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Keltische und römische Religion in Britannien - Chronist - 11-02-2026 Der Götterglauben der britannischen Kelten im 1. Jahrhundert war zutiefst polytheistisch, animistisch (alle Dinge waren beseelt) und eng mit der ungezähmten Natur verbunden. Mit der Ankunft der Römer ab 43 n. Chr. traf dieses Glaubenssystem auf die Interpretatio Romana – ein kulturelles Phänomen, bei dem fremde, einheimische Götter mit den bekannten Gottheiten des römischen Pantheons gleichgesetzt und verschmolzen wurden. Der traditionelle keltische Götterglauben Die Kelten Britanniens besaßen kein starres, schriftlich fixiertes Pantheon wie die Griechen oder Römer. Ihr Glaube war lokal geprägt: Fast jeder Stamm, Fluss, Berg und jede Quelle hatte eine eigene Schutzgottheit. Weitere Kennzeichen waren: - Animismus: Die Natur war heilig. Bäume (besonders Eichen), Haine (Nemetona), Moore und Quellen galten als Tore zur Anderswelt. Hier wurden den Göttern wertvolle Opfer dargebracht, darunter absichtlich verbogene Schwerter, Prunkwagen und Torques. - Die Dreifaltigkeit der Götter: Keltische Götter wurden oft in dreifacher Gestalt dargestellt (Triaden), was ihre universelle und verstärkte Macht symbolisierte. Auch in der religiösen Kunst tauchen steinerne Dreigesichter immer wieder auf. Ein prominentes Motiv waren auch gehörnte Gottheiten wie Cernunnos (der Herr der Tiere und des Waldes). - Kopfkult: Der menschliche Kopf galt als Sitz der Seele und spirituelles Zentrum. Die Kelten sammelten die Köpfe erschlagener Feinde, balsamierten sie ein oder nagelten sie an ihre Festungstore. - Menschenopfer: Römische Quellen (die allerdings mit Vorsicht zu genießen sind) berichten, dass die Druiden in Krisenzeiten Menschenopfer darbrachten, um die Götter milde zu stimmen. Dies geschah durch Ertränken in Mooren, Verbrennen in riesigen Weidenflechtfiguren ("Wicker Man") oder durch den rituellen "dreifachen Tod" (Erwürgen, Erschlagen und anschließendes Kehledurchschneiden). RE: Keltische Religion - Chronist - 11-02-2026 Priesterinnen und Priester Frauen waren in dieser Religion voll integriert: Es gab sowohl männliche als auch weibliche Druiden und Priester und Priesterinnen. Sie agierten nicht in streng getrennten Kulten, sondern nahmen komplementäre Rollen ein und arbeiteten zusammen. Da die keltische Religion sowohl mächtige männliche Götter (wie Lugh oder Taranis) als auch mächtige Erdgöttinnen und Kriegsgöttinnen (wie Andraste oder Brigid) verehrte, war es für die Kelten völlig logisch, dass beide Geschlechter den Kontakt zur Götterwelt herstellten. Häufig waren hochrangige Druiden mit Königinnen oder Clanchefinnen verheiratet (oder umgekehrt). So wird beispielsweise (historisch unbewiesen!) von modernen Autorinnen vermutet, dass Boudiccas Mutter eine banduri (Druidin) war, was Boudiccas eigenen tiefen Bezug zur Kriegsgöttin Andraste erklären würde.* * Feminist Legal / Ancient Origins (Hrsg.): Female Druids, the Forgotten Priestesses of the Celts. Veröffentlicht am 27. Oktober 2019, abrufbar unter: Feminist Legal RE: Keltische Religion - Chronist - 11-03-2026 Beispiele für Götter Britanniens Andraste – Die grausame Kriegsgöttin Sie war die Stammes- und Kriegsgöttin der Icener (im Osten Englands). Ihr Name bedeutet „Die Unbesiegbare“. - Historische Rolle: Berühmt wurde sie durch Boudicca, die im Jahr 60/61 n. Chr. den großen Aufstand gegen die Römer anführte. Historischen Berichten zufolge opferte Boudicca der Andraste in heiligen Hainen Menschen, um ihren Beistand vor den Schlachten zu erflehen Brigid (Brigit) Brigantia – Die dreifache Göttin Rolle: Göttin des Feuers, der Heilung, der Dichtkunst und der Schmiedekunst. Merkmale: Als eine der beliebtesten weiblichen Figuren stand sie für Inspiration, Fruchtbarkeit und den Frühlingsanfang (festgehalten im Fest Imbolc). Ihr Kult war so tief verwurzelt, dass sie im Zuge der Christianisierung als Heilige Brigida in den christlichen Glauben integriert wurde. Brigantia und Brigid sind im Kern zwei regionale Ausprägungen derselben uralten, pan-keltischen Urgöttin. Während Brigantia die wehrhafte Herrscherin des britannischen Festlands war, entwickelte sich Brigid zur strahlenden, dreifachen Göttin der irischen Insel. Ihr gemeinsames Fundament ist so stark, dass ihre Namen sprachlich auf exakt dieselbe Wurzel zurückgehen. In den alten irischen Texten (wie Cormacs Glossar) wird die dreifache Brigid als drei Schwestern beschrieben. Keine von ihnen war eine „alte Hexe“. Sie waren die Göttin der Dichtkunst, die Göttin der Heilung und die Göttin der Schmiedekunst. Es ging um Fähigkeiten und kosmische Kräfte, nicht um das biologische Alter. Britannia Die Römer nahmen die lokale Verehrung der Brigantia und formten daraus die eigenständige Provinzgöttin Britannia. Sie bauten Tempel und Weihestätten für Britannia, um den rebellischen keltischen Norden symbolisch zu befrieden und den Schutz der römischen Legionen vor Ort spirituell zu untermauern. Das Aussehen: Britannia wurde – stark inspiriert von den klassischen Göttinnen Minerva (Weisheit/Kampf) und Victoria (Sieg) – als eine ernst blickende, wehrhafte Frau in Rüstung mit Helm, Schild und Speer dargestellt. Belatucadros & Cocidius – Die kriegerischen Götter des Nordens Diese beiden Götter wurden vor allem im rauen Norden Britanniens (nahe dem späteren Hadrianswall) verehrt. Rolle: Belatucadros („Der schöne Glänzende“) und Cocidius waren Götter des Krieges, der Wälder und der Jagd. Als die römischen Soldaten dort stationiert wurden, identifizierten sie beide Götter sofort mit ihrem eigenen Kriegsgott Mars und hinterließen zahlreiche Inschriften, die beide Kultwelten miteinander verbanden Cernunnos – Der gehörnte Gott Rolle: Herr der Wälder, der Tiere, des Wohlstands und der Fruchtbarkeit. Merkmale: Er wird meist im Schneidersitz dargestellt, trägt ein markantes Hirschgeweih auf dem Kopf und hält oft einen Torques (keltischen Halsring) sowie eine gehörnte Schlange. Er symbolisiert die ungezähmte Urkraft der Natur. Epona – Weit verbreitet durch die Kavallerie Nachweis in Britannien: Sehr stark Rolle: Beschützerin der Pferde, Esel und Maultiere, ihrer Ställe und ihrer Reiter Wie sie hinkam: Die Römer importierten die Verehrung der gallischen Pferdegöttin Epona direkt nach Britannien. Besonders die römische Hilfskavallerie verehrte sie in ihren Kastellen. Sie war die einzige keltische Göttin, die in Rom einen eigenen Tempel erhielt, zu so großer Beliebtheit gelangte sie. Lugh (Lug) – Der Gott der tausend Künste Rolle: Licht-, Sonnen- und Kriegsgott, Patron der Handwerker und Künstler. Merkmale: Er war ein Meister in absolut jeder Disziplin (Schmiedekunst, Poesie, Kampf). Nach ihm ist das traditionelle Erntedankfest Lughnasadh benannt. Er führte die Götter mit seinem unfehlbaren, magischen Speer in die Schlacht Nodens – Der Gott der Heilung und der Jagd Rolle: Ein Gott der Heilung, des Meeres, der Jagd und der Hunde. Seine wichtigste Kultstätte befand sich im Lydney Park (Gloucestershire). Pilger reisten von weit her an, um in seinem Tempel zu schlafen und auf Heilung durch Träume zu hoffen. Archäologische Funde zeigen, dass ihm oft kleine bronzene Hunde geopfert wurden. Sulis – Die Göttin der heißen Quellen Bedeutung: Sie war die wohl mächtigste Heil- und Wassergöttin Britanniens. Ihre heiligen, thermalen Quellen lagen im heutigen Bath (Südwestengland). Die Römer waren von den heißen Quellen so fasziniert, dass sie die Göttin mit ihrer eigenen Weisheits- und Kriegsgöttin zu Sulis Minerva verschmolzen. Der Tempelkomplex in Bath war eines der größten religiösen Zentren der Insel Taranis – Der Donnergott Rolle: Himmels- und Donnergott. Merkmale: Als mächtiger Herrscher über Blitz und Wetter wurde er von den Römern mit Jupiter gleichgesetzt. Sein typisches Attribut ist das Rad (Feuerrad oder Speichenrad), welches den Kosmos oder die Sonne darstellt. Taranis war ein sogenannter pan-keltischer Gott, der sowohl auf dem Festland als auch auf den britischen Inseln bekannt war. Das britannische (walisische) Wort für Donner lautet bis heute taran. Funde: Nahe der Stadt Chester wurde ein römisch-britischer Altar ausgegraben, der dem Iovi Tanaro geweiht war – eine Verschmelzung des römischen Gottes Jupiter mit dem keltischen Taranis. Auch kleine symbolische Götterräder (die Räder des Taranis) wurden in Britannien als Amulette gefunden Teutates (auch Toutatis) – Der Stammesbeschützer Rolle: Gott des Krieges, des Schutzes und der Gemeinschaft. Merkmale: Sein Name bedeutet übersetzt schlicht „Vater des Volkes“ oder „Gott des Stammes“. Er wachte über das Wohlergehen, die Gesetze und die Verteidigung der Menschen RE: Keltische Religion - Chronist - 11-03-2026 Die Interpretatio Romana: Die Verschmelzung der Welten Als die Römer Britannien eroberten, versuchten sie wie anderswo auch nicht, die lokalen Kulte der einheimischen Bevölkerung auszulöschen (mit Ausnahme der Druiden, die als politische Unruhestifter galten). Stattdessen wandten sie das Prinzip der Interpretatio Romana an: Sie suchten nach Gemeinsamkeiten, setzten keltische mit römischen Göttern gleich, gaben den keltischen Göttern römische Namen und Eigenschaften, um die Religion der Unterworfenen zu integrieren und kontrollierbar zu machen. Aus dieser Verschmelzung entstanden faszinierende Mischgötter (Synkretismus), die sowohl von keltischen Britonen als auch von römischen Soldaten und Siedlern verehrt wurden: Minerva - Sulis, die römische Göttin der Weisheit und die britannische Göttin der Heilung, Britannia ( die einheimische Göttin Brigantia als Schutzgöttin der römischen Provinz), Taranis Iuppiter ( Donnergötter), Mars Belatucadrus, Mars Cocidius, Mars Ocelus Vellaunus,...etc Römische Götter in Britannien Die Römer brachten ein extrem facettenreiches Spektrum an Gottheiten nach Britannien – von ihren klassischen Staatsgöttern über Alltags- und Handelsgötter bis hin zu den geheimnisvollen Mysterienkulten aus dem Osten. Diese Götter veränderten das Leben, die Kunst und das Denken der einheimischen Britonen nachhaltig. - Mithras (Aus Persien): Rolle: "Soldatengott" und Erlöser Seine Tempel (Mithräen) waren unterirdische, fensterlose Höhlen. Das berühmteste Britannien-Mithräum wurde mitten in London (London Mithraeum) ausgegraben, weitere direkt an der schottischen Grenze am Hadrianswall (z.B. in Carrawburgh). Er beeinflusste vor allem die in Britannien stationierte militärische Elite. - Isis & Serapis (Aus Ägypten): Die Göttin mit den zehntausend Namen und ihr Partner Serapis wurden von Händlern und Beamten eingeschifft. In London fand man einen Krug mit der Aufschrift Londini ad fanum Isidis („In London beim Tempel der Isis“), was beweist, dass sie ein eigenes Heiligtum in der Metropole besaß. - Mercurius: Er war der mit Abstand am häufigsten verehrte rein römische Gott bei der einfachen Bevölkerung. Die Britonen, die zuvor Tauschhandel betrieben, lernten durch ihn das römische Marktwesen und die Geldwirtschaft kennen. Überall in Britannien fand man kleine bronzene Merkur-Statuetten in den Hausaltären (Lararien) gewöhnlicher Menschen. - Priapus / Silvanus (Fruchtbarkeit & Feldarbeit) Die Römer brachten neue Agrartechniken und Gartenkulturen auf die Insel. Priapus (als Schutzgott der Gärten) und Silvanus (Gott der Felder und Grenzen) wurden von britischen Bauern schnell adoptiert, um ihre Ernte zu sichern. - Der Kaiserkult (Divus Augustus): Die Römer brachten den Glauben mit, dass verstorbene (und manchmal lebende) Kaiser göttlich seien. Der gigantische Tempel des Claudius in Colchester war das Zentrum dieses Kultes. Er war den Britonen anfangs so verhasst als Symbol der Unterdrückung, dass die Rebellenkönigin Boudicca ihn als Erstes dem Erdboden gleichmachte. Später wurde der Kult jedoch fester Bestandteil der romano-britischen Identität. - Britannia Die Verkörperung des weiblichen Geistes der Provinz > siehe auch hier - Kapitolinische Trias (Iuppiter, Iuno, Minerva): In jeder neu gegründeten römischen Stadt (wie Camulodunum/Colchester, Verulamium/St Albans oder Corinium/Cirencester) bauten die Römer monumentale Tempel für diese drei Hauptgötter. Für die britische Oberschicht wurde es zu einer Frage des sozialen Aufstiegs und der Politik, an den offiziellen Opfern für Jupiter Optimus Maximus teilzunehmen. - Dis Pater / Pluto & Die Parzen (Schicksalsgöttinnen): Die Römer brachten die Praxis der Fluchtafeln (Defixiones) mit. Wenn ein Britannier bestohlen wurde oder Rache suchte, schrieb er den Namen des Täters auf ein Bleiplättchen und übergab es den römischen Unterweltgöttern. Hunderte dieser Tafeln wurden in den Quellen von Bath und im Amphitheater von Caerleon gefunden. Die Kelten lernten hierdurch, ihre Götter wie in einem römischen Rechtsvertrag anzurufen. * Bildnachweis: Claudius Divus und Britannia, mit KI erstellt |