie sagen sollte. Noch nie, wirklich noch gar NIE hatte sich jemand mit ihr noch einmal treffen wollen, nachdem er sie einmal gesehen hatte. Zumindest kein Mann, schon gar niemand im entsprechenden Heiratsalter. Ja, nicht mal Lucius Lartius Flaccus, der sie hätte heiraten sollen, hatte sich je mit ihr verabreden wollen, schon gar nicht in der Öffentlichkeit.
Und einen Moment lang war sie überfordert. Zum Glück merkte Miriam das und sprang ihrer Herrin helfend bei. “Oh, die junge Domina ist entzückt, Dominus Sabinius Merula. Ihr Bruder wird sicherlich zustimmen, sofern Damen das Zuschauen erlaubt ist.“ Was ja nicht immer unbedingt so war.
Prisca beeilte sich, fleißig zu nicken und Sabinius Merula etwas weniger überrascht anzusehen. “Ja, ja, genau. Ich werde meinen Bruder Florus fragen, ob ich gehen darf“, sagte sie und merkte, dass sich eine ganz unangebrachte Röte über ihre Wangen schlich. Sie konnte immer noch nicht glauben, dass ein Mann sie eingeladen hatte. Und sie anlächelte. Und nett zu ihr war. Fast so, als wäre sie hübsch. “Ich würde mich sehr freuen, dich dann dort wiederzusehen. Ich werde meinem Bruder sagen, dass er dir am besten eine Nachricht schreibt, wenn er es erlaubt, damit wir uns nicht verpassen.“ Oh, Götter, hatte sie das grade wirklich gesagt? Hoffentlich hielt er sie jetzt nicht für eines von diesen Mädchen, die sich jedem gleich an den Hals warfen.


RE: Auf dem Forum - Marcus Sabinius Merula - 02-21-2023

Prisca zeigte die angemessene Würde einer Römerin, als ich ihr mein Beileid bekundete. Ihr Vater wäre sicher stolz auf sie gewesen und natürlich erst recht ihr Bruder. Ein wenig beneidete ich Florus, denn er hatte gewiss viel mehr Kontakt zu seiner Schwester, wie dies bei mir und meiner Schwester Calista der Fall war. Calista war drei Jahre jünger als ich. Seit fast acht Jahren war sie nun schon verheiratet und hatte in dieser Zeit drei Kindern das Leben geschenkt. Sie war ein Jahr nach ihrer Hochzeit mit ihrem Mann nach Rom gezogen. Seitdem hatten wir uns nicht mehr gesehen. Gelegentlich schrieb sie Briefe. Das war aber auch schon alles.

Vielleicht hatte Florus mit seiner Schwester schon unwissentlich über mich gesprochen, da sie sich sicher war, Florus würde mich noch kennen. Oder war es wegen des Beines? Aber nein, ich Idiot hatte vergessen, ihr zu sagen, in welcher Einheit ich gedient hatte. Wie unaufmerksam von mir! "Oh, natürlich, wie unaufmerksam von mir! Ich war ebenfalls Centurio der achten Kohorte, sechsten Centurie." Ich hoffte, sie konnte sich das merken. Aber ich schätzte sie so ein, dass sie imstande war, sich zwei Zahlen zu merken.
Als ich ihr vorgeschlagen hatte, sich mit ihr und Florus zum Wagenrennen zu treffen, glaubte ich zunächst, einen Fauxpas begangen zu haben, denn sie schaute mich so verwirrt an. Oder gestattete es Florus ihr etwa nicht, solchen Ereignissen beizuwohnen? Doch dann meldete sich ihre Amme zu Wort und meinte, einem erneuten Treffen stünde sicher nichts im Wege, sofern Damen als Zuschauer zugelassen waren. nun, ich hoffte doch! Ich hätte mich darüber gefreut, mich vielleicht ab und an mit ihr zu unterhalten. Sie konnte wirklich gut Gesellschaft leisten!
"Das wäre wirklich sehr schön!", entgegnete ich ihr lächelnd, als sie wieder ihre Sprache gefunden hatte und mir fast schon überschwänglich versicherte, ihren Bruder zu fragen und ihn zu bitten, mir zu schreiben, ob er es erlaube. Dabei errötete sie leicht. Wahrscheinlich geschah so etwas nicht alle Tage in ihrem Leben. Aber damit sie sich nicht kompromittiert fühlen musste, konnte ich Mutter noch bitten, mich zu begleiten. Das würde sie sicher erfreuen, da sie doch so erpicht darauf war, bald Enkelkinder zu bekommen. Allerdings wollte ich auch nichts überstürzen. Denn ehrlich gesagt, wollte ich mir noch etwas Zeit lassen. Nachdem ich heute zum ersten Mal das Haus verlassen hatte, wollte ich nicht morgen schon heiraten! Womöglich war die Accia eh schon längst jemandem versprochen.